Kolumnen

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Kolumne

Intensivweiterbildungen im virtuellen Raum: Betrachtungen und Erfahrungen in aussergewöhnlichen Zeiten

19.05.2020: In den «Intensivweiterbildungen» der PHBern widmen sich die Teilnehmenden bis zu sechs Monaten ihrer beruflichen Entwicklung. Dazu gehört im Normalfall ein regelmässiger und persönlicher Austausch zwischen den Teilnehmenden und den Dozentinnen und Dozenten. Wie aber geht man damit um, wenn wegen Covid Präsenzveranstaltungen plötzlich nicht mehr möglich sind?

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Kolumne

Nach Absage aller Präsenzveranstaltungen ab dem 13. März begann das Team der Intensivweiterbildungen Ideen zu sammeln, wie sich der Lernprozess der laufenden Angebote aufrechterhalten lässt und wie die Quartalsangebote Mitte April gestartet werden könnten, da die Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern (BKD) das Leitungsteam beauftragte, alle laufenden und geplanten Intensivweiterbildungen durchzuführen. 

Die Weiterbildungs-Teilnehmenden kannten sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ebenso wenig waren sie vertraut mit Arbeitsweisen und Abläufen der Langzeitweiterbildung. Gleichzeitig waren alle Beteiligten plötzlich gefordert, sich digital fit zu machen, ausgewählte Applikationen im Sprinttempo gezielt einzusetzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. 

Da nicht alle Lehrpersonen an der Intensivweiterbildung teilnehmen konnten, ergab sich zusätzlicher Klärungsbedarf mit der Bildungs- und Kulturdirektion. Wesentlich war in dieser aussergewöhnlichen Situation die gute Dialogqualität in den Teams. Sie ermöglichte situationsgerechtes Handeln und eröffnete einen gemeinsamen Raum für Co-Kreationen und Innovationen. 

Wenig Zeit blieb hingegen, um in dieser Pionierphase innezuhalten und zu reflektieren; es ging ums Ausprobieren, viel Mut zur Lücke und Geduld und Beharrlichkeit bei technischen Problemen. 

Nicht ob wir Online-Lösungen verwenden wollen, war mittlerweile die Frage, sondern in welcher Form wir diese einsetzen würden, damit die Teilnehmenden im selbstgesteuerten Arbeiten sinnvoll begleitet und unterstützt werden und sich auch untereinander austauschen können. 

Interessant wird sein zu erfahren, wie die Teilnehmenden sich auf neue Erfahrungen einlassen und in Kooperation und verbindlicher Auseinandersetzung mit sich und der Gruppe ihr Lernen gestalten. 

Es werden laufend neue Themen für den Fernunterricht erarbeitet; diese werden den Teilnehmenden mit Kick-off Elementen aus Videoclips, Links, Texten, Bildern, PowerPoint-Präsentationen und Anregungen zur Reflexion zur Verfügung gestellt. Lernerfolge werden an Zoom-Konferenzen gefeiert. Nebst eher bekannteren Elementen entwickeln die Dozierenden kreative, vielfältige Lösungen zur Gestaltung von Distance Learning:

  • Teilnehmende befassen sich mit dem Rollenthema und gestalten zu ihrem Rollenbild eine Ausstellung auf Ilias und organisieren anschliessend einen virtuellen Besuch
  • Wöchentlich erzählt ein Dozierender ein Märchen (Videoclip auf Plattform)
  • Das Leitungsteam schickt den Teilnehmenden ein Paket, damit sie tatsächlich etwas in der Hand haben
  • Zum Wochenausstieg treffen sich die Lernpartnerschaften zu Spaziergängen mit Handyverbindung

Es geht bei alledem allerdings nicht darum, zwei, drei oder auch mehr Wochen zu überbrücken. Mit digitalen Möglichkeiten wird auch nach Wiederaufnahme von Präsenzveranstaltungen weiter experimentiert, Erfahrungen werden ausgetauscht und das Wissen wird innerhalb der Intensivweiterbildungen allen zur Verfügung gestellt. Eine intensive Auseinandersetzung mit Distanzlernen kann zudem aufzeigen, warum es Sinnmacht, vor Ort und in engem Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden Weiterbildungen anzubieten und gleichzeitig der Frage nachzugehen, wie aus der Distanz Beziehung geschaffen werden kann.

Über die Autorin

Magdalena Bösiger ist Angebotsverantwortliche Intensivweiterbildung Semesterangebot Reflexion und Gestaltung sowie Dozentin im Bereich berufsbiografische Angebote / Intensivweiterbildungen an der PHBern.

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Kolumne

Chancengleichheit als Schulentwicklungsthema: Resümee der Arbeitsgruppe «Digitalisierung und Chancen(un)gleichheit»

14.05.2020: Seit Anfang April hat die Arbeitsgruppe «Digitalisierung und Chancen(un)gleichheit» Erfahrungsberichte und Analysen, die im Dialog mit pädagogischen Fachpersonen entstanden sind, auf ihre Plattform hochgeladen. Nachdem die Schulen langsam zurück zum Präsenzunterricht finden, zieht die Arbeitsgruppe Bilanz und kommt zum Schluss, dass die Chancengleichheit ein Schwerpunkt von Schulentwicklungsprozessen werden muss.

Aus Sicht der Arbeitsgruppe gab es in der Zeit des Fernunterrichts wiederkehrende Themen: Die oft mangelhafte IT-Ausstattung von Schulen, die ungleichen digitalen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern oder die unschätzbar wichtige Zusammenarbeit mit den Eltern. Letztere ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt, wenn es um Chancenungleichheit geht. Waren in einem Schulteam eine entsprechende Kultur sowie Kontakte und Kommunikationsstrukturen bereits vorhanden, konnten sich die Lehrpersonen gleich der Ausgestaltung des Unterrichts widmen. Andernfalls war viel Aufwand notwendig, um alle Eltern und Lernenden zu erreichen.  

Auch wenn die Lehrpersonen sich bemühten, die digitalen Medien zurückhaltend und situationsadäquat einzusetzen, waren viele Schülerinnen und Schüler überfordert. Das selbstorganisierte Lernen konnte dann als Chance genutzt werden, wenn Lernende die grundlegenden Kompetenzen für den Umgang mit Technologie, Tools und Apps bereits erworben und – auch mit den Peers – geübt hatten. Nicht alle verfügten zu Hause über eine Mindestausstattung an Geräten und einen ausreichenden Zugang zum Internet. Nicht überall konnten die Eltern ihren Kindern in technischen oder inhaltlichen Fragen helfen. So benötigten beispielsweise Schülerinnen und Schüler aus Familien, die sich nicht prioritär um die Bildung der Heranwachsenden kümmern können (z.B. aufgrund einer anderen Erstsprache oder der Arbeitssituation), junge Kinder oder Lernende mit besonderem Förderbedarf zusätzliche Unterstützung von Seiten der Schule.

Konkrete Empfehlungen für die Zukunft 

IT-Ausstattung, Support und Schulung: Es braucht regelmässige Schulungen durch die Spezialistinnen und Spezialisten Medien und Informatik der Schulen (SMI). Nur so kann eine Schule gewährleisten, dass alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen und schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen mit der Bedienung der Programme und der notwendigen Geräte vertraut sind. Natürlich wäre es am besten, wenn alle ein Gerät zur Verfügung haben, um den Umgang zu üben und die Basiskompetenzen zu erlangen. Aus einer sozialräumlichen Perspektive ist zu ergänzen, dass auch manche Eltern technischen Support brauchen, damit sie erreichbar bleiben. 
 
Plattformen als Basis für den Fernunterricht: Im Fernunterricht wurden Arbeitsergebnisse gerade bei jungen Schülerinnen und Schülern oft durch die Eltern per Foto dokumentiert und den Lehrpersonen per E-Mail oder WhatsApp-Dienst zugeschickt. Für einen besseren Überblick empfiehlt die Arbeitsgruppe den Einsatz von Plattformen, wie z.B. Office365, über welche die Kommunikation erfolgen und Dokumente ausgetauscht werden können. Die Basisfunktionen sollten möglichst in allen Zyklen eingerichtet sein. Wenn die Schülerinnen und Schüler die grundlegenden Kompetenzen einmal erworben haben, können weitere Dienste aus der Plattform oder externe Dienste hinzugezogen werden. 

Voraussetzungen für digitales Lernen: Die Arbeitsgruppe unterstützt die Forderung, dass die digitalen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern und der verantwortungsbewusste Umgang mit Medien flächendeckend gefördert werden müssen. Wie bei jedem Unterricht gilt jedoch auch fürs digitale Lernen der Grundsatz, dass die professionelle Begleitung des Lernens und geeignete Inhalte das Wichtigste sind. Ihnen folgen die didaktische Vermittlung (reichhaltige, differenzierte Aufgabenstellungen) und der Einsatz passender digitaler Werkzeuge.  

Kommunikationskonzept: Angesichts der Erfahrungen im Fernunterricht drängt sich für jede Schule ein auf die verschiedenen Bedürfnisse abgestimmtes Kommunikationskonzept auf. Es braucht pragmatische Lösungen, die auf bereits in der Schule eingesetzten Systemen aufbauen. Die so geschaffenen Kanäle können von den multiprofessionellen Teams auch für die Zusammenarbeit mit den Eltern genutzt werden.  

Verringerung der Chancenungleichheit als Thema im Schulentwicklungsprozess 

Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe zielen auf eine verbesserte Chancengleichheit und sie sind relevant für die Schulentwicklung. Jede Schule braucht jetzt Zeit und Ressourcen um den Austausch über die Unterrichtsteams hinweg zu ermöglichen und die Erfahrungen im Rahmen des Fernunterrichts auszuwerten. Die Erkenntnisse können für die Schul- und Unterrichtsentwicklung nachhaltig nutzbar gemacht werden – nicht nur im Hinblick auf eine allfällige “zweite Welle”, sondern auch für das Bestreben, Chancenungleichheit zu reduzieren.  
 

Die Autoren

Caroline Bühler
Uwe Dirksen
Thierry Schluchter
Simone Suter 

Kontakt: 
Arbeitsgruppe "Digitalisierung und Chancen(un)gleichheit" 
Think Tank Medien und Informatik (TTIM) 
Fabrikstrasse 8 
CH-3012 Bern
ttim.chancengleichheit@phbern.ch 

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News Kolumne

Schritte Richtung Schule für alle – konkret!

08.05.2020: Unter dem Titel Fernunterricht als Chance für die inklusive Schule (vgl. Kolumne weiter unten) haben wir das im Lockdown enthaltene Potential zur Entwicklung Richtung Inklusion herausgearbeitet. Im Fernunterricht sind Bildungsungleichheiten schonungslos zu Tage getreten. Damit diese verstärkte Sensibilisierung für Vielfalt die Schul- und Unterrichtsentwicklung vorantreiben kann, darf sie bei der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts nicht in den Hintergrund rücken. Unterstützt wird dieses Bewusstsein durch den Umstand, dass weiterhin Lernende dem Unterricht aus gesundheitlichen Gründen fernbleiben und wir auf das Szenario einer erneuten Schulschliessung vorbereitet sein müssen. In diesem Sinne bietet die ausserordentliche Situation die Chance, konkrete Schritte zu unternehmen hin zu einer Schule für alle:

Intensive Kooperation im multiprofessionellen Team

  • Das Unterrichtsteam, bestehend aus Regellehrpersonen sowie schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, verantwortet den Unterricht gemeinsam. Die Rolle der schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen kann z.B. darin liegen, den Lernstand der Schülerinnen und Schüler zu erheben, Handlungsmaterial einzuführen sowie Lerngruppen beim Erwerb von Grundanforderungen zu begleiten. Das Team strebt nicht eine "homogene" Klasse an, sondern richtet sein Denken und Handeln wertschätzend an der Heterogenität der Lernenden aus – stets im Bestreben, Bildungsungleichheiten zu reduzieren. Das Wiedereinfinden in der Schule vor Ort wird ohne Druck gestaltet.

Konstruktive Zusammenarbeit mit Eltern

  • Regellehrpersonen und schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen laden die Eltern regelmässig ein, ihre Perspektive zur Befindlichkeit und den Bedürfnissen ihrer Kinder rückzumelden. Bei Lernenden in besonders herausfordernden Situationen besprechen die Lehrenden, wer direkt mit den Eltern Kontakt aufnimmt und wie sie in der Lernbegleitung der Kinder zu Hause unterstützt werden können.

Vertrauensvolle Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern

  • Lernende, die zu Hause bleiben müssen, werden vom Unterrichtsteam wöchentlich per (Video-)Anruf kontaktiert. Der vertrauliche Austausch wird entwicklungs-, bedürfnis- und interessensorientiert gestaltet (z.B. Einbezug von Stofftieren im Kindergarten) und stellt auch im Präsenzunterricht einen festen Bestandteil der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden dar.

Gezielte Unterrichtsentwicklung Richtung inklusive Schule

  • Vielfältige Aufgaben: Unterrichtssettings bestehen aus abwechslungsreichen Lernaktivitäten: Nebst kognitiv herausfordernden Aufgaben auf verschiedenen Komplexitätsstufen bleibt für alle Lernenden genügend Zeit für bewegungsorientierte, musische Tätigkeiten (z.B. Jonglage, Muster aus Naturmaterialien legen).
  • Innere Differenzierung: Damit alle motiviert lernen können, werden Grund- und erweiterte Anforderungen definiert. Gleichsam wird auf verbindende Aufgaben geachtet (z.B. Texte auf verschiedenen Leseniveaus zu unterschiedlichen Aspekten desselben Themas bearbeiten und gegenseitig vorstellen).
  • Kooperatives Lernen: Schülerinnen und Schüler in der Schule spielen und lernen mit denjenigen, die im Fernunterricht verweilen, per WhatsApp (z.B. vorzeigen/nachahmen in Bewegungsspielen, erraten von Begriffen, sammeln von Wörtern zu einer Wortart). Lernende im Fernunterricht nehmen möglichst oft per Videoanruf an gemeinschaftsbildenden und einführenden Sequenzen im Präsenzunterricht teil.
  • Anschauungs- und Handlungsmaterialien: Es wird sichergestellt, dass die benötigten Materialien (z.B. Wendeplättchen, Messband, Luftballons, Würfel, Schere, Knete) in der Schule und zu Hause allen Lernenden zur Verfügung stehen (z.B. im wöchentlich zusammengestellten Materialkistchen).
  • Digitale Kompetenzen: Schülerinnen und Schüler lernen Programme und Apps kennen (z.B. Textbearbeitung in Word, Podcasts, Videos oder Fotos zu bestimmten Themen erstellen) und erhalten Gelegenheit, die erlangten Kompetenzen (kooperativ) anzuwenden.
  • Selbstorganisiertes Lernen: Aufträge werden in einfacher Sprache sowie visualisiert festgehalten und sind immer gleich aufgebaut (z.B. Zielsetzung, Materialien, Zeit, Sozialform, Vorgehen). Idealerweise werden Piktogramme für die metakognitiven Strategien (planen, steuern, überwachen) und Kästchen zum Ankreuzen von erfüllten Teilaufgaben integriert.
  • Umsichtige Lernbegleitung: Das Unterrichtsteam begleitet die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler (z.B. mit WhatsApp-Videoanruf, direkt bei schriftlichen Aufgaben, per Mail, in digitalen oder papierenen Portfolios).
  • Formative Beurteilung: Negatives Feedback ist unbedingt zu vermeiden (z.B. keine Stempel mit Regenwolke oder traurige Emoji, keine Murmeln und Wäscheklammern, die entzogen, nicht aber wiedererworben werden können). Denn demotivierende Rückmeldungen sind weder lern-, selbstwert-, beziehungs- noch integrationsförderlich. Stattdessen bestätigen die Lehrpersonen Lernerfolge wohlwollend, ermutigend und zeigen konkrete nächste Schritte auf.

Inspiriert von aktuellen Praktiken in den Schulen, wünschen wir uns, dass die entwickelten Ideen anregen und die im Lockdown bewiesene Kreativität weiterblüht. So blicken wir zuversichtlich einer dynamischen und verbindlichen Unterrichts- und Schulentwicklung entgegen. Diese widerspiegelt sich in den schulischen Leitbildern und Konzepten und basiert auf dem pädagogischen Engagement aller Beteiligten.

Über die Autorinnen

  • Carla Jana Svaton ist Dozentin am Institut für Heilpädagogik der PHBern.
  • Daniela Heierle ist Dozentin am Institut für Heilpädagogik der PHBern.
  • Caroline Sahli Lozano ist Leiterin des Schwerpunktprogramms Inklusive Bildung am Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation der PHBern und Dozentin am Institut für Heilpädagogik der PHBern.
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Kolumne Markus Heinzer

Wie können die Gemeinden in ihren Schulen die Chancen für alle verbessern?

07.05.2020: Die Gemeinden können zu gerechten Bildungschancen für alle Schulkinder in ihren Schulen beitragen. Die lokalen Bildungsbehörden tragen dabei eine gewisse Verantwortung, denn es kommt neben der Pädagogik auch stark auf die Rahmenbedingungen an.

Im Corona-bedingten Schul-Timeout zeigt sich deutlicher als sonst, wie unterschiedlich die Bildungschancen der Schulkinder sind. Die so genannte «Schere» zwischen den Schulleistungen der «guten» und der «schlechten» Schülerinnen und Schüler, zwischen benachteiligten und privilegierten Kindern öffnet sich offensichtlich in dieser speziellen Situation noch viel weiter als sonst schon.

Aber warum geht diese «Schere» auch im normalen Schulsetting so stark auf? Warum ist der Schulerfolg beispielsweise über die Quartiere der Stadt Bern nicht gleichmässig verteilt? Warum haben Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen weniger Schulerfolg?

Zwei Faktoren erklären einen grossen Teil des Schulerfolgs: Wer zu Beginn der Schulkarriere nicht genug deutsch versteht, holt diesen Rückstand fast nicht mehr auf. Und: Kinder, die ausserhalb der Schule (zuhause, Betreuung, …) kein gutes Lernumfeld haben und wenig zum aktiven Lernen motiviert werden, fassen schlecht Tritt in der Schule.

Beide Faktoren liegen auf den ersten Blick ausserhalb des Einflusses der Schule. Die Lehrpersonen können im vorhandenen System noch so motiviert und professionell arbeiten, diese beiden Nachteile bügeln sie in der Schule trotzdem nicht mehr aus. Ergo seien auch die lokalen Bildungsbehörden weitgehend machtlos, lässt sich schliessen. Dieser Schluss ist aber voreilig. Es gibt sehr wohl Spielraum für mehr Bildungsgerechtigkeit – auch auf Ebene der Gemeindeschule. 

Ein Teil davon lässt sich bestens am so genannten «Fernunterricht» vorführen, denn jetzt sind die Schülerinnen und Schüler den ganzen Tag in ihrem gegebenen Lernumfeld zuhause. Wenn wir davon ausgehen, dass einige Kinder und ihre Eltern nicht gut deutsch lesen und verstehen können: 

  • Organisation: Wie formulieren wir unsere Infos? Können wir uns kurz fassen und uns auf das Wesentliche konzentrieren? Verstehen die Eltern und die Schulkinder uns? Braucht es Übersetzungen?
  • Didaktik: In welcher Form und mit welchen Medien geben die Lehrpersonen die Aufgaben und Aufträge weiter? Wie vergewissern sie sich, dass diese auch verstanden werden? Haken sie nach und versuchen sie Missverständnisse zu klären? Was tun sie, wenn keine Antwort kommt, kein Kontakt geknüpft werden kann? Haben die SuS alles, um die Aufträge durchführen zu können?

Beim «Fernunterricht» akzentuieren sich auch didaktisch-methodische Fragen, die aber ebenfalls nicht neu sind: 

  • Wie lernen die Schülerinnen und Schüler, sich und ihr Lernen selbst zu organisieren? Wie lernen sie, selbst Motivation zum Neues lernen aufzubringen und sich positive Selbstwirksamkeits-Erfahrungen zu verschaffen? Auch ohne reiches Lernumfeld zuhause?
  • Welche Kinder brauchen mehr Zuwendung und spezielle Förderung? Welche arbeiten selbständiger bzw. selbständig sogar besser? Wie motivieren wir die sogenannt «Stärkeren»? Und wie die «Schwächeren»? Geben wir motivierende Rückmeldungen?

Nicht jedes Kind braucht die gleiche und gleich viel «Förderung». Die einen lernen den Schulstoff alleine schneller und besser als in der Gruppe. Andere brauchen den sozialen Kontakt und die Beziehung zum Lernen. Das heisst einmal mehr und immer wieder: Es führt kein Weg an individualisierenden, differenzierenden Lehrformen vorbei. Erst wenn alle Kinder fähig und gewöhnt sind, allein oder in Gruppen selbständig zu lernen, erst dann erhält die Lehrperson den Freiraum, um sich gezielt um diejenigen zu kümmern, die es nötig haben. Hat ein Kind den Auftrag noch nicht ganz verstanden? Braucht ein Kind noch einen Tipp und eine Aufmunterung? 

Wie eine Schule kommuniziert, wie sie mit Differenz umgeht, wie sie mit Vorurteilen und Stereotypen umgeht, wie sie individualisierend-differenzierendes Begleiten fördert und einfordert, im Unterricht und in der Betreuung: Das sind Teile einer Schulkultur, eines Schulprofils oder Schulleitbilds und damit politisch-strategische Fragen der Ausrichtung. Die Schulbehörden sind hier gefragt, mit den Schulleitenden und mit dem Lehr- und Fachpersonal gemeinsam getragene Leitlinien zu entwickeln. 

Die Gemeinden haben weitere Spielräume, um innerhalb des gegebenen Systems ein Maximum an Bildungsgerechtigkeit zu ermöglichen:

  • Sie können integrative und altersgemischte Schulmodelle wählen (Basisstufe, Oberstufenmodelle, etc.), in denen der Umgang mit der Heterogenität automatisch zum Thema werden muss.
  • Sie können die frühe Sprachförderung ausbauen und wie Bern und andere Städte Deutsch-Förderkurse für Kinder im Vorschulalter anbieten.
  • Sie können eine bessere Zusammenarbeit zwischen Unterricht und Betreuung in den multiprofessionellen Teams fördern.

Mit diesen mutigen Schritten können die Gemeinden Möglichkeiten ausloten, Lösungen erproben und den politisch-institutionellen und auch den öffentlichen Diskurs über die Chancen(un)gleichheit in der Schule befeuern. Denn das Beispiel der frühen Sprachförderung zeigt: Der Kanton unterstützt zwar diese Bestrebungen ideell und finanziell (nur zu einem Drittel), aber er macht keine Vorgaben und übernimmt so auch keine Führungsrolle. Dabei wäre es höchste Zeit, dass der Kanton hier mehr fordert und auch mehr bezahlt. Wie die öffentlichen Schulen sollte hier der Finanz- und Lastenausgleich zum Zug kommen. Sonst haben beispielsweise Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund in ärmeren, kleineren Gemeinden noch weniger Chancen, den Schuleintritt auch sprachlich zu meistern. 

Der quasi über Nacht eingeführte «Fernunterricht» hat die unterschiedlichen Bildungschancen der Kinder wieder ins Bewusstsein gerufen. Sogar die grossen Medien haben über die Problematik berichtet. Lassen wir uns als Behörden doch von dieser Dynamik motivieren, diese Forderungen wieder aufzunehmen und mit den Schulleitungen und den Lehr- und Fachpersonen zu diskutieren. Etwa: Wo genau liegen eigentlich in unserer Schule die Hindernisse für den differenzierenden Unterricht? Was braucht es, damit dieser endlich flächendeckend Wirklichkeit wird? Ist den Lehrpersonen klar, dass sie sich jetzt im Fernunterricht und danach mehr auf die «Schwächeren» konzentrieren dürfen – ja sogar müssen? Denn die «Stärkeren» haben nun noch mehr Selbständigkeit gelernt und Selbstwirksamkeit erfahren.

Was uns die Phase des verordneten «Fernunterrichts» weiter lehrt: In der Schule geht es nicht nur um Schulstoff, Wissen und Schulerfolg. Die Schule ist auch ein Ort der sozialen Kontakte, der Sozialisation, der Beziehungspflege. Die Kinder lernen, sich in einer Gruppe zu bewegen, einander solidarisch und respektvoll zu begegnen. In diesem Sinn erlernen sie Grundfähigkeiten für die Demokratie. Auch in all diesen Themen gilt es sensibel zu bleiben auf die unterschiedlichen Hintergründe und Startbedingungen der einzelnen Schulkinder. 
 

Über den Autor

Markus Heinzer ist Dozent an der PHBern, Präsident der Schulkommission Breitenrain-Lorraine und der Volksschulkonferenz der Stadt Bern sowie unabhängiger Berater und Projektleiter für Gemeinden und Kommissionen im Bildungsbereich (www.markusheinzer.ch).

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News Kolumne

Gedanken zur Wiedereröffnung der Schulen

05.05.2020: Manfred Kuonen, Bereichsleiter Kader- und Systementwicklung am Institut für Weiterbildung und Medienbildung der PHBern, erzählt in der Videokolumne von seinen Gedanken betreffend der Wiedereröffnung der Schulen.
(Die PHBern entschuldigt sich für die schlechte Tonqualität. Zum besseren Verständnis wurden Untertitel hinzugefügt.)

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News Kolumne

Fernunterricht als Chance für die inklusive Schule

29.04.2020: Nebst Schülerinnen und Schüler, welche aufgrund ihrer sozialen Herkunft potenziell Benachteiligungen erfahren, sind auch Lernende mit Beeinträchtigungen aufgrund von „Behinderungen“ von Bildungsungleichheiten betroffen. Berechtigterweise werden Stimmen laut, die aufgrund des Fernunterrichts eine massgebliche Verschlechterung der Chancen von ohnehin benachteiligten Schülerinnen und Schülern prophezeien. 

Umso mehr wünschen wir uns von Herzen einen besonders umsichtigen (Fern-)Unterricht, welcher es den betroffenen Schülerinnen und Schülern ermöglicht, ihr Potential beim Kompetenzerwerb auszuschöpfen, sich emotional gesund weiterzuentwickeln und (trotz allem) auch sozial in die Klassen- und Schulgemeinschaft eingebunden zu sein. Hierfür werden während des Fernunterrichts wo möglich bewährte Wege fortgesetzt; es werden in diesen Wochen aber auch neue, gewinnbringende Wege gepfadet. Sie werden auch im Präsenzunterricht fortgesetzt und weiterentwickelt, damit die Reduktion von Chancenungleichheit in näherer und weiterer Zukunft gelingen kann. Der Lockdown ruft in diesