Hintergrundinformationen
Warum sich mit Zukünften beschäftigen?
Die Auseinandersetzung mit möglichen Zukünften gewinnt in einer zunehmend komplexen und dynamischen Welt an Bedeutung. Gesellschaftliche, technologische und ökologische Entwicklungen verändern Lebens- und Arbeitswelten in hoher Geschwindigkeit. Für Lernende bedeutet dies, dass sie sich nicht nur auf bekannte Anforderungen vorbereiten können, sondern lernen müssen, mit Unsicherheit, Offenheit und Wandel umzugehen.
Die Beschäftigung mit Zukünften eröffnet dabei einen erweiterten Denkraum: Sie ermöglicht es, sich alternative Entwicklungen vorzustellen, bestehende Annahmen zu hinterfragen und eigene Vorstellungen von „guten“ Zukünften zu entwickeln. Lernen wird dadurch nicht nur rückblickend (Was war?), sondern auch vorausschauend (Was könnte sein?) gedacht.
Gerade im schulischen Kontext bietet dies wichtige Chancen:
- Lernende erleben, dass Zukunft gestaltbar ist
- sie entwickeln ein Bewusstsein für unterschiedliche Perspektiven
- sie üben, mit Unsicherheit produktiv umzugehen
- sie stärken ihre Vorstellungskraft und Kreativität
Die Arbeit mit Zukünften ist somit kein „Zusatzthema“, sondern ein zentraler Bestandteil zeitgemässer Bildung.
Was ist Futures Literacy?
Der Begriff Futures Literacy wurde durch die UNESCO geprägt und beschreibt die Fähigkeit, die Zukunft bewusst im Hier und Jetzt zur Orientierung im Denken und Handeln zu nutzen.
Im Zentrum steht dabei nicht die Vorhersage von Zukunft, sondern das Verständnis, dass Menschen Zukunft antizipieren – also Vorstellungen über mögliche Entwicklungen bilden – und dass diese Antizipationen ihr gegenwärtiges Denken und Handeln prägen.
Dabei geht es nicht darum, die Zukunft vorherzusagen. Vielmehr steht im Zentrum die Frage, wie Menschen über Zukunft nachdenken und welche Annahmen sie dabei – oft unbewusst – treffen.
Futures Literacy umfasst unter anderem:
- die Fähigkeit, unterschiedliche Zukunftsbilder zu entwickeln
- das Erkennen eigener Erwartungen und Annahmen über die Zukunft
- das Hinterfragen scheinbar selbstverständlicher Vorstellungen
- den kreativen Umgang mit Unsicherheit und Offenheit
Ein zentraler Gedanke ist dabei: Zukunft existiert nicht als feststehende Realität, sondern als Vorstellung im Denken der Menschen. Diese Vorstellungen beeinflussen, wie wir heute handeln.
Durch die bewusste Auseinandersetzung mit möglichen Zukünften können Lernende:
- neue Perspektiven einnehmen
- bestehende Denkmuster verändern
- eigene Handlungsspielräume erkennen
- Bezug zum „Kaleidoskop des Lernens“
Das Unterrichtsformat „Kaleidoskop des Lernens“ greift diese Grundidee auf, indem es Lernende dazu einlädt, unterschiedliche Vorstellungen von Lernen zu erkunden, zu kombinieren, zu reflektieren und neu zu gestalten.
Hier sind noch wichtige Vertreter zu Futures Literacy und dem Format "Kaleidoskop des Lernens" genannt:
Riel Miller
Riel Miller hat den Begriff der Futures Literacy geprägt. Als Head of Futures Literacy an der UNESCO hat er dieses Konzept weltweit bekannt gemacht. Von ihm wurden vor allem Zukünftelabore mit Erwachsenen durchgeführt.
Stefan Bergheim
Im deutschsprachigen Raum ist vor allem Stefan Bergheim bekannt. Er moderiert nicht nur Zukünftelabore, sondern bietet auch die entsprechende Ausbildung zur professionellen Moderation an. Neben Publikationen ist er aktuell am Verfassen eines internationalen Glossars zu Futures Literacy. Für Jugendliche hat Stefan Bergheim das Format der Zukünfte-Expedition entwickelt.
Angelika Neudecker (PHBern)
Angelika Neudecker ist Moderatorin von Zukünftelaboren und hat diese um das sogenannte Zukünfte-Realcasting erweitert. Sie hat mehrere Artikel zur Thematik von ‘Futures Literacy’ verfasst. Sie hat als Teil des Think Tanks Medien und Informatik (TTIM, PHBern) die Entwicklung und Umsetzung des Lernarrangements Kaleidoskop des Lernens initiiert.
Patrik Böhler (PHBern)
Patrik Böhler ist Religionspädagoge und Fachlicher Mitarbeiter an der Medien Beratung Ethik, Religionen Gemeinschaft (MBR) der PHBern. Er hat die Umsetzung des Lernarrangements Kaleidoskp des Lernens begleitet.
Weiterführende Literatur
- Bergheim, S. (2025). Über die Kompetenz der Zukünftebildung. In: Sippl, C. et al. „Es wird einmal …“ Wissen schaffen – Zukünfte erzählen. Pädagogik für Niederösterreich. Studienverlag.
- Miller, R. (2007). Futures Literacy: A Hybrid Strategic Scenario Method. Futures 39, 341–362.
- Miller, R. (2018). Transforming the Future – Anticipation in the 21st Century. Routledge.
Zur Ausleihe - Neudecker, A., Bergheim, S. (2025): Futures Literacy: Kompetenzbasierter Umgang mit dem offenen Morgen: Zukünfte in der Erwachsenenbildung / Weiterbildung. In: Schrader. J., Brandt, P.: weiter bilden 2025(4): Zukünfte. S. 41-45.
Link - Neudecker, A. (2024): Futures Literacy: Zukünfte-Realcasting mit eKursionen als Erweiterung des Zukünftelabors. 21 S.
Link - Pielorz, M. (2025). Mit Kompetenzen in die Zukunft weiter bilden. DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung 32 (1), 52–56.
Link - Teachersline (2025): Zukünfte gestalten. KIT.
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