Von der Schulwarte zum modernen Medienzentrum

Wer "Schulwarte" sagt, meint heute eigentlich das Medienzentrum der PHBern. Doch der alte Name hält sich unerschütterlich. Das hat seinen Grund: Die Institution blickt auf eine über 140-jährige Geschichte zurück und ist seit jeher eine vertraute Begleitung der Berner Lehrpersonen.
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Ihren Ursprung hat die Schulwarte in der Wiener Weltausstellung von 1873, die dem Unterrichtswesen besondere Aufmerksamkeit schenkte. Der Kantonsschullehrer Emanuel Lüthi setzte sich daraufhin für eine Lehrmittelsammlung ein, die Schulen mit dem versorgen sollte, was ihnen fehlte: Anschauungsmaterial, Modelle, Wandkarten, etc. 1879 wurde die "Schweizerische permanente Schulausstellung" in der alten Kavalleriekaserne in Bern eröffnet — der direkte Vorläufer der späteren Schulwarte.

Ende 1934 bezog die Institution ihr heutiges Gebäude am Helvetiaplatz, mitten in der Stadt, direkt am südlichen Brückenkopf der Kirchenfeldbrücke, und erhielt ihren bis heute gebräuchlichen Namen.

Aber woher kommt dieser Name eigentlich? Er ging aus einem Wettbewerb unter den bernischen Lehrpersonen hervor. Der Sprachwissenschaftler Professor Otto von Greyerz erläuterte als Jurymitglied, der Name stehe für einen Ort, der im übertragenen Sinne erhaben sei — einen Ort, von dem aus man frei über die Schulen des Landes blicken und für das Gedeihen des Schulwesens wirken könne. Ganz bewusst wollte man sich damit von nüchternen Bezeichnungen wie "Pädagogische Zentrale" abheben. Anlässlich der Einweihung 1935 brachte es Schulinspektor Dr. Walter Schweizer auf den Punkt: Die Schulwarte solle den Lehrpersonen und der Schule Helferin sein und sich in erster Linie in den Dienst der Lehrpersonenfortbildung stellen. Ein Anspruch, der bis heute gilt. 

Neustart in den 1970er-Jahren

In den 1970er-Jahren stand die Institution vor einem Wendepunkt. Die Erziehungsdirektion übernahm sie 1974 vom bisherigen Stiftungsbetrieb, und eine umfassende Umfrage unter den Lehrpersonen zeigte klar: Es brauchte mehr als eine klassische Leihbibliothek. Gefragt waren firmenunabhängige Beratung bei technischen Unterrichtsmitteln, eine moderne Mediendokumentation und ein leistungsfähiger Verleih, auch per Post, für Lehrpersonen aus entlegenen Kantonsgebieten. Es folgte eine radikale Reorganisation, ein umfassender Gebäudeumbau und schliesslich 1983 die Wiedereröffnung als vollständig erneuertes Medienzentrum.

Medienzentrum heute: mehr als Ausleihe

Das moderne Medienzentrum vereint heute eine breite Palette an Dienstleistungen: Die Mediothek – nach wie vor Herzstück des Gebäudes – wo Ausleihe, Beratung und Austausch im Zentrum stehen. Die attraktiven Arbeitsplätze für Einzel- und Gruppenarbeiten werden für die Unterrichtsvorbereitung genutzt.

Im "maker corner" sowie im "MINTlabor" können Lehrpersonen neue Medien für den Unterricht ausprobieren. Im Untergeschoss des Medienzentrums stapeln sich ausleihbare Medien- und Materialkisten zu spezifischen Unterrichtsthemen bis an die Decke. Ein randvoller Postwagen verlässt einmal am Tag das Haus und das ausgeliehene Material wird im ganzen Kanton an die Schulen geliefert. 

Das neueste Angebot dreht den Ausleihprozess um: Statt Unterrichtsmedien an Schulen auszuleihen, lädt das Medienzentrum Schulklassen an den Helvetiaplatz 2 ein, wo sie themenspezifische Unterrichtsateliers mit fest installierten Lernmaterialien als ausserschulischen Lernort besuchen können. Das Angebot wechselt zweimal jährlich. 

Die umfangreiche digitale Sammlung an Unterrichtsmaterialien – wie IdeenSets oder Online-Filme – ist nicht nur im Haus, sondern von jedem Ort aus abrufbar.

Das Medienzentrum bleibt eine Institution, die Lehrpersonen im ganzen Kanton ganz konkret in ihrem Berufsalltag unterstützt. Und mit den sich wandelnden Bedürfnissen der Schulen mitgeht.