Das Ticket fürs Studium

 

Längst nicht alle angehenden Lehrpersonen starten ihr Studium an der PHBern mit einer gymnasialen Matur. Nicht wenige besuchen nach einer Erst­ausbildung den Vorbereitungskurs und machen sich damit fit für die Aufnahmeprüfung. Genau so haben es Annelise Wirth und Sascha Wüthrich gemacht – ihre Begeisterung für diesen Weg ist ansteckend.

 
Annelise Wirth und Sascha Wüthrich diskutieren über den PHBern-Vorbereitungskurs.

"Ich war völlig unsicher, ob ich es schaffen würde." Als Annelise Wirth im Herbst 2013 mit dem Vorbereitungskurs der PHBern beginnt, ist sie 31 Jahre alt. Sie hat einen Handelsmittelschulabschluss und das Diplom der Thuner Hotelfachschule. Sie blickt zudem auf mehrere Jahre ­Arbeit im Bereich Marketing und Kommunikation zurück, ist Fachfrau in Kräuterkunde, und sie will Lehrerin werden. Da Annelise Wirth keine gymnasiale Matur vorweisen kann, führt ihr Weg an die PHBern über den Vorbereitungskurs und die Aufnahmeprüfung. Die Fremdsprachen machen der jungen Frau keine Sorgen. Dank international gültigen Diplomen kann sie die Französisch- und Englischprüfung abhaken. 

Ganz anders sieht es in den Fächern Geographie, Physik, Chemie und Geschichte aus. "Nach der 9. Klasse hatte ich mich in keinem dieser Fächer mehr weitergebildet. Da war ich zuerst recht un­sicher, ob der einjährige Kurs genügen würde, um die ­Defizite aufzuholen", berichtet Wirth, die mittlerweile im zweiten Semester am Institut Vorschulstufe und ­Primarstufe der PHBern studiert.

Aus ASFB wurde VBK
Auch für Sascha Wüthrich führte der Weg an die PHBern über ein Zwischenjahr. Er besuchte ab Herbst 2004 das allgemeinbildende Studien­jahr für Berufsleute (ASFB). Dieser Ausbildungsgang wurde mit der Gründung der PHBern vor zehn Jahren angepasst und in Vorbereitungskurs (VBK) umbenannt. "Ich hatte vorher eine kaufmän­nische Lehre in einem Reise­büro absolviert und entschied mich bereits während dieser Ausbildung für das anschliessende Studium an der PHBern", erzählt Wüthrich, der seit dreieinhalb Jahren in Oberthal bei Grosshöchstetten an einer 7. bis 9. Klasse unterrichtet. "Ergänzend zum ASFB, dessen Kurse vor allem am Abend und am Samstag stattfanden, konnte ich gut 60 Prozent in meinem angestammten Beruf im Reisebüro arbeiten, was ideal war", sagt der junge Lehrer. 

Selbstständiges Lernen braucht Zeit
Der inzwischen längst etablierte ­Vorbereitungskurs findet alle 14 Tage entweder von Montag bis Mittwochmittag oder aber in der zweiten ­Wochenhälfte statt. "Für mich war dies ideal. In der ersten Wochenhälfte lernte ich an der PHBern und am Donnerstag sowie Freitag und manchmal auch am Wochenende ­arbeitete ich zu 60 Prozent in einem Café und sorgte so für meinen ­Lebensunterhalt", ­erzählt Annelise Wirth. Nicht zu unterschätzen sei die Zeit, die fürs selbst­ständige Lernen ein­gesetzt ­werden müsse. Laut Christiane Ammann, der ­Leiterin des Vorbereitungskurses, sollten Stu­dierende zusätzlich zur Präsenzzeit an der Hochschule mit rund 55 bis 60 Stunden Lerneinsatz pro Monat rechnen. Ammann rechnet mit rund 40 Stunden fürs selbstständige ­Lernen und 15 bis 20 Stunden Arbeit in Lerngruppen. 

Hervorragendes Lernklima
Sowohl Annelise Wirth als auch Sascha Wüthrich kommen ins Schwärmen, wenn sie über das Lernklima reden, das im VBK beziehungsweise im ASFB vorherrschte. "Hochmotivierte Studierende trafen auf ausgezeichnet vorbereitete Dozierende", berichten Wirth und Wüthrich ein­hellig. Das gemeinsame Ziel, sich den Zugang an die PHBern zu verschaffen, habe die rund 30 Personen ­umfassende Gruppe zusammen­geschweisst, erzählt die angehende Lehrerin. Auch rund zehn Monate nach Abschluss des Kurses gebe es immer wieder Treffen. Für Zusammenhalt unter den Absolventinnen und Absolventen sorge zudem eine WhatsApp-Gruppe. 

Sascha Wüthrich hat nach dem ASFB am Institut Sekundarstufe I der PHBern studiert. Dabei stellte er fest, dass er nicht immer auf das gleiche Wissen zurückgreifen konnte, wie Kolleginnen und Kollegen, die das Gymnasium absolviert hatten. "Zu Beginn gab es im Fach Deutsch noch Vorlesungen an der Universität – diese waren nicht selten eine Stufe zu hoch für mich", gibt Wüthrich unumwunden zu. Während des Studiums suchte und fand er immer wieder den Kontakt zu anderen Studierenden, die den Weg über den Vorbe­reitungskurs gewählt hatten. Dabei stellte er fest, dass die zusätzliche Perspektive für viele eine Be­reicherung ist. Dies gilt auch bei der heutigen Arbeit von ­Sascha Wüthrich als Klassenlehrer an der 7. bis 9. Klasse in Oberthal. "Zudem hilft mir mein Wissen, das ich während der Kaufmännischen Lehre erworben habe, im beruflichen Alltag sehr."

Annelise Wirth hat im ersten Praktikum mit Freuden festgestellt, dass ihr die Arbeit an der Unterstufe zusagt und sie auf dem richtigen Weg ist. Im erfolgreich abgeschlossenen Vorbereitungskurs hatte sie nicht nur ihr Fachwissen gestärkt und sich hochschulspezifische Lernmethoden angeeignet. Annelies Wirth hatte auch festgestellt, dass ihre Berufs- und Lebenserfahrung auf dem Weg zur Lehrerin sehr wertvoll ist.