Vieles erledigt – und noch einiges vor

 

Der Schulratspräsident Martin Fischer (rechts im Bild) und der Rektor Martin Schäfer blicken auf ein intensives Studienjahr 2015/2016 zurück. Darin wurde der Grundstein gelegt für mehrere wichtige Projekte, welche die PHBern in den nächsten Jahren noch beschäftigen werden: etwa die Einführung des Lehrplans 21, die Akkreditierung als Pädagogische Hochschule oder die Etablierung der neuen Fachdidaktikzentren.

 
Foto Martin Schäfer und Martin Fischer
 

Herr Fischer, Herr Schäfer, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Studienjahr 2015/2016 zurück?
Martin Schäfer: Mit sehr guten. Mit Freude und auch mit einer Portion Erleichterung habe ich festgestellt, dass der Lehrplan 21 gut im Berufsfeld ankommt. Die meisten Lehrpersonen und Schulleitenden haben sich durch die manchmal etwas einseitige Berichterstattung in den Medien nicht beeinflussen lassen und sind offen an die geplante Einführung herangegangen.
Martin Fischer: Auch ich schaue mit Freude auf das vergangene Jahr zurück. Ich konnte beobachten, wie verschiedene strategische Projekte erfolgreich umgesetzt wurden. Zu nennen ist das Fachdidaktikzentrum Sport, das im Herbst 2015 seinen Betrieb aufgenommen hat. Zudem hat die Umstellung des Leistungsbereichs Forschung, Entwicklung und Evaluation auf Schwerpunktprogramme stattgefunden. Die ersten fünf Schwerpunktprogramme konnten bereits bewilligt werden.
Martin Schäfer: Ein wenig Stolz auf das Erreichte ist auch dabei. Im vergangenen Jahr wurden zwei wichtige Berichte erarbeitet: ein umfassender Selbstbeurteilungsbericht für die institutionelle Akkreditierung sowie der Bericht zur Umsetzung des Leistungsauftrags zuhanden des Regierungsrats. Solche Berichte enthalten immer auch eine Bilanz. Und die fällt meines Erachtens ganz gut aus für die PHBern.

Wie hat sich die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen im Berichtsjahr entwickelt?
Martin Schäfer:
Auch damit darf man zufrieden sein. Die Studierendenanmeldungen bleiben gesamthaft betrachtet weiterhin stabil. Und die Informationstage für Studieninteressierte werden rege besucht. Dank vielfältiger Zugangswege und einer ständigen Weiterentwicklung der Studiengänge bleibt die PHBern für Studierende attraktiv. Die Weiterbildungsangebote der PHBern fanden ebenfalls Anklang, insbesondere auch jene für Schulleitende.
Martin Fischer: Gerne weise ich in diesem Zusammenhang auf die Abendveranstaltung "PHBern Perspektiven" hin, die jeweils im Februar stattfindet. Verschiedene Referierende, darunter auch der Erziehungsdirektor Bernhard Pulver, beleuchten jeweils ein Thema aus dem Berufsfeld – zuletzt war es das Thema "Schule leiten". Der Anlass wurde ausserordentlich rege besucht und es ergaben sich gute Gelegenheiten zur Vernetzung und zum Austausch.

Wie sieht es mit den Sorgen über die Sparmassnahmen aus, welche die PHBern im letzten Jahr noch beschäftigt haben?
Martin Fischer: Im Studienjahr 2014/2015 musste der Schulrat einige unangenehme Entscheidungen treffen. Besonders einschneidend war die Zusammenführung zweier Institute zum neuen Institut für Weiterbildung und Medienbildung. Prozesse und Aufgaben mussten neu definiert werden und die Mitarbeitenden durchlebten Phasen der Unsicherheit. Vieles hat sich in der Zwischenzeit wieder eingespielt, anderes braucht noch Zeit. Ich bedanke mich an dieser Stelle sehr gerne bei allen Mitarbeitenden, welche die Zusammenführung konstruktiv und offen mitgetragen haben.
Martin Schäfer: Die Auswirkungen der Sparmassnahme waren auch im vergangenen Studienjahr noch zu spüren. Weil man sich im Vorjahr jedoch für einen konsequenten Schnitt entschieden und die Kosten auf ein massiv tieferes Niveau gesenkt hat, konnte in diesem Jahr in gewissen Bereichen schon wieder eine Art Aufbauarbeit betrieben werden. Der Blick geht also voraus. Regierungsrat Bernhard Pulver hat sich zudem erst kürzlich zu einem stabilen Kantonsbeitrag bekannt. Das stimmt vorsichtig optimistisch für die Zukunft.

