Didaktischer Kommentar

Geldschein in vier Händen

Relevanz und Übersicht

Das Thema Geld ist ein immer wiederkehrendes Thema während der Schulzeit. Kinder werden schon früh im Alltag damit konfrontiert. Das Ideenset umfasst Lernangebote, die in einer inklusiven Lehr-Lernumgebung im Zyklus 1 ergänzend zum Zahlenbuch eingesetzt werden können, sowie weitere Anregungen zum Thema. Die Angebote reichen von ersten Tauscherfahrungen bis hin zum Rechnen mit Geld und berücksichtigen verschiedene Entwicklungsbedingungen der Kinder. Alle Angebote enthalten Differenzierungsmöglichkeiten.

Vorstellungen und Vorkenntnisse

Das Zahlenbuch setzt bereits voraus, dass Kinder Zahlen kennen, zählen können und eine erste Einsicht ins Dezimalsystem haben (Moser Opitz; Schmassmann, 2015, 87). Die vorliegende Lernumgebung enthält bewusst auch Angebote, welche ohne diese Vorkenntnisse bearbeitet werden können.

Lerngegenstand und thematische Schwerpunkte

Klassische Stufenfolge bei der Erarbeitung von Grössen

Die klassische Stufenfolge bietet bei der Erarbeitung von Grössen einen Orientierungsrahmen für den Unterricht. Die Übergänge zwischen den Stufen sind fliessend und die Reihenfolge ist eher als Aufbau zu verstehen, bei dem auch immer wieder auf vorhergehende Stufen Bezug genommen werden sollte (Radatz et al., 1998, 170). Die Übertragung dieses Modells auf das Thema Geld ist nicht unproblematisch, da Geld keine Grösse im eigentlichen Sinne ist (Franke, 2003, 215). Trotzdem wird Geld im Unterricht weitgehend wie eine Grösse behandelt. Deshalb beziehen wir uns für die Lernumgebung auf die erweiterte Stufenfolge nach Franke (2003, 201 ff.) und ergänzen sie mit möglichen Anwendungsbeispielen zum Thema Geld:

  1. Erfahrungen in Sach- und Spielsituationen sammeln: Tauschen, Einkaufen, Alltagssituationen, Begriffe «ist billiger», «teurer», «mehr wert», «weniger wert», «Geld», «Note», «Münze» verwenden.
  2. Direktes Vergleichen von Repräsentationen einer Grösse: Wie kann der Wert einer Ware mit einer andern verglichen werden: Zwei Objekte direkt auf ihren (subjektiven) Wert hin vergleichen, z.B. Was gibst du mir für meinen Apfel? Was ist teurer, billiger, gleich teuer, hat mehr Wert, weniger Wert, gleich viel Wert? Hilfst du deinen Apfel gegen meine Banane tauschen? Das Tauschen ist in der Praxis relevant. Also benötigt man einen Vergleichsrepräsentanten, eine erste willkürliche Einheit und dies führt zur Stufe 3.
  3. Indirekter Vergleich mithilfe von selbstgewählten Masseinheiten: Was nehme ich als Repräsentant/Einheit. Wieviel bekomme ich für einen Stein…, den ich als Tauschmittel einsetze? Wann sind 2 Waren gleich teuer? Wenn ich eine Ware verdopple…, was passiert mit der Masseinheit? Grenzen der selbstgewählten Masseinheit führen zu der standardisierten Masseinheit Fr./ Rp.
  4. Indirekter Vergleich mithilfe standardisierter Masseinheiten (messen): Entwickeln der Vorstellung von Fr./ Rp. Mit Geldwert Erfahrungen sammeln: Geld als universelles Tauschmittel, Münzenwerte kennenlernen, Beträge mit 1Fr.-Stücken legen. Etwas auf unterschiedliche Art und Weise zahlen: Preisschild 3 Fr. – 3x1Fr. oder 1x2Fr. +1Fr, etc. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Geld in den Stufen 1-4 kann dazu führen, dass automatisch Stützpunktvorstellungen der Stufe 6 entstehen.
  5. Umrechnen: Verfeinern und vergröbern der Masseinheiten. Einüben der korrekten Schreibweise, Rechnen mit unterschiedlichen Geldeinheiten auch in Sach- und Alltagsaufgaben, Geldbeträge unterschiedlich legen (2Fr.= 1Fr. + 1Fr. oder 5Fr. = 2Fr + 2Fr. + 1Fr.). Die Rappen-Franken-Beziehung (1Fr.=100 Rp.) erkennen.
  6. Aufbau von Grössenvorstellung: Wert von Gegenständen abschätzen. Was kann für einen bestimmten Betrag gekauft werden?
  7. Rechnen mit Grössen: Auf Arbeitsblättern Rechnungen lösen, an der Ladenkasse den Preis eines Einkaufs berechnen, Rückgeld geben…

In der didaktischen Literatur werden häufig nur die Stufen 4-7 konkretisiert (Franke, 2003, 243). Gerade für heterogene Klassen des Zyklus 1 sind die vorhergehenden Stufen aber elementare Voraussetzungen. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Kindern beim Erarbeiten der verschiedenen Kompetenzen auch Differenzierungsmöglichkeiten anzubieten, die Erfahrungen im Bereich der Stufen 1-3 ermöglichen. Eine Unterscheidung zu klassischen Grössen ergibt sich aus dem subjektiven Wert von Waren, der nicht objektiv gemessen werden kann.

Organisation und Beurteilung

Methodische Ausrichtung

Die acht Lernangebote können in Form einer Lernumgebung und ergänzend zum Zahlenbuch eingesetzt werden. Zu jedem Lernangebot ist eine Karte mit Bild und didaktischen Informationen verfügbar. Alle Lernangebote orientieren sich am MiLU-Modell (Kapitel 2). Die Karte kann in der Mitte gefaltet und anschliessend laminiert werden. So kann die Vorderseite für die Schülerinnen und Schüler verwendet werden, während die Rückseite didaktische Informationen für die Lehrperson enthält.

Lernangebotskarte erklärt
Lernangebotskarte
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Die Kinder können sich für ein Lernangebot entscheiden, indem sie ihre Wäscheklammer am Smiley (Vorderseite der Karte) befestigen. Die Lehrperson sollte den Entscheidungsprozess optimieren, indem sie zum Beispiel im Kreis einen gemeinsamen Einstieg gestaltet. Wenn möglich sollte vor allem zu Beginn auch mit echtem Geld gearbeitet werden.

Organisation

Material: Die Lernangebote sind so gestaltet, dass das Material selber hergestellt oder einfach beschafft werden kann. Entsprechende Kopiervorlagen oder ergänzende Materialien sind bei den entsprechenden Lernangeboten vorhanden. Diese werden auf den Karten als Zusatzmaterial beschrieben.

Die verwendeten Symbole auf den Zusatzmaterialien können weggelassen werden. Für Kinder die noch nicht genügend lesen können, muss die Bedeutung sorgfältig eingeführt werden. Dazu steht ein separates Dokument mit den Symbolerklärungen zur Verfügung. Die Fotos der Lernangebote können bei Bedarf ebenfalls durch eigene ersetzt werden. Durchführung: Kann ein Angebot von mehreren Kindern parallel bearbeitet werden, so können die Karten mehrmals gedruckt werden.

Sozialformen

Die Lernangebote können in unterschiedlichen Sozialformen (Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit) durchgeführt werden. Auf den Karten sind jeweils entsprechend viele Smileys abgebildet. Natürlich können die vorgeschlagenen Sozialformen auch abgeändert und differenziert werden

Einstieg und weitere Materialien / Ideen

Eine Möglichkeit ist, mit der Geschichte „Geld zu verkaufen“ von Lorenz Pauli (2017) ins Themengebiet einzusteigen.

Begleitung und Beurteilung

Begleitung: Die Lehrperson sollte die Kinder sorgfältig begleiten. Dies ist vor allem bei den Übergängen von einem Lernangebot zum anderen wichtig. Die Lernangebote sollten sorgfältig eingeführt werden, so dass die Kinder anschliessend möglichst selbständig arbeiten können.

Beobachtung und Dokumentation: Das differenzierte Lernangebot ist so angelegt, dass es der Lehrperson vielfältige Möglichkeiten bietet, die Kinder während ihrer Arbeit zu beobachten. Die Kinder können zum Beispiel ein Lernjournal (Heft) führen und darin ihre Arbeit und Erkenntnisse festhalten. Lernstanderfassung: Möglichkeiten dazu bieten das Zahlenbuch und der Heilpädagogische Kommentar sowie einzelne Aufgaben im Fächernet des Lehrplans21.

Weitere Hinweise

Lehrplanbezug

Die Inhalte der Lernangebote beziehen sich auf die Kompetenzen des Lehrplan21 des Kantons Bern. Kompetenzen werden nach Franz E. Weinert als Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen, wie auch Bereitschaft, Haltung und Einstellungen beschrieben (EDK, 2010, 38). Der Zyklus 1 umfasst nach dem neuen Lehrplan und HarmoS-Konkordat Kindergarten 1 und 2 sowie erste und zweite Klasse. In Zukunft soll der Lehrplan21 auch an Heilpädagogischen Sonderschulen als verbindliche Orientierungshilfe eingesetzt werden.

In der Übersicht des IdeenSets befindet sich eine Auflistung aller Kompetenzen des Zyklus 1, die mit dem Thema Geld in Verbindung stehen. Dabei werden Überschneidungen mit dem Fach Natur, Mensch, Gesellschaft ersichtlich. Die Auflistung ist nicht abschliessend, auch andere Kompetenzen (wie z.B. die Grundoperationen) könnten mit Geld erarbeitet werden. Folgende Kompetenzen werden in den Lernangeboten dieser LU berücksichtigt:

Mathematik (1. Zyklus)

Schülerinnen und Schüler...verstehen und verwenden Begriffe und Symbole zu Grössen, Funktionen, Daten und Zufall. (MA3.A.1)

  • ...verstehen und verwenden die Begriffe Geld, Münzen und Noten. (MA3.A.1.b)
  • ...verstehen und verwenden die Begriffe Franken, Rappen, Preis. (MA3.A.1.c)
  •  ...können mit Münzen und Noten bis 100 Franken Beträge legen. (MA3.A.1.d)

Schülerinnen und Schüler ...können Grössen schätzen, messen, umwandeln, runden und mit ihnen rechnen. (MA3.A.2)

  • …können ganze Frankenbeträge bis 20 Franken legen sowie addieren und subtrahieren. (MA.3.A.2.b)
  • …können Geldbeträge mit Fr. und Rp. bilden, addieren und subtrahieren. (MA.3.A.2.d)
  • … können lineare Zahlenfolgen und Wertetabellen mit ganzen Zahlen beschreiben und weiterführen. (MA.3.A.3.b)
  • …können Anzahlen und Preise variieren und Auswirkungen untersuchen. (MA.3.B.1.b)
  • ...können Preise erheben, protokollieren, ordnen und interpretieren. (MA3.C.1.b)

NMG (1. Zyklus)

Schülerinnen und Schüler…

  • ...können Tauschbeziehungen untersuchen und einfache wirtschaftliche Regeln erkennen. (NMG.6.4)
  • ...können Sachen tauschen (z.B. im Spiel, Tauschbörsen), unterschiedliche Interessen von Käufern und Verkäufern entdecken, sowie Ablauf und Handlungen beim Tauschen von Waren bzw. Dienstleistungen gegen Geld beschreiben. (NMG.6.4 a)
  • ...können Eigenschaften von Tauschmitteln erklären (z.B. begehrt, knapp, portionierbar, haltbar, echt) und die Funktion von Geld in Tauschgeschäften erkennen. (NMG.6.4 c)
  • …können Rahmenbedingungen von Konsum wahrnehmen sowie über die Verwendung von Gütern nachdenken. (NMG.6.5)

Weiteres

Neben den einzelnen Lernangeboten ist eine Liste mit ergänzenden Angeboten wie auch eine Übersicht zu den Zahlenbüchern 1-3 und dem Lehrmittel für den Mathematikunterricht im Kindergarten vorhanden.

Quellen

Literatur

  • Bühler-Garcia (2017). Gemeinsam für Vielfalt. Briefe an eine Lehrerin. Biel: Edition.
  • Erziehungsdirektorenkonferenz (2010). Grundlagen für den Lehrplan21. Luzern: Geschäftsstelle der deutschsprachigen EDK-Regionen.
  • Franke, Marianne (2003). Didaktik des Sachrechnens in der Grundschule. Heidelberg/Berlin: Spektrum Akademischer Verlag.
  • Moser Opitz, Elisabeth; Schmassmann, Margret (2015). Heilpädagogischer Kommentar zum Schweizer Zahlenbuch 2. Zug: Klett & Balmer.
  • Pauli, Lorenz (2017). Geld zu verkaufen. Zürich: Atlantis.
  • Radatz, Hendrick; Schnippe, Wilhelm; Dröge, Rotraut; Ebling, Astrid (1997). Handbuch für den Mathematikunterricht 1. Schuljahr. Anregungen zur Unterrichtspraxis. Hannover: Schroedel Verlag.
  • Radatz, Hendrick; Schnippe, Wilhelm; Dröge, Rotraut; Ebling, Astrid (1998). Handbuch für den Mathematikunterricht 2. Schuljahr. Anregungen zur Unterrichtspraxis. Hannover: Schroedel Verlag.

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