Architektonische Eigenschaften

 

Aus alt wird neu: Um aus einem historischen Industriegebäude ein Haus für die Musikausbildung zu machen, brauchte es Einfallsreichtum und Feingespür. Was zeichnet das Musikhaus architektonisch aus?

 
Eine Aussenansicht des Musikhauses an der Fabrikstrasse 4. Fotograf: David Willen

Die historische Kraftzentrale wird umgebaut.

Die Kraftzentrale auf dem vonRoll-Areal wurde in vier Etappen zwischen 1899 und 1910 erstellt. Der zweigeschossige Raum für die Aufstellung der Trafos mit seinen hohen Fenstern verleiht dem Gebäude einen repräsentativen Charakter. Das Gebäude ist im Inventar schützenswerter Bauten als "erhaltenswert" eingestuft, was einen Umbau in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege bedingte.

Das städtebauliche Ensemble erzeugt im Campus ein Gleichgewicht von Alt- und Neubauten.

Die Transformation der bestehenden Kraftzentrale zum Musikhaus für die PHBern geht aus einem Wettbewerbsprojekt für den Campus vonRoll aus dem Jahre 2004 hervor. Das städtebauliche Konzept gab vor, zwei bestehende Bauten zu erhalten und umzunutzen sowie diese mit zwei grossen Neubauten zu ergänzen. Das Kennwort NAAN, Neu-Alt-Alt-Neu, brachte dies zum Ausdruck. Damit gesellt sich das umgestaltete Musikhaus zur Weichenbauhalle an der Fabrikstrasse 6, die bereits 2010 zum Hörsaalgebäude umgebaut wurde.

(Foto: David Willen)

 

 

 

 
Der Plenarsaal im Musikhaus. Foto: Iwan Raschle

Das Raumkonzept wird aus dem bestehenden Gebäuderaster hergeleitet.

Die denkmalgeschützte Gebäudestruktur, insbesondere das Tragwerk und die Fassaden, werden erhalten. Die neue Raumstruktur baut auf dem bestehenden Gebäuderaster auf. Der gut belichtete, ursprüngliche Traforaum im Südosten wurde in einen Veranstaltungsraum – den sogenannten Plenarsaal – umgewandelt. Die Gebäudetechnik musste ersetzt werden. Dies führt zu einem neuen Raumkonzept, in dem die Hauptleitungen an der Decke im Untergeschoss horizontal verteilt und in vertikalen Steigschächten zu den Räumen geführt werden. Sie gliedern und rhythmisieren das Innere. Dazwischen befinden sich die Musikräume als schalloptimierte Kammern.

(Foto: David Willen)

 

 

 

 
Im Treppenhaus ist die Verglasung sichtbar. Foto: David Willen

Die innere Verglasung bietet einen Einblick in das Mauerwerk.

Die inneren Verglasungen bei den Windfängen, beim Treppenhaus und an den Korridorenden sind grösser als die historischen Aussenfenster und geben damit einen Einblick in die Konstruktion des Mauerwerks. Die rohe, industrielle Materialisierung mit natürlichen, subtil aufeinander abgestimmten Materialien soll die Sinne anregen und einen optischen Klang für die Augen schaffen.

(Foto: David Willen)

 

 

 

 
Ein Gang im Musikhaus, bei dem das Nebeneinander von altem und neuem Mauerwerk sichtbar ist. Foto: Adrian Regez

Das innere Mauerwerk bildet einen Dialog mit dem bestehenden Mauerwerk.

Die neuen Gangwände sind mit unterschiedlichen Zementsteinen und hellen Fugen gebildet. Damit wirken sie im Innern wie ein Echo der historischen Aussenwände. Das Dach wird mit Dachelementen in Holz eingedeckt. In den Musikräumen bewahren die feingliedrigen, historischen Industrieverglasungen nach aussen den industriellen Charakter, nach innen erzeugen die Naturholzfenster eine wohnliche Atmosphäre.

 

 

 

 
Ein Musikraum mit den vom Künstler Samuli Blatter gestalteten Vorhängen. Fotograf: David Willen

Die Vorhänge in den Räumen regulieren die Raumakustik und prägen als Kunst am Bau die Raumstimmung nach innen wie nach aussen.

Im Rahmen des Umbaus wurde ein Kunst und Bau-Wettbewerb durchgeführt. Durchsetzen bei der Jury konnte sich Samuli Blatters Projekt. Blatter gestaltete sämtliche Akustikvorhänge des Gebäudes, für die er seine zeichnerisch-malerische Bildsprache mit Graphitstift übersetzte auf das Textil. Die wechselnd dunklen oder hellen Vorhangelemente sind mit einem gewobenen Muster gestaltet, das sich verschiebend wiederholt. Dadurch entsteht ein rhythmischer Wechsel, der die Funktion der Räume und des Gebäudes als Musikhaus aufgreift. Gleichzeitig präsent und doch zurückhaltend prägen die so gestalteten Vorhänge die einzelnen kleineren Räume bis hin zum Plenarsaal.

(Foto: David Willen)