Der Open Education Day vermittelt einmal jährlich spannendes Wissen und Erfahrungen – mit Referaten, Workshops und dem Austausch der Teilnehmenden untereinander. Diesmal steht der ganztägige Anlass unter dem Motto "Learning together". Markus Deimann hält die Keynote. Er ist Bildungswissenschaftler und Privatdozent an der FernUniversität in Hagen. Als Kolumnist und Podcaster mischt sich Deimann aktiv und kritisch in die Debatten zur Digitalisierung von Bildung ein.
Herr Deimann, was verstehen Sie unter Open Education?
Ich verstehe unter Open Education die Idee, dass Bildung ein öffentliches Gut ist, frei zugänglich für alle Menschen. Wichtig dabei ist, dass Bildungstechnologien, digitale Werkzeuge und Infrastrukturen auf dieser Idee aufgebaut sind und es zu keinen Widersprüchen kommt (z. B. bei geschlossenen Plattformen mit unkontrollierbaren Datenflüssen).
Welche kulturellen und technologischen Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Offenheit an Bildungsinstitutionen gelebt werden kann?
Kulturell ist eine Aufwertung von Lehrleistungen notwendig: Wer teilt, wird ebenso wertgeschätzt wie jemand, der über seine Forschung publiziert. Aus technologischer Sicht braucht es die Erkenntnis, dass digitale Bildungswerkzeuge nicht neutral sind. Oft stehen hier Werte wie Effizienz oder Kontrolle im Fokus und weniger Offenheit, Transparenz oder Partizipation.
Wie verändert Open Education das Lehren und Lernen an Schulen und Hochschulen?
Open Education kann den Wert von Bildung als gemeinsames, gesellschaftliches Projekt wieder sichtbar machen. Dies ist wichtig in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz tief in das menschliche Hoheitsgebiet des Wissens vordringt. Open Education kann die Demokratie stärken, wenn Menschen möglichst unbeschränkt auf Wissen und Fakten zurückgreifen können.