PHBern Perspektiven vom 13. Februar 2019

 

Rund 250 Personen aus Politik, Verwaltung sowie aus Schulen aller Stufen nahmen an den PHBern Perspektiven vom 13. Februar 2019 teil. Erstmals sprach Christine Häsler, die ihr Amt als Erziehungsdirektorin vor neun Monaten angetreten hatte. Sie lobte die gute Zusammenarbeit mit der PHBern beim Thema Lehrpersonenmangel. Der Jahresanlass stand im Zeichen der Individualisierung.

 
 

"Jede Hochschule braucht eine hohe Autonomie für ihren Erfolg, und grundsätzlich ist die Autonomie der PHBern mit derjenigen der Universität Bern und der Berner Fachhochschule vergleichbar. Ihre Beziehung zur Politik, speziell zur Erziehungsdirektion, ist aber enger, weil die PHBern auch ein Akteur des Berner Bildungswesens vom Kindergarten bis zur Hochschulreife ist“, sagte Regierungsrätin Christine Häsler bei ihrem erste Auftritt an den PHBern Perspektiven.

Christine Häsler dankte den Verantwortlichen der PHBern und ihren Studierenden besonders für die Einsätze gegen den Lehrpersonenmangel und die gute Zusammenarbeit mit der Erziehungsdirektion und dem Berufsfeld Schule. Dieses Beispiel zeige gut, wie wichtig es sei, dass die Hochschulen und die Politik sich gegenseitig unterstützten. "Die PHBern ist kooperationsbereit und lösungsorientiert", fasste Christine Häsler ihre ersten Erfahrungen mit der PHBern zusammen.

Alexander Wettstein, Forscher und Dozent für Pädagogische Psychologie, sprach über die Individualisierung und ihre Auswirkungen auf die soziale Interaktion. "Wenn ich heute von Individualisierung spreche, meine ich nicht Individualisierung im neoliberalen, sondern vielmehr in einem pädagogischen Sinn. Mit Bildung meine ich nicht ökonomische Verwertung, sondern die Förderung der Entfaltung persönli-cher Fähigkeiten und Talente", sagte Wettstein. Ziel sei es, den Unterricht so zu gestalten, dass Lehrpersonen adaptiv mit den unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler umgingen und Lernprozesse so initiierten, dass die Lernenden ihr Potenzial entfalten könnten.

"Individualisierender Unterricht ist kein Allheilmittel", sagte der Forscher Wettstein und betonte, dass Methodenvielfalt wichtig sei, um möglichst allen Lerntypen gerecht zu werden. "Die Anforderungen an die Lehrpersonen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen", führte Alexander Wettstein aus. Die wachsende Heterogenität und die Forderung nach Individualisierung stellten hohe Anforderungen an sie. Die PHBern, die Schulleiterinnen und Schulleiter wie auch die Bildungspolitik seien sehr gefordert, damit die Lehrpersonen die Ressourcen und die Unterstützung bekämen, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigten.

 

Impressionen der PHBern Perspektiven 2019

Erziehungsdirektorin Christine Häsler trat zum ersten Mal an den PHBern Perspektiven auf.Rektor Martin Schäfer will die Studiengänge an der PHBern neu denken. Dies auch aufgrund der immer unterschiedlicheren Bedürfnisse und Biographien der Studierenden.Erziehungsdirektorin Christine Häsler lauscht den Ausführungen von Professor Alexander Wettstein.Grossrätin Anna Linder war eine von rund 250 Gästen an den PHBern Perspektiven.Alexander Wettstein forscht und lehrt an der PHBern. In seinem Referat sagte er: "Individualisierender Unterricht ist kein Allheilmittel." Wichtig sei Methodenvielfalt.Schulratspräsidentin Elisabeth Schenk führte durch die PHBern Perspektiven.Sie sorgten für eine tolle Stimmung an den PHBern Perspektiven: Drei Studentinnen aus dem Institut Sekundarstufe I mit ihrem Dozenten Willy Schnyder.Seit neun Monaten ist Erziehungsdirektorin Christine Häsler im Amt. Sie dankte Rektor Martin Schäfer und seinem Team für die gute Zusammenarbeit, vor allem auch bei der Bewältigung des Lehrpersonenmangels.
 



Rektor Martin Schäfer nahm den Ball von Alexander Wettstein auf und ging in seinem Referat der Frage nach, wie die die PHBern der Forderung nach mehr Individualisierung nachkommen könne. Schäfer zeigte zuerst auf, wie heterogen die Studierenden heute zusammengesetzt sind: Die jüngsten Studierenden haben Jahrgang 2000, die ältesten sind über 60 Jahre alt. Mehr als ein Drittel der Studentinnen und Studenten haben keine gymnasiale Matura, sondern eine andere Vorbildung, die das Studieren an der PHBern erlaubt.

Viele Studierende der PHBern sind berufstätig. "Entsprechend müssen wir an der PHBern unsere Studiengänge und Weiterbildungsangebote im Hinblick auf die Individualisierung grundlegend neu denken", sagte Rektor Martin Schäfer und führte weiter aus: "Die unterschiedlichen Voraussetzungen der Studierenden müssen wir als Chance sehen, Lernumgebungen so zu gestalten, dass Studierende an der PHBern ihr Studienziel auf unterschiedlichen Wegen erreichen können. Ihrem Kenntnisstand und ihrem Lebensumstand entsprechend." Individualisierung sei aber auch an der PHBern nur dann erfolgreich, wenn auch das soziale Lernen im Sinne eines 'von- und miteinander Lernens' weiterhin gefördert werde, so Schäfer. Die digitale Transformation bietet dazu viele Chancen. Die neuen Medien begünstigen ein individualisierteres  und gleichzeitig stark vernetztes Lernen. 

"Geht das soziale Lernen im individualisierten Unterricht verloren? Lernen unsere Kinder künftig zwar stark individualisiert, aber ganz alleine?" Diese und weitere Fragen hatte Schulratspräsidentin Elisabeth Schenk in ihrer Einleitung zu den PHBern Perspektiven gestellt. Nach den drei Referaten wurde klar, dass gelingendes individualisiertes und soziales Lernen an unseren Schulen wie auch an der PHBern möglich ist, aber immer wieder Anstrengungen erfordert – von den Lehrpersonen, aber auch von der Politik und nicht zuletzt von der PHBern.

 

Das sind die PHBern Perspektiven

Am Jahresanlass "PHBern Perspektiven" blickt die PHBern jeweils zurück und in die Zukunft. Mit ihren Anspruchsgruppen, der Politik, Vertreterinnen und Vertretern von Schulen, Partnerhochschulen und Verbänden, diskutiert die PHBern ihre Agenda.