In der SKiLL-Studie wurden 41 Klassen zufällig einer Interventionsgruppe (IG) oder der Kontrollgruppe (KG) zugewiesen. Kinder und Lehrpersonen der IG erhielten an zwei Nachmittagen eine Schulung, in der sie lernten, wie sie schülerzentrierte Gespräche unterstützen können. Lehrpersonen, die der KG zugeteilt wurden, führten ihren Deutschunterricht wie gewohnt fort.
Um die Wirksamkeit des Programms zu prüfen, wurden zu Beginn des Schuljahrs (vor Programmbeginn), in der Mitte des Schuljahrs sowie am Ende des Schuljahrs (nach Abschluss des Programms) Testungen durchgeführt. Zum einen wurden Kleingruppengespräche über einen Text videografisch aufgezeichnet, und die Kinder verfassten einen kurzen Aufsatz zu einem ethischen Dilemma. Zum anderen bearbeiteten die Kinder auf Tablets Aufgaben zum Leseverständnis, zur Perspektivenübernahme, zu Zivilcourage, zu Einstellungen gegenüber Fremdgruppen und zu Freundschaften.
Die Analysen ergaben Folgendes:
Bei den Lehrpersonen …
- Lehrpersonen der IG zeigten nach Abschluss des SKiLL-Programms eine höhere emotionale Unterstützung (z.B. positives Klima, Berücksichtigung der Perspektive der Kinder) und Lernunterstützung (z.B. Förderung vertieften Verstehens) als Lehrpersonen der KG.
- Lehrpersonen der IG gelang es nach dem Programm besser, die Kontrolle über das Gespräch an die Kinder abzugeben. Sie intervenierten weniger, und wenn sie eingriffen, dann mit sogenannten Talk Moves, mit denen sie die argumentative Qualität des Gesprächs unterstützten (z.B. «Warum denkst du das?», «Möchte jemand ergänzen, was Larina eben gesagt hat?», «Kann man dieses Problem auch anders betrachten?»).
Bei den Kindern …
- Die Kinder der IG engagierten sich in den Gesprächen stärker als die Kinder der KG.
- Kinder der IG zeigten in den Gesprächen eine höhere argumentative Qualität. In ihren Antworten zeigten sich mehr Begründungen, mehr aufbauende Antworten und mehr kritisches Denken.
- Kinder der IG entwickelten durch die SKiLL-Intervention eine höhere Perspektivenübernahme, positivere Einstellungen gegenüber Fremdgruppen und eine höhere moralische Urteilsfähigkeit als Kinder der KG.
- Bei Kindern der IG spielte die selbstwahrgenommene dialogische Kompetenz eine zentrale Rolle für den Zuwachs an dialogischen Kompetenzen. Kinder, die sich zu Beginn der Intervention als kompetenter fühlten und bei denen dieses Kompetenzgefühl während der Intervention stärker zunahm, zeigten im Verlauf des Schuljahrs einen stärkeren Zuwachs ihrer dialogischen Fähigkeiten.
