Textile Produkte kooperativ entwickeln

Durch dialog- und prozessorientiertes Lernen fachspezifische Kompetenzen fördern

einstieg

Aufbau Portal

Die Sequenzen aus dem Fach TTG zeigen Einblicke in Unterrichtseinheiten mit textilen Inhalten auf Zyklus 2 und Zyklus 3 (Primar- und Sekundarstufe 1). Der Unterricht wurde im ersten Halbjahr 2017 durchgeführt und von den jeweiligen Lehrpersonen in Zusammenarbeit mit den Projektleitenden entwickelt.

Für den Einsatz an Pädagogischen Hochschulen oder ähnlichen Institutionen ist zu jeder ausgewählten Sequenz aus den Unterrichtseinheiten ein Dokument mit Anregungen für die fachdidaktische Lehre greifbar. Weiter stehen für die Bezüge der Unterrichtseinheiten zu Kompetenzen, Fachinhalten und methodischen Zugängen in den untenstehenden Aufklappmenüs Informationstexte zur Verfügung.

Die Projektleitung ist an Rückmeldungen zum Einsatz in der Lehre interessiert. Ideen bitte per E-Mail an: fachdidaktikzentrum.ttg@phbern.ch

Unterrichtseinheiten

In allen Unterrichtseinheiten beschäftigen sich die Lernenden mit je einem Themenfeld aus dem Lehrplan 21 (Transport, Bekleidung, Wohnen). Die Titel der Unterrichtseinheiten nehmen auf die hergestellten Produkte Bezug und weisen innerhalb der gemeinsamen Themenbereiche Verwandtschaften zwischen den beiden Zyklen auf. Sie sollen zudem eine Prise Innovation zum Ausdruck bringen. Mit einem Kurztext wird jede Unterrichtseinheit vorgestellt, in einem weiteren Dokument werden die Inhalte erläutert und in einer Übersicht zum Ablauf kann eingesehen werden, wie die ausgewählten Sequenzen im Verlauf der Unterrichtseinheit zeitlich situiert sind.

1 Feinpacker

2 Allesträger

3 Myshirt

4 Onlyone

5 Wasserstopper

6 Locotex

Ausgewählte Sequenzen

Im Zentrum der einzelnen Sequenzen steht meist ein Videoclip. Diese Aufnahme aus der Praxis wird kurz vorgestellt. Ansichten aus dem Unterrichtsraum helfen dabei, die dem Unterricht zugrunde liegende Idee besser einzuordnen. Weitere Dokumente wie Bild- und Textmaterialien können ergänzend beigezogen werden. Ebenfalls greifbar sind Anregungen für die Lehre in der Aus- oder Weiterbildung von Lehrpersonen. Die Sequenzen können aus der Perspektive einer fokussierten Kompetenz, eines ausgewählten Fachinhaltes oder des kooperativen, dialogischen und prozessorientierten Lernens betrachtet und bearbeitet werden.

1 Feinpacker
1A Ergebnisse zu Farbwirkungen besprechen
1B Material- und Farbkombinationen suchen
1C Konstruktionen entwickeln
1D Beratung zu Konstruktionen einholen
1E Beratung zu Ideenentwicklung einholen
1F Materialien haptisch wahrnehmen und beschreiben
1G Formanordnungen suchen

2 Allesträger
2A Objekt und Person kombinieren
2B Objekt und Person beschreiben
2C Durch Materialerprobung Expertise entwickeln
2D Ergebnisse Materialerprobungen teilen
2E Farbkonzept entwickeln
2F Vorstellungen zur Konstruktion entwickeln
2G Ergebnisse zu Konstruktion teilen
2H Modellvarianten besprechen

3 Myshirt
3A Farbzuschreibungen sammeln
3B Formen sprachlich definieren
3C Motive entwickeln und Beratung einholen
3D Motive und Motivanordnungen entwickeln
3E Motive und Oberflächenveränderungen suchen und entwickeln
3F Ergebnisse zu Oberflächenveränderungen teilen
3G Produkte entwickeln

4 Onlyone
4A Lieblingsshirt zuordnen und vorstellen
4B Trendfarben beschreiben
4C Farbkonzepte entwickeln
4D Formen sortieren
4E Formen entwerfen

5 Wasserstopper
5A Materialien sichten und suchen
5B Materialien bearbeiten und haptisch wahrnehmen
5C Farbkombinationen suchen und beschreiben
5D Recherchen und Farbideen präsentieren
5E Motive und Motivanordnungen suchen und entwickeln
5F Motive und Motivanordnungen diskutieren
5G Objekte sichten und präsentieren

6 Locotex
6A Farbvorschläge entwickeln
6B Vorstellungen zu Formen aufbauen
6C Gezeichnete Ansichten überprüfen
6D Konstruktion entwickeln
6E Zwischenstand der Konstruktion austauschen
6F Materialien bestimmen

Fachspezifische Kompetenzorientierung

Die Lernenden setzten sich mit allen drei Kompetenzbereichen auseinander, die in der Schweiz ab 2019 zu TTG im Lehrplan 21 gefordert sind: «Wahrnehmung und Kommunikation», «Prozesse und Produkte», «Kontexte und Orientierung». Konkret wurde an folgenden vier ausgewählten Kompetenzen gearbeitet: «Gestaltungs- bzw. Designprozesse und Produkte begutachten und weiterentwickeln» (TTG 1.B.1), «Gestaltungs- bzw. Designprozesse und Produkte dokumentieren und präsentieren» (TTG 1.B.2), «experimentieren und daraus eigene Produktideen entwickeln» (TTG 2.A.2), «Objekte als Ausdruck verschiedener Kulturen und Zeiten erkennen und deren Symbolgehalt deuten» (TTG 3.A.1).

Fachspezifische Kompetenzen fördern, heisst im TTG, die Lernenden dazu zu befähigen, dass sie die vom Menschen gestaltete Objektwelt im Sinne einer Allgemeinbildung kritisch mitgestalten und konstruktiv analytisch verstehen lernen. Die Lernenden werden somit befähigt, sich in ihrer Lebenswelt mit Gegenständen bewusst zu bewegen, sich für oder gegen das Nutzen von Dingen zu entscheiden und dem Lebenszyklus der Objekte mit Sorgfalt und Respekt zu begegnen. Die vom Menschen erschaffene materielle Kultur wird mit Wissen, Können und reflektierten Haltungen wahrgenommen und verantwortungsvoll benutzt.

Fokussierte Fachinhalte

Im Entwicklungsprozess, der jedem Produkt zu Grunde liegt, werden verschiedene Elemente in Verbindung zueinander kombiniert. Die Schritte in diesem Prozess verlaufen nicht immer geradlinig, sondern oft mäandernd, suchend, abwägend, erforschend, neu findend und sind komplex. Dieser Designprozess kann zwar beschrieben werden, verhält sich aber immer wieder anders, neu und erstmalig, ist situativ.
In den Sequenzen, die verfügbar sind, werden die im Lehrplan 21 genannten Gestaltungselemente Material und Oberfläche, Form und Farbe thematisiert. In den Informationsdokumenten sind weitere Angaben zu den ausgewählten Fachinhalten festgehalten.

Kooperatives Lernen

Die Lernenden entwickeln in den Unterrichtseinheiten eigene Ideen im Austausch mit anderen und materialisieren diese zum Beispiel in der Form von Produkten. Individuell entwickelte Einfälle werden dabei allen Beteiligten in der Lerngruppe vor- und zur Verfügung gestellt. In der Diskussion können sowohl individuelle als auch gemeinsame Entscheidungen getroffen werden. Die Auseinandersetzung mit Ideen von anderen Lernenden wird so zu einem wichtigen Teil des Entwicklungsprozesses von Produkten. Dieses Vorgehen schliesst an Methoden aus der professionellen Designpraxis an, die zeigen, wie kooperative Arbeitsformen beim Entwickeln von Ideen und Produkten besonders fruchtbar sind. Zentral sind dabei die Aspekte direkte Interaktion, Verbindlichkeit, eine sichere Lernumgebung und Interventionen zum Abbau von Statusunterschieden sowie die gegenseitige positive Abhängigkeit und heterogene Gruppen- und Ressourcenorientierung.

Dialogisches Lernen

Sache und Person, Denken und Handeln werden als gleichwertige, aufeinander bezogene Aspekte verstanden. Durch das Sprechen, Handeln und Austauschen werden Inhalte nicht nur verhandelt, sondern auch bewusst gemacht. Dabei ist die sprachliche Auseinandersetzung im TTG für eine Kompetenzorientierung unabdingbar. Lernende verarbeiteten nicht nur vermitteltes Wissen, sondern bringen eigenes Wissen, Können und eigene Wertungen ein. So verstanden ist dialogisches Vorgehen nicht nur eine Methode, sondern Bedingung zu konstituierendem Tun, Entwickeln und Gestalten. Bei der Arbeit mit den ausgewählten Sequenzen können der Dialog zwischen den Lernenden und der Sache, der Lehrperson und der Sache, unter den Lernenden sowie zwischen Lehrperson und Lernenden, sowohl einzeln als auch im Plenum, fokussiert werden.

Prozessorientiertes Lernen

Im Lernprozess geht es darum, die Lernenden zum Entwickeln von Ideen zu animieren, diesen Ideen Raum zu geben, damit die Lernenden ein Übungsfeld erhalten, um Freiräume nutzen zu können (Prozess vs. Produkt). Die Lehrperson unterstützt dabei (Begleitung), hilft wo notwendig und ist bereit, die begriffliche Auseinandersetzung anzuregen, so dass eine reflektierte Handlung möglich wird (begriffl. Erschliessen).

Die Lernenden sollen im ganzen Prozess der Auseinandersetzung mit einem Thema möglichst aktiv, handlungsorientiert, entdeckend und kooperierend tätig sein. Dabei spielt auch das Festhalten dieses Prozesses eine zentrale Rolle (Dokumentation).