Profimusikerin und bald Primarlehrerin: ausgebildet, um anzufangen

Sonja Ott schliesst nächstens ihr Studium zur Primarlehrperson an der PHBern ab. Die grundlegenden Kompetenzen für den Schulalltag hat sie erlangt. Die professionelle Musikerin weiss jedoch aus eigener Erfahrung: Das Lernen geht weiter.
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2026: Profimusikerin und PHBern Studentin Sonja Ott

Profimusikerin und PHBern-Studentin Sonja Ott steht kurz vor dem Abschluss zum Lehrdiplom für die Primarstufe.

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"Ich fühle mich ausgebildet, um anzufangen. Der grösste Lernprozess findet beim Unterrichten statt." So die Antwort von Sonja Ott auf die Frage, ob sie sich denn kurz vor Abschluss des Studiums zur Primarlehrperson kompetent und bereit fühle. Und sie fährt gleich fort: "Lernen ist meine grosse Leidenschaft". Die Motivation, an der PHBern zu studieren, war simpel: "Ich wollte mich als Pädagogin weiterbilden." Gesagt, getan. 

Bachelorarbeit zu lebenslangem Lernen

Die 30-Jährige mit einem Master in Musikpädagogik hat mehr als nur ein Eisen im Feuer: Sie schreibt gerade an ihrer Bachelorarbeit zum Thema "Lebenslanges Lernen und das musikalische Selbstkonzept". Ebenso ist sie als professionelle Trompeterin in eigenen Bands wie dem Swiss Jazz Orchestra und spielte früher bei Patent Ochsner. Ausserdem hat sie die Co-Leitung in der selbstgegründeten Musikschule "Musik im Dach", in der sie ebenfalls Einzelpersonen und Ensembles unterrichtet. Nicht zuletzt arbeitet sie in einem kleinen Pensum in BeKuBe-Klassen (Begabtenförderung) in Wohlen.

Ich fühle mich ausgebildet, um anzufangen. Der grösste Lernprozess findet beim Unterrichten statt.
Sonja Ott  -  Profimusikerin und Studentin am Institut Primarstufe der PHBern

System Schule und Lehrplan verstehen

Am meisten verändert hat sich bei Sonja Ott das Verständnis für das System Schule. "Im Studium haben wir viel über die Entstehung des Schulsystems gelernt. Ich weiss jetzt, wie es funktioniert, warum die Dinge sind, wie sie sind, wo die Stärken liegen, und was es braucht, um es weiterzuentwickeln." Sie hat auch fundierte Kenntnisse über den Lehrplan 21. Das bedeutet: Sonja Ott begleitet die Kinder bewusst bei den angestrebten Kompetenzen. Ausserdem kann sie jetzt Lehrmittel dahingehend einschätzen, wie sie sie einsetzen und wo sie sich Hilfe holen kann. Viel gelernt hat sie ebenso in den einzelnen Fachdidaktiken, zum Beispiel wie Lernen in den einzelnen Fächern funktioniert. "Es gibt viel Expertise und in vielen Fächern sehr durchdachte Lehrmittel. Das hatte ich nicht erwartet. Wir frisch ausgebildeten Lehrpersonen müssen die Welt nicht immer neu erfinden."

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2026: Profimusikerin und PHBern Studentin Sonja Ott am Computer

Sonja Ott schreibt gerade an ihrer Bachelorarbeit zum Thema lebenslanges Lernen.

Kompetenz durch Selbstreflexion

"Meine Auffassung einer kompetenten Lehrperson? Kompetenz zeigt sich durch Lernfreudigkeit, Offenheit und die Bereitschaft, die eigene Grundhaltung zu reflektieren." So die Theorie. In der Praxis ist es auch schon vorgekommen, dass Sonja Ott das Verhalten der Kinder persönlich genommen hatte. "Die Kinder waren unruhig und arbeiteten unkonzentriert, das hat mich verärgert. Als ich mich mit meiner Reaktion auseinandersetzte, wurde mir klar, dass ich den Unterricht anpassen musste. Ich habe gelernt, auf solche Situationen zu reagieren und beispielsweise mehr Bewegungspausen einzubauen. Und siehe da: Es wirkte!" 

Wichtig sei, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen, ohne sich selbst zu stark in Frage zu stellen: "Kennt man eine Klasse gut, lassen sich schwierige Situationen besser vorhersehen." Und was braucht es sonst noch? Nebst der Offenheit und Selbstreflexion sei Organisationstalent wie auch eine gute Kommunikationskompetenz gefragt. Man sei laufend im Dialog mit Kindern, Eltern und auch dem Kollegium oder der Schulleitung. 

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Sonja Ott an der Trompete

Die angehende Primarlehrerin Sonja Ott spielt bereits professionell Trompete und hat einen Master in Musikpädagogik.

Ausprobieren als Lebensmotto

Zurück zum Lernen. Die gebürtige Ostschweizerin weiss aus der Praxis, dass es beim Lernen auch ums Experimentieren geht: "Ich glaube ans Ausprobieren. Ich kann zwar planen, was die Kinder lernen sollen, aber alle nehmen etwas anderes aus der Schule mit. Die Kinder eignen sich neues Wissen und Können immer selbst an. So lernen sie am meisten. Wir Lehrpersonen können sie dabei begleiten und die Leitplanken geben."
 
Apropos Ausprobieren: Dass Sonja Ott jetzt professionell Trompete spielt, ist eher Zufall. Beim Tag der offenen Türe für Musikunterricht war damals die Warteschlange bei der Querflöte zu lang. Deshalb ging sie ein Zimmer weiter und landete bei der Trompete. Der Rest ist wortwörtlich Geschichte.

Kompetenz zeigt sich durch Lernfreudigkeit, Offenheit und die Bereitschaft, die eigene Grundhaltung zu reflektieren.
Sonja Ott  -  Profimusikerin und Studentin am Institut Primarstufe der PHBern

Die PHBern weiterempfehlen?

"Ja!" 
"Wieso?" 
"Ich habe viele kompetente, interessierte und engagierte Dozierende angetroffen. Die Infrastruktur in Bern ist sehr komfortabel und das Studium beinhaltet viele Praktika. Es wird aber auch viel eingefordert – gerade die Präsenzpflicht kann Teilzeitstudierende ganz schön herausfordern. Mit frühzeitiger Organisation und Kommunikation hat aber alles gut funktioniert." Übrigens: Die Praktika haben zusammengeschweisst. Sie machte alle mit der gleichen Mitstudentin. "Das war cool! Wir fantasieren immer noch darüber, einmal eine gemeinsame Klasse zu unterrichten."

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