Neues SNF Forschungs­projekt "Die 'gute Familie'"

 

Neues SNF Forschungs­projekt "Die 'gute Familie'"

Wann intervenieren Schule und Fürsorge zwischen 1950 und 1980 in eine Familie und ergreifen die Massnahme der Fremdplatzierung – und wann nicht? Welche Familien gelten als „normal“ und „gut“, welche als „defizitär“ und „schlecht“? Wie sieht die neue sozialpädagogische Betreuung aus?

Das Ende des Nachkriegsbooms ist von sozialen und kulturellen Umbrüchen gekennzeichnet. Die Therapeutisierung und Psychiatrisierung des Alltags wirken sich auf den Umgang mit Familie aus. Das Projekt rekonstruiert die damaligen Aushandlungen von Deutungsmustern zur Familie im reformierten Bern und im katholischen Tessin. Der Vergleich soll erkenntnisfördernd die Kontraste der politisch-sozialen, ökonomischen, konfessionellen und sprachlichen Diversitäten der schulischen Familienpolitik aufzeigen. Zum einen analysiert das Projekt Archivdokumente, zum andern erschliesst es die Betroffenenperspektive und -biographie mit -ethnographischen Video-Interviews.

Die Erkenntnisse der historischen Entwicklung und Veränderung von Deutungen und Kategorisierungen der Familie leisten einen Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für unterschiedliche Familienformen, für die versteckte Normativität von Fremdplatzierungen, für die Ambivalenz von Hilfe und Fürsorge. Der ethnographische Dokumentarfilm trägt dazu bei, Raum für die Sicht der Betroffenen und ihre Erinnerungen an die „Zugriffe“ von Schule und Behörden zu schaffen.

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Publiziert am: 03.04.2019