"Alles ist intensiver als in einem Kurzpraktik..."

 

Michelle Walz machte ihr Semesterpraktikum in einer 7. Klasse an der Schule Mösli Ostermundigen. Das P3 war für sie eine sehr intensive, aber auch lehrreiche Erfahrung.

 
Michelle Walz während ihrem Praktikum. Sie betrachtet einen Schüler, der ihr etwas auf einem Blatt zeigt.
 

Welchen Eindruck haben Sie vom P3?

Das P3 ist eine Gelegenheit, all das anzuwenden, was wir in den letzten Jahren an der PH gelernt haben. Man sieht dabei, worauf die Lehre eigentlich hinauswollte – es ist diesmal wirklich Praxis, nicht mehr nur Theorie. Ich habe auf jeden Fall den Eindruck, extrem viel zu lernen… alles ist intensiver, als wenn man nur drei Wochen in einem Praktikum ist.

Kann man das P3 vergleichen mit den beiden Praktika, die Sie zuvor gemacht haben?

Man hat mehr Zeit, um Dinge auszuprobieren und kann Fortschritte beobachten und erkennen. Zudem bin ich jetzt voll 'in der Schule', mit allem, was dazugehört – es gab zum Beispiel Eltern, die sich über mich und meinen Unterricht beschwert haben. Damit muss man umgehen lernen – und es ist nicht etwas, das man erlebt, wenn man nur eine Woche an der Schule ist. Man hat schlicht die Rolle einer Lehrperson, auch die Jugendlichen akzeptieren einen als solche.

Diese Kritik seitens von Eltern… wie war es, dieser ausgesetzt zu sein?

Wir sind dies so angegangen, dass wir ein gemeinsames Gespräch mit Klassenlehrer, Mutter, der Schülerin und mir geführt haben. Das war eine wichtige Erfahrung. Ich habe viel darüber gelernt, wie Schülerinnen und Schüler mich sehen. Schon kleine Dinge, die absolut nicht böse gemeint sind und einem nicht mal auffallen, können von Jugendlichen ganz anders aufgenommen werden. Mein Praxislehrer hat mir gesagt, dass dies Alltag ist. Insofern ist es sicher ein Vorteil, schon jetzt eine solche Situation erlebt zu haben.

In welchen Formen arbeiten Sie mit den Praxislehrpersonen zusammen?

Zu Beginn war es eine eher klassische Praktikumssituation: Ich habe den Unterricht geplant, die Praxislehrperson hat die Vorbereitung mit mir besprochen, und ich habe die Lektion dann allein geleitet in ihrer Anwesenheit. Es gibt zunehmend aber auch andere Formen: Seit den Frühlingsferien unterrichte ich etwa gemeinsam mit einem Praxislehrer in einer Form von Coaching Lebenskunde und Berufswahl. Dort bereiten wir zusammen die Lektionen vor, die ich dann durchführe. Der Praxislehrer ist anwesend und unterstützt mich bei Bedarf. Im Bildnerischen Gestalten dagegen planen wir nicht nur zusammen, wir unterrichten auch gemeinsam.

 
Michelle Walz im Praktikum. Eine Schülerin fragt sie um Unterstützung bei einer Aufgabe, sie erklärt dies.

Fühlt man sich im P3 eigentlich noch wie eine Studentin?

Man ist schon ein wenig in einer anderen Welt. Es kommt zwar immer wieder vor, dass man sich erinnert, an der PH etwas zu einem bestimmten Thema gehört zu haben. Dann kann man vielleicht schnell die Materialien suchen und diese verwenden. Teilweise begreift man auch erst im P3, warum man Veranstaltungen besuchen musste – der Wert der Erziehungs- und Sozialwissenschaftlichen Studien etwa wurde mir erst hier deutlich. Aber es ist insgesamt schon eine sehr andere Erfahrung.

Wie wird es sein, nach dem Praktikum wieder an die PH zurückzukehren für das Master-Studium?

Ich kann mir vorstellen, dass es ein wenig seltsam wird. Man muss erst mal das Gefühl loswerden, vergleichsweise wenig zu tun zu haben. An der Schule Mösli ist man ständig gefordert, man muss immer auf dem aktuellsten Stand sein, immer top vorbereitet… das Studium an der PH wirkt demgegenüber schon fast ein wenig passiv – es ist halt etwas anderes, ob man in einem Saal sitzt und zuhört oder selber unterrichtet. Andererseits ist das Master-Studium nicht der Bachelor… es wird sehr darauf ankommen, wie die Veranstaltungen sind.

Welche Erfahrungen werden Ihnen vom P3 in Erinnerung bleiben?

Sicher das Skilager. Es war toll, die Jugendlichen auch einmal anders erleben zu können als nur im Unterricht. Und die Erfahrung des Kollegiums hier – es sind wirklich super Leute, wir verstehen uns bestens. Es herrscht einfach eine gute Atmosphäre. Auch der Umgang zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrpersonen… es ist wirklich fast schon eine Traumschule für mich.

Bei so positiven Erfahrungen – hat man da auch die Idee, sich als künftige Lehrerin an der Schule empfehlen zu wollen?

Das war bei mir sicher nicht von Anfang an der Fall. Aber dank den guten Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, habe ich schon angefangen mir zu überlegen, dass es ein toller Arbeitsort wäre.

Welche Tipps würden Sie jemandem geben, der das P3 noch vor sich hat?

Möglichst früh anmelden, möglichst früh die Praxislehrpersonen kontaktieren. Und die Ratschläge, die einem in der Fachdidaktik gegeben werden, versuchen einzubeziehen. Mir hat das extrem geholfen, etwa dabei, eine Grobplanung zu machen… das ist durchaus auch als Kompliment an die PHBern gemeint.