 
Foto Martin Schäfer im Gespräch mit Martin Fischer
 

Sie haben den Lehrplan 21 erwähnt, Herr Schäfer. Was hat die PHBern konkret gemacht im Hinblick auf die geplante Einführung ab dem Schuljahr 2018/2019?
Martin Schäfer: Die Studierenden der Studiengänge Vorschulstufe und Primarstufe, Sekundarstufe I sowie Schulische Heilpädagogik werden bereits seit 2013 nach Lehrplan 21 ausgebildet, die Studierenden des Studiengangs Sekundarstufe II seit 2015. Es galt nun, auch das Berufsfeld zu erreichen, also die Schulleitenden und die praktizierenden Lehrpersonen. Aus diesem Grund hat die PHBern zusammen mit der Erziehungsdirektion insgesamt 92 Startveranstaltungen im ganzen Kanton Bern durchgeführt. Der neue Lehrplan wurde vorgestellt und die Teilnehmenden konnten in Workshops die Umsetzung an konkreten Beispielen und in verschiedenen Fachbereichen kennenlernen. Der Aufwand für die Durchführungen war enorm. Ich danke allen beteiligten Mitarbeitenden ganz herzlich, dass sie diese Arbeit auf sich genommen haben. Bei einer Teilnahme vor Ort habe ich eine sehr gute Stimmung unter den Schulleitenden und Lehrpersonen festgestellt.
Im Herbst 2016 haben nun die Weiterbildungen in den verschiedenen Fachbereichen und für die verschiedenen Module begonnen. Zudem finden Beratungs- und Weiterbildungsangebote für Fachbereichs- und Zyklusverantwortliche statt.

Ein anderes Thema war die Berichterstattung. Welchen Stellenwert haben die beiden erwähnten Berichte und was haben sie ergeben?
Martin Fischer: Das Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG) sieht vor, dass alle Hochschulen in der Schweiz einen Akkreditierungsprozess durchlaufen, um weiterhin als Universität, Fachhochschule oder Pädagogische Hochschule auftreten zu können. Gemäss ihrer Vision als national führende und wegweisende Hochschule ist die PHBern diesen Prozess rasch angegangen und hat den verlangten Selbstbeurteilungsbericht erarbeitet. Dieser beschreibt selbstkritisch das Qualitätssicherungssystem der Hochschule: Kann es die erforderliche Qualität und die Weiterentwicklung der Angebote garantieren? Der Schulrat hat eine erste Fassung zur Lektüre zugestellt erhalten. Die Aussagen in diesem Bericht stimmen mich positiv. Was der Akkreditierungsrat dazu meint, wird sich aber erst im Herbst 2017 zeigen.
Martin Schäfer: Die Arbeit am Selbstbeurteilungsbericht habe ich als äusserst spannend und lehrreich wahrgenommen. Auch als Rektor habe ich einiges dazugelernt, was Abläufe und Prozesse der Qualitätssicherung und -entwicklung an der PHBern angeht.
Der zweite Bericht, der erarbeitet wurde, gibt Auskunft darüber, wie die PHBern den Leistungsauftrag des Regierungsrats in den ersten drei Jahren umgesetzt hat. Dieser Bericht dient dann zur Erarbeitung des nächsten Leistungsauftrags, der die Jahre 2018 bis 2022 umfassen wird. Im Umsetzungsbericht wird unter anderem die Frage beantwortet, wie die PHBern die Entwicklungsziele im aktuell gültigen Leistungsauftrag erfüllt hat, zudem werden Aussagen zu den künftigen Herausforderungen für die Hochschule gemacht. Aus unserer Sicht wurden die meisten Vorgaben des Regierungsrats erfüllt.

 
Foto Martin Fischer im Gespräch mit Martin Schäfer
 

Wie hat die PHBern die Strategie 2014 bis 2017 vorangetrieben?
Martin Fischer: Zur Umsetzung der Strategie 2014 bis 2017 laufen zahlreiche Projekte an der PHBern. Einige davon sind im Berichtsjahr in sichtbaren Resultaten gemündet. Etwa im Leistungsbereich Forschung, Entwicklung und Evaluation. Um diesen Bereich zu akzentuieren und zu stärken, wurde er wie bereits erwähnt auf Schwerpunktprogramme hin umgestellt. Die ersten fünf konnten im Sommer 2016 bewilligt werden. Bedingung ist jeweils, dass das Thema von grosser Bedeutung für das Berufsfeld ist und dass die Forschung über alle Schulstufen hinweg stattfindet. Ich bin überzeugt, dass wir mit den Erkenntnissen aus diesen Programmen das Berufsfeld noch besser unterstützen können als bis anhin.
Martin Schäfer: Die Strategie 2014 bis 2017 sieht zudem eine Stärkung der Fachdidaktiken vor. Als Massnahme sind gleich drei Fachdidaktikzentren am Entstehen bzw. sind bereits entstanden. Das Fachdidaktikzentrum Sport der PHBern hat seine Arbeit bereits aufgenommen. Seit einem Jahr läuft der Joint Master Fachdidaktik Sport, den die PHBern gemeinsam mit der Universität Bern anbietet. Die ersten Erfahrungen sind positiv. Zurzeit im Aufbau befinden sich ein Fachdidaktikzentrum zu den Fachbereichen Textiles Gestalten, Technisches Gestalten und Design zusammen mit der Pädagogischen Hochschule Zürich sowie das Fachdidaktikzentrum Natur – Mensch – Gesellschaft mit der Universität Bern, der Pädagogischen Hochschule Luzern, der HEP Vaud sowie mit Universitäten aus Deutschland. Die genaue Ausgestaltung der beiden letztgenannten Fachdidaktikzentren wird allerdings vom Umfang der noch zu bewilligenden Bundesmittel abhängen.

Im Berichtsjahr hat sich auch bezüglich Infrastruktur etwas getan. Was lässt sich zu der Standortfrage sagen?
Martin Schäfer: Die Ausbildung im Fachbereich Sport wird seit Herbst 2015 in den neuen Gebäuden im Neufeld durchgeführt. Sie bieten vorzügliche Bedingungen für das Studium. Sowohl die Theorieräume als auch die Anlagen für die praktische Ausbildung sind hervorragend eingerichtet.
Weiterhin grosse Freude haben wir am mittlerweile dreijährigen Gebäude der Fabrikstrasse 8, in dem alle Grundausbildungsinstitute untergebracht sind. Es ergeben sich immer wieder Synergien, die genutzt werden können. So gesehen, wäre es erfreulich, wenn auch das Institut für Weiterbildung und Medienbildung dereinst seinen Weg ins Länggassquartier finden würde.

Wenn Sie ins neue Studienjahr schauen – was gibt es da zu tun?
Martin Schäfer: Es gilt, das, was wir in diesem Jahr angefangen haben, erfolgreich fortzuführen. Also die Einführung des Lehrplans 21 im Berufsfeld so zu gestalten, dass auf die Umstellung hin – ab dem Schuljahr 2018/2019 – alle Lehrpersonen ihren Unterricht kompetenzorientiert durchführen können.
Martin Fischer: Nach der Verabschiedung des Selbstbeurteilungsberichts und des Berichts zur Umsetzung des Leistungsauftrags stehen noch weitere Aufgaben an. Bezüglich Akkreditierung steht noch ein Besuch von externen Gutachterinnen und Gutachtern im nächsten Frühling an. Und gemeinsam mit der Erziehungsdirektion wird schon bald der Leistungsauftrag für die Jahre 2018 bis 2022 zu erarbeiten sein. Zudem geht es darum, eine neue Strategie für die PHBern festzulegen. Die aktuelle Strategie läuft ja auf Ende 2017 aus.
Martin Schäfer: Apropos Strategie: Die Schulleitung hat im Sommer 2015 das Thema Flexibilisierung und Individualisierung der Angebote als wichtiges strategisches Entwicklungsfeld für die kommenden Jahre identifiziert. Im Projekt "Lernen und Lehren an der PHBern 2025" soll der Orientierungsrahmen um ein Ergänzungsmodul erweitert  werden. Es wird die konzeptionelle Basis bilden für die Revision der Studienpläne, die in den nächsten Jahren wieder anstehen wird, bzw. für die Weiterentwicklung der Angebote der Weiterbildung.