Die SWING-Studie untersucht, wie integrationsspezifische Anforderungen und Ressourcen mit dem Belastungserleben und Wohlbefinden von Schulteams zusammenhängen und welche Faktoren gesundheitsfördernd wirken.
Studiendesign
Das Projekt läuft von 2024 bis 2028 an 205 zufällig ausgewählten Primarschulen aus der ganzen Deutschschweiz. Die repräsentative Studie umfasst eine breit angelegte Befragung von Schulteams, Klassen und Erziehungsberechtigten im Frühjahr 2025 und verbindet diese mit einer Follow-up Befragung der Schulteams im Frühjahr 2026. Zusätzlich wurden an 8 Schulen ergänzende Interviews durchgeführt.
205 Schulteams, 4'072 Personen: Schulleitungen, Lehr- und Fachpersonen.
Dieselben Schulteams ein Jahr später. Zeigt, wie sich Anforderungen, Ressourcen und Belastung verändern.
204 Klassen: 3'087 Schüler:innen und 1'720 Erziehungsberechtigte.
42 Personen aus 8 Schulteams mit unterschiedlichen Stress- und Anforderungsprofilen, ausgewählt aus der Schulteambefragung.
A1 · Schulteambefragung, Frühjahr 2025
Im Rahmen der Schulteambefragung wurde untersucht, wie sich vorhandene und wahrgenommene Anforderungen und Ressourcen im Zusammenhang mit der Integration auf Stress und Wohlbefinden von Lehrpersonen auswirken. Befragt wurden:
Rahmenbedingungen
Anhand verschiedener Merkmale der Schulgemeinde und der Schüler:innen wurden die Schulen drei Anforderungsprofilen zugeordnet. Berücksichtigt wurden die Sozialhilfequote der Schulgemeinde sowie die Anteile der Lernenden mit Migrationshintergrund aus strukturschwächeren Ländern, mit nicht-deutscher Erstsprache und mit schulrelevanten Diagnosen.
Jeder Punkt steht für ein Prozent der Schulen.
Anhand der berücksichtigten Indikatoren ergeben sich drei Gruppen: 23% der Schulen mit geringen, 47% mit mittleren und 30% mit hohen Anforderungen.
Es zeigen sich deutliche Unterschiede. Der Anteil Lernender mit nicht-deutscher Erstsprache reicht in den drei Anforderungsprofilen beispielsweise von durchschnittlich 9.3% bis 62.1%. Über alle Schulen hinweg von 0% bis 90%.
Ressourcen
Bezüglich der vorhandenen Ressourcen zeigen sich bei allen untersuchten Massnahmen grosse Unterschiede auf Klassenebene. Während beispielsweise 16% der Klassen keine Integrative Förderung haben, stehen 19% der Klassen 5 bis 6 Lektionen und 5% der Klassen mehr als 6 Lektionen pro Woche zur Verfügung.
Auch zwischen den Schulen bestehen deutliche Unterschiede bei den vorhandenen Ressourcen. Diese können teilweise auf unterschiedliche Anforderungen sowie auf die kantonale und kommunale Steuerung der Ressourcen zurückgeführt werden.
Qualifikation
Der Lehrpersonenmangel trifft die Professionen ungleich.
Jedes Kästchen steht für eine Person. Das ganze Feld umfasst 100 Personen.
Von 100 Regellehrpersonen in der SWING-Stichprobe verfügen 11 über keine adäquate abgeschlossene Ausbildung.
Bei den Heilpädagog:innen sind es 44 von 100 ohne adäquate abgeschlossene Ausbildung. Der Anteil schwankt zudem stark zwischen den Schulen.
Gemäss Angaben der Klassenlehrpersonen: jede vierte Lektion für integrative Förderung wird von einer Person ohne adäquate Ausbildung übernommen.
64.4% der Schulleitungen haben eher oder sehr grosse Mühe, ausgebildete Heilpädagog:innen einzustellen. Bei Klassenlehrpersonen sind es 32.5% der Schulleitungen.
Entlastung
Die Lehrpersonen gaben an, wie stark sie sich durch die vorhandenen personellen Ressourcen entlastet fühlen, auf einer Skala von 1 (extreme Belastung) bis 9 (extreme Entlastung). Klassenlehrpersonen mit mehr Unterstützungslektionen berichteten über mehr Entlastung, aber nur, wenn die Unterstützungslektionen von qualifiziertem Fachpersonal durchgeführt wurden.
Fünf zusätzliche Lektionen von ausgebildeten Personen erhöhen die wahrgenommene Entlastung von 6.14 auf 6.58. Werden dieselben Lektionen von Personen ohne Ausbildung erteilt, steigt die Entlastung nicht an.
Modellbasierte Darstellung unter Kontrolle von Schul- und Klassengrösse, Lernendenheterogenität und weiteren Faktoren; gepoolte Koeffizienten auf Basis multipler Imputation, N = 1'695. Querschnittsdaten und korrelative Zusammenhänge, keine kausalen Aussagen möglich.
Burnout
Klassenlehrpersonen gaben innerhalb des Schulteams am häufigsten an, Anzeichen von Burnout zu erleben: 13% berichten starke Anzeichen. Untersucht wurden 25 mögliche Risiko- und Schutzfaktoren in drei Bereichen.
Innerhalb der Schulteams unterscheiden sich die angegebenen Burnout-Beschwerden der einzelnen Klassenlehrpersonen stark.
Alle 25 untersuchten Faktoren erklären 40.6% der Burnout-Anzeichen der Klassenlehrpersonen.
Dieser Anteil ist kleiner als die Summe der drei nachfolgenden Bereiche, da sich ihre Erklärungsbeiträge teilweise überlappen.
Die vorhandenen Anforderungen und Ressourcen (z.B. Klassengrösse, Diagnosen, Lektionen) erklären 1.6% der Unterschiede zwischen den Klassenlehrpersonen.
Wie die Anforderungen und Ressourcen erlebt werden (z.B. die Belastung durch Lernende oder die Unterstützung durch die Schulleitung), erklärt mit 14.5% deutlich mehr.
Den grössten Anteil erklären persönliche Merkmale (z.B. Perfektionismus oder das grundlegende Selbstbild): 34.5%.
Werden die einzelnen Faktoren aus diesen drei Bereichen genauer unter die Lupe genommen, zeigt sich folgendes Bild. Das grundlegende Selbstbild leistet mit 24.5% den grössten Einzelbeitrag, gefolgt von der Selbstwirksamkeit (3.5%) und der wahrgenommenen Belastung durch Lernende (3.2%).
Die Anzahl fremdsprachiger Lernender oder Lernender mit Diagnosen erweisen sich als nicht bedeutsame Faktoren zur Erklärung der Burnout-Anzeichen der Klassenlehrpersonen.
Schulteamburnout
Schulteamburnout beschreibt, wie Lehr- und Fachpersonen Burnout in ihrem Schulteam als Ganzes einschätzen. Diese Perspektive ergänzt individuelle Burnout-Anzeichen, indem sie die wahrgenommene Arbeitssituation und Stimmung im gesamten Schulteam abbildet. Es wurden 21 mögliche Risiko- und Schutzfaktoren untersucht, aufgeteilt in vorhandene und wahrgenommene Anforderungen und Ressourcen.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen sind gross in Bezug auf das wahrgenommene Schulteamburnout.
Alle 21 untersuchten Faktoren erklären 41.1% der Unterschiede im Schulteamburnout.
Dieser Anteil ist kleiner als die Summe der zwei nachfolgenden Bereiche, da sich ihre Erklärungsbeiträge teilweise überlappen.
Die vorhandenen Anforderungen und Ressourcen (z.B. Klassengrösse, Diagnosen, Lektionen, Sonderklassen) erklären 16.5% der Unterschiede im Schulteamburnout zwischen den Schulen.
Die wahrgenommenen Anforderungen und Ressourcen (z.B. die Belastung durch Lernende oder die Unterstützung durch die Schulleitung) erklären mit 34.6% gut den doppelten Anteil.
Werden die einzelnen Faktoren aus diesen beiden Bereichen genauer unter die Lupe genommen, zeigt sich folgendes Bild. Die Zusammenarbeit im Schulteam leistet mit 28.6% den grössten Beitrag, gefolgt von der visionären Führung der Schulleitung (9.0%) und der Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten (6.8%).
Ob es an einer Schule Sonderklassen gibt, erweist sich nicht als bedeutsamer Faktor für das Schulteamburnout.
Fazit
Personelle Ressourcen entfalten ihre entlastende Wirkung dann, wenn sie qualitativ gesichert sind und von den Lehrpersonen als Unterstützung wahrgenommen werden.
Für Schulteamburnout sind vor allem die wahrgenommenen Arbeitsbedingungen entscheidend: Eine gelingende Zusammenarbeit im Team, eine unterstützende Schulleitung mit klarer Vision und eine konstruktive Kooperation mit den Erziehungsberechtigten.
Die Ergebnisse sprechen dafür, die Diskussion um schulische Integration stärker auf die Frage zu richten, unter welchen Bedingungen sie gelingt.
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