Der Master S1+

 

Mit dem Master S1+ können Studierende des Instituts Sekundarstufe I im Masterstudium einen Schwerpunkt in Heilpädagogik setzen. Die Ausbildung geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Heilpädagogik. Sarah Duss, die den Master S1+ studiert, erzählt von ihren Erfahrungen.

 
Die Master S1+ Studentin Sarah Duss vor dem Hochschulgebäude vonRoll.

Auf welchem Weg Sind Sie zum Studium des Master S1+ gekommen?

Ich habe zuerst das KV mit Berufsmatura gemacht und bin dann via Vorbereitungskurs zum Studium an der PHBern gekommen. Gegenwärtig studiere ich für den Master S1+ berufsbegleitend.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für den Master S1+ einzuschreiben?

Was sicher eine Rolle gespielt hat, ist der Stellenmarkt – es gibt einfach sehr viele Stellen für eine entsprechend ausgebildete Lehrperson. Auch meine Erfahrungen in den Praktika waren ein Grund. Ich habe gesehen, dass man auch als Regelklassenlehrperson derart gemischte Klassen hat, dass zusätzliches Wissen im Bereich Heilpädagogik auf jeden Fall nützlich ist – selbst wenn man nicht IF (= Integrative Förderung) gibt.

Gibt es Situationen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind und Ihnen das Gefühl gegeben haben, dass Sie gerne mehr wissen möchten?

Es gab in diversen Praktika Situationen mit Kindern, die verhaltensauffällig waren und mir ein Gefühl gegeben haben von: "Was mache ich jetzt?" Oder etwa beim Schreiben im Deutschunterricht, wo die Unterschiede zwischen den Kindern teils extrem sind und ich kein Riesenwissen darüber hatte, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte. Das war sicher ein Grund dafür, den Master S1+ zu studieren.

Was versprechen Sie sich von diesem Studium?

 

Zusätzliches Wissen, um mit der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler umgehen zu können. Ursprünglich habe ich da vor allem an mich als Regellehrperson gedacht – mittlerweile gebe ich aber bereits IF. Ich bin da quasi 'hineingerutscht'.

 

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Studium des Master S1+ bislang?

Es gab jeweils Module zur Didaktik Deutsch und Mathematik, die beide sehr gut waren, sehr interessant, und auch sehr praxisnah. Die haben mir bereits sehr viel geholfen, ich konnte wirklich Woche für Woche das vermittelte Wissen anwenden und ausprobieren. Das war wirklich super. Die Module wurden auch von Dozierenden gegeben, bei denen man merkte, dass sie sehr viel Erfahrung haben. Andere Module sind sehr theoretisch ausgerichtet – da bin ich vielleicht ein bisschen weniger begeistert.

Die Zusammenarbeit zwischen Regelklassen-Lehrpersonen und Heilpädagoginnen und Heilpädagogen ist eine zentrale Herausforderung für den integrativen Unterricht. Hat sich die Rolle, die Sie in dieser Zusammenarbeit einnehmen, verändert durch Ihr Studium des Master S1+?

Vor dem S1+ hatte ich nur in einem Praktikum im Rahmen der Klassenführung eine Begegnung mit einem Heilpädagogen. Er half in einer  Mathelektion den Schülerinnen und Schülern mit besonderen Bedürfnissen bei den Aufgaben. Ich habe ihn irgendwann direkt gefragt: "Was machst du hier genau? Können wir irgendwie zusammenarbeiten? Müsstest du irgendetwas wissen von mir, oder sollte ich etwas wissen von dir?"
Ich hatte keine Ahnung und kein klares Bild davon, was Heilpädagoginnen und Heilpädagogen machen oder wie die Zusammenarbeit aussehen sollte. Weil ich seit August 2015 als IF-Lehrerin arbeite, habe ich mittlerweile gelernt: Überall herrscht Unklarheit darüber, wie diese Kooperation laufen sollte. Beim Master S1+-Studium habe ich aber viele Inputs und Ideen dafür bekommen.

Wenn Sie mit anderen Lehrerinnen und Lehrern über den Master S1+ gesprochen haben – welche Reaktionen haben Sie bekommen?

Das ist sehr unterschiedlich. Bei mir an der Schule gibt es wenig Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, darum findet man es super, dass man jemanden mit Zusatzwissen hat. Andere Lehrpersonen sind kritischer und finden, dass dies nicht mehr der Beruf ist, den sie erlernt haben, und dass man die Rollen und Aufgaben klar trennen sollte. In solchen Fällen ist die Zusammenarbeit natürlich schwieriger.

 

Aber grundsätzlich ist schon ein Bedürfnis da, was sich ja auch dadurch zeigt, dass ich direkt eine entsprechende Anstellung bekommen habe – und ich bekomme auch mit, dass selbst amtierende Lehrpersonen froh wären, wenn sie zusätzliches Wissen hätten. Gerade an einer Schule, an der es keine ausgebildeten Heilpädagoginnen oder Heilpädagogen gibt, gerät man sehr schnell in eine Expertenrolle.

 

Welchen Ratschlag würden Sie jemanden geben, der oder die sich für den Master S1+ interessiert, aber unsicher ist, ob es das Richtige ist?

Ich bin grundsätzlich Fan und schwärme davon. Ich empfehle allen, die Interesse an entsprechenden Themen haben, den Master S1+ zu machen. Mein Lieblingsargument ist, dass man als Regellehrperson viel mehr reguläre Lektionen mit der gesamten Klasse hat als Lektionen, für die man Unterstützung durch die Integrierte Förderung bekommt. In der Realität sind die Heilpädagoginnen und Heilpädagogen höchstens einige Stunden pro Woche dabei. Darum fand und finde ich es – zumindest für mich – extrem wichtig, das Wissen zu haben, welches mir im Master S1+ vermittelt wird. Ausserdem hat man ein besseres Verständnis dafür, was die Heilpädagoginnen und Heilpädagogen machen, kann besser zusammenarbeiten und einander 'in die Hände spielen'.

Wenn Sie frei wählen könnten, wie Ihr Beruf nach Abschluss des Studiums aussehen würde – in welche Richtung würde es gehen?

Meine Traumvorstellung wäre es, weder fix als Regellehrperson noch als Fachperson für Integrierte Förderung angestellt zu sein. Stattdessen würde ich gerne in Zweier- oder Dreierteams eine Klasse führen können unter Beteiligung von Regellehrpersonen und Heilpädagoginnen bzw. Heilpädagogen. So könnte man die Fächer aufteilen danach, was wem am meisten liegt. Teilweise gibt es Schulen, die ähnliche Modelle bereits kennen, an anderen Schulen gibt es allerdings noch mehr zu tun.