Impulse für die Praxis

Wie hat sich der Erstleseunterricht in der Schweiz entwickelt – und was bedeutet das für die Praxis heute? Diese Auswahl an Impulsen gibt Einblick in die Geschichte und zeigt, wo Lehrpersonen Orientierung finden.

Direkt zu den Praxisimpulsen für heute

Die Erforschung der Leselehrmittel und der in ihnen verwendeten Methoden in der Schweiz liefert nicht nur historische Erkenntnisse, sondern auch konkrete Anknüpfungspunkte für den heutigen Unterricht. Ganz im Sinne von "Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten" (August Bebel) lohnt sich der Blick zurück. Er zeigt die Entwicklung des Anfänger-Leseunterrichts, macht die durchaus vielfältigen Ansätze neuer Lehrmittel nachvollziehbar und hilft, damit in der eigenen Klasse angemessen zu arbeiten.

Früher

Forschung zu historischen Erstlese-Lehrmethoden

Sammelband Nachhaltigkeit und Bildungsmedien

Britta Juska-Bacher zeigt in ihrem Beitrag, wie sich Fibeln in der Deutschschweiz entwickelt haben, und ordnet diese Entwicklung in den Kontext nachhaltiger Bildungsmedien ein. Der Sammelband "Nachhaltigkeit und Bildungsmedien / Sustainability and Educational Media" (Klinkhardt, 2025) ist Open Access zugänglich. Sammelband

Historische Entwicklung

  • 16.– Mitte 19. Jh.: Buchstabiermethode (über Buchstabennamen) in den Katechismusfibeln
  • Ab 19. Jh.: Lautiermethode löst sie nach und nach ab (direkte Lautvermittlung statt Buchstabennamen)
  • Mitte 19. Jh. bis 1970er: Ganzwort-, Ganzsatz- und Ganztextmethoden entstehen als Gegenbewegung
  • Parallel dazu: Methodenintegration (z. B. Normalwortmethode im 19. Jh.)
  • Seit 1980er-Jahre: Offene Lernangebote (z. B. "Lesen durch Schreiben" von Reichen, Spracherfahrungsansatz von Brügelmann und Brinkmann)
  • 2020er-Jahre: Silbenbasierte Ansätze (z. B. Deutsch Eins) 

Wichtigste Erkenntnisse

  1. Synthetische Methoden sind am ältesten und nachhaltigsten – sie sind vom 16. bis ins 21. Jahrhundert durchgehend präsent, da Lautsynthese eine zentrale Lesekomponente ist. 
  2. Die Buchstabiermethode erwies sich als erstaunlich widerstandsfähig, obwohl ihre didaktischen Schwächen (z. B. der schwierige Übergang von Buchstabennamen zu Lautwerten) schon früh bekannt waren – sie wurde erst im 19. Jahrhundert durch die Lautiermethode abgelöst. 
  3. Reine Ansätze verschwinden zunehmend zugunsten von Kombinationen – seit den 1970er-Jahren dominieren Methodenintegrationen aus synthetischen und analytischen Elementen. 
  4. Offene Lernformen haben sich seit den 1980er-Jahren etabliert und sind, obwohl selbst noch "jung", inzwischen auch in Lehrmitteln mit Lehrgangsstruktur weit verbreitet. 
  5. Die aktuelle Praxis ist geprägt von Methodenvielfalt: eine Kombination aus synthetischen und analytischen Zugängen sowie aus angeleiteten und offenen Lernformen gilt heute als Standard. 

Ein Beispiel: Namensbüchlein (1680), Universitätsbibliothek Bern

Eines der ältesten digital verfügbaren Deutschschweizer Leselehrmittel zeigt die Buchstabiermethode des 17. Jahrhunderts im Original. Digitalisat

Wortschatz und Lesen

Das Forschungsprojekt "Die Entwicklung von Wortschatz und Lesen" (EnWoLe) untersuchte, wie Wortschatz und Leseerwerb in den ersten drei Schuljahren zusammenhängen. Zum Projekt gab es 2019 eine Ausstellung im Berner Generationenhaus. Die dazugehörige Broschüre "Lesen lernen" fasst die Ergebnisse zusammen. Broschüre "Lesen lernen" Projekt EnWoLe

Heute

Der Kanton Bern stellt das aktuelle Verzeichnis der empfohlenen Lehrmittel online zur Verfügung: Verzeichnis der Lehrmittel

Empfehlungen für den Unterricht

Informationen zu den empfohlenen Erstlese-Lehrmitteln

Lesen im Zyklus 1

Der Kanton Bern zeigt im Fächernet, wie Leseförderung und Schriftspracherwerb im Zyklus 1 zusammenhängen, und nennt weitere empfohlene Lehrmittel. Fächernet

Weiterbilden

Wer die eigene Praxis vertiefen will, findet passende Weiterbildungen zur Leseförderung in der Weiterbildungssuche der PHBern.