Hausaufgaben – für und wider

 

Hausaufgaben – für und wider

 

Der Treffpunkt Schule und Wissenschaft vom 8. November 2018 drehte sich um das aktuelle Thema Hausaufgaben. Dr. Sandra Moroni von der PHBern stellte den rund 40 Anwesenden Erkenntnisse aus der Forschung vor, im Podium diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Schule und Elternschaft anschliessend über zeitgemässe Formen von Hausaufgaben.

 

Regelmässig – und mässig – ist sinnvoll

Dr. Sandra Moroni

PHBern-Dozentin und -Forscherin Dr. Sandra Moroni stellte in einem ersten Teil des Abends Resultate aus der Forschung vor. Diese zeigen: Hausaufgaben können die Schulleistungen verbessern. Damit das geschieht, müssen sie jedoch bestimmten Regeln folgen. Es konnte gezeigt werden, dass es vor allem auf das regelmässige Erledigen von Hausaufgaben ankommt und weniger auf die Länge beziehungsweise die Menge der Hausaufgaben.
Ein weitere Befund aus der Forschung ist, dass von Hausaufgaben vor allem jene Schülerinnen und Schüler profitieren, die sich bei der Hausaufgabenbearbeitung tatsächlich anstrengen und die kritisch-konstruktive Rückmeldungen von den Lehrpersonen erhalten. "Schülerinnen und Schüler strengen sich insbesondere dann bei den Hausaufgaben an, wenn die gestellten Aufgaben gut zu bewältigen sind und für sie einen persönlichen Nutzen haben", sagt Moroni. Note ungenügend vergibt die Forschung hingegen an Hausaufgaben, welche die Schülerinnen und Schüler überfordern. Eine Möglichkeit ist, bei den Hausaufgaben zu differenzieren. Sandra Moroni hat zusammen mit einem Forschungsteam der PHBern dazu eine Studie im Fachbereich Deutsch durchgeführt. "Erste Auswertungen weisen darauf hin, dass insbesondere die schwächeren Schülerinnen und Schüler von den differenzierten Hausaufgaben in Orthografie profitiert haben", fasst sie die Resultate zusammen.

 

Hausaufgaben als Brücke zu den Eltern?

Der zweite Teil der Veranstaltung bestand aus einer Podiumsdiskussion mit Verterinnen und Vertetern aus Elternschaft, Lehrpersonen und Schulleitung. Hier waren unterschiedliche Positionen zu hören, was die Vergabe von Hausaufgaben angeht: "Ich stehe dazu, dass an unserer Schule Hausaufgaben erteilt werden", sagte Martin Heiniger, Schulleiter am Oberstufenzentrum Aarberg. "Für unsere Schule mit ihrem grossen und ländlichen Einzugsgebiet halten wir das für die beste Möglichkeit, eine Brücke zu den Eltern zu schlagen. Wir beobachten, dass alternative Angebote wie Besuchstage und Unterrichtsbesuche nicht alle Eltern erreichen."
Anders sieht das Anja Michaelis, Lehrerin auf der Primarstufe in Burgdorf, die seit längerem keine Hausaufgaben mehr vergibt: "Hausaufgaben sind für mich nicht der wesentliche Weg, den Kontakt mit den Eltern zu pflegen." Andere Gefässe wie ein offener Unterricht und Kontakte, die sie als in der Stadt gut vernetzte Lehrerin pflege, würden hier ausreichen. Sandra Timpani, Lehrerin auf der Sekundarstufe I, geht einen Mittelweg – sie gibt wenig Hausaufgaben und führt unter anderem ein sogenanntes Kontaktheft, durch das sie mit den Eltern im Austausch steht. Die Vertererinnen der Elternschaft, Alexandra Flury und Natacha Del Aguila, können sich vorstellen, auf Hausaufgaben zu verzichten, sofern andere Gefässe Einblick in den Schulalltag geben.

 
Die Podiumsteilnehmenden v.l.n.r.: Martin Heiniger, Schulleiter in Aarberg; Anja Michaelis, Lehrerin in Burgdorf; Sandra Timpani, Lehrerin in Niederwangen; Natacha Del Aguila, Mutter aus Courtepin; Alexandra Flury, Mutter aus Bern; Moderatorin Dr. Nina Ehrlich, Dozentin PHBern
 

Was sind sinnvolle Hausaufgaben?

"In der Freizeit würde ich mit meinen Kindern lieber andere Dinge unternehmen, die durchaus ebenfalls lehrreich sein können", sagte Alexandra Flury, Mutter von zwei Kindern. Aber auch sie sprach sich nicht grundsätzlich gegen Hausaufgaben aus. Im Podium war man sich einig: Sinnvolle Hausaufgaben gehen in Ordnung. Aber was ist darunter zu verstehen? Schulleiter Martin Heiniger gab ein Beispiel: "Wenn Schülerinnen und Schüler Wetterbeobachtungen vornehmen oder ein Interview durchführen – das können sie nun einmal nicht im Schulzimmer machen. Oder sie formulieren Fragen, die sie in der kommenden Lektion beantwortet haben möchten."

 

Ab in die Schule

Mehr Zeit in der Schule und dafür frei in der Freizeit – mir einem Mehr an Lektionen gegenüber dem Lehrplan 95 trägt der Lehrplan 21 dieser Verlagerung grundsätzlich Rechnung. Alle Podiumsteilnehmenden wünschten sich, dass dieser Ansatz in Zukunft noch vertieft wird. "Die Schule hinkt hier der Gesellschaft hinterher, wo individuelles, flexibles und eigenverantwortlichen Arbeiten schon selbstverständlich ist", sagte Lehrerin Anja Michaelis. Das Idealbild des selbstbestimmten Schülers, der eigenverantwortlichen Schülerin kommt denn auch gänzlich ohne Hausaufgaben aus.

 

So können Eltern ihre Kinder unterstützen:

  • Günstige Rahmenbedingungen schaffen (z.B. einen ruhigen Arbeitsplatz oder regelmässige kurze Pausen)
  • Interesse zeigen
  • Das Kind unterstützen, es aber selbst arbeiten lassen (Merksatz: Der Stift bleibt immer beim Kind!)
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Hinweise und Tipps zur Lösung geben, die Lösung aber nicht vorsagen
 
 

Sinnvolle Hausaufgaben gemäss Podium:

  • Vorbereitung auf eine Prüfung
  • Wortschatz erweitern in den Fremdsprachen
  • Lesen
  • Fragen für den Unterricht vorbereiten
  • Recherchen, die nicht in der Schule geführt werden können
  • Interviews
  • Tagebuch / Protokoll (z.B. Wetterbeobachtung)
  • Grafische Darstellung von Unterrichtsinhalten (Mindmap, Concept Map)
  • Persönliche Interessen aufbereiten und der Klasse präsentieren
 
 

Der nächste Treffpunkt Schule und Wissenschaft findet am Donnerstag, 29. November 2018, 18.15–19.45 Uhr an der Fabrikstrasse 8, 3012 Bern, Raum C101 statt, zum Thema "Chancen und Risiken integrativer schulischer Massnahmen". Zum Flyer

   

Publiziert am: 14.11.2018