Zwischen Seminaren und Herzensmenschen – Freundschaften im Studium
Im Juli 2026
Wenn ich zurückblicke auf die Zeit seit Beginn meines Studiums an der PHBern, merke ich, wie sehr sich mein Bild von "Freundschaft" verändert hat. Am Anfang dachte ich: Okay, du lernst ein paar nette Leute kennen, lernst zusammen für die Prüfungen und tauschst dich in den Pausen mit ihnen aus. Mittlerweile weiss ich: Es ist viel vielschichtiger – und genau das macht es spannend.
Die, die von Anfang an da waren
Es gibt diese eine Gruppe von Menschen, die ich schon am Pre-study-day kennengelernt habe. In den ersten Semesterwochen sassen wir dann zufällig nebeneinander. Ich weiss noch, wie wir uns über die Nervosität vor der ersten Präsentation ausgetauscht haben und seither ist irgendwie ein Band entstanden, das sich durch alle Semester zieht.
Mit ihnen habe ich die ersten Prüfungsängste geteilt, die ersten Praktika reflektiert und auch private Krisen durchgestanden. Diese Personen kennen mich mittlerweile nicht nur als Studentin, sondern auch als Mensch, mit allem, was dazugehört. Ich glaube, genau das macht den Unterschied: Sie waren nicht nur in einer Lerngelegenheit oder in einem Modul dabei, sondern haben meine ganze Entwicklung miterlebt.
Freundschaften, die bleiben werden
Es gibt ein paar wenige Menschen, bei denen ich heute schon spüre: Das hier ist mehr als eine "Studifreundschaft". Wir haben uns über die Ausbildung hinaus verabredet, kennen die Familien und Partner:innen der jeweils anderen, planen gemeinsame Ferien. Ich denke, das sind die Freundschaften, die auch dann noch bestehen werden, wenn wir alle in unseren eigenen Schulzimmern stehen und uns nicht mehr wöchentlich in den Seminaren sehen.
Was diese Beziehungen für mich auszeichnet, ist nicht die Häufigkeit des Kontakts. Es ist die Tiefe. Wir können nach Wochen ohne Austausch wieder anknüpfen, als wäre keine Zeit vergangen.
Gute Bekanntschaften
Daneben gibt es ein grösseres Netz an Menschen, die ich als "gute Bekanntschaften" bezeichnen würde. Man grüsst sich, tauscht sich über organisatorische Fragen aus, hilft sich gegenseitig mit Unterlagen oder Zusammenfassungen aus. Es ist ein lockereres, aber trotzdem wertvolles Miteinander.
Ich schätze diese Kontakte sehr, auch wenn sie nicht zwingend die emotionale Tiefe der engeren Freundschaften haben. Sie machen den Studialltag angenehmer, sorgen für ein Gefühl von Zugehörigkeit. Und manchmal entwickelt sich aus einer solchen Bekanntschaft überraschend doch noch etwas Engeres.
Menschen, die kommen und gehen
Und dann sind da die Personen, die man vor allem über einzelne Kurse kennenlernt. Je nach Seminaren, Praktikum oder Fachbereich wechseln die Gesichter um einen herum immer wieder. Am Anfang fand ich das fast etwas anstrengend: Kaum hat man sich an eine Gruppenkonstellation gewöhnt, ist das Modul vorbei und man sieht sich vielleicht nie wieder.
Mit der Zeit habe ich aber gelernt, diesen "kurzen" Begegnungen auch etwas Positives abzugewinnen. Jede dieser Personen bringt eine andere Perspektive mit, andere Erfahrungen aus anderen Vertiefungsrichtungen oder Praxisorten. Man lernt, sich schnell auf neue Menschen einzulassen, offen zu sein und auch aus kurzen Zusammenarbeiten das Beste herauszuholen. Das ist letztlich eine Fähigkeit, die mir sicher auch im späteren Berufsleben als Lehrperson nützen wird, wenn ich mit wechselnden Kolleg:innen, Eltern und Fachpersonen zusammenarbeite.
Ein Fazit für heute
Manchmal denke ich, das Studium ist wie ein kleines soziales Ökosystem: Es gibt einen festen Kern von Menschen, die von Anfang an da sind und bleiben werden. Ein Netz mit guten Bekanntschaften, das den Alltag trägt. Und dann ständig neue Gesichter, die kommen und gehen.
Alle drei Ebenen haben ihren Platz und ihren Wert. Ich nehme mir vor, in den kommenden Semestern noch bewusster wahrzunehmen, wer mir wirklich wichtig ist – und auch dankbar zu bleiben für die kurzen, aber bereichernden Begegnungen unterwegs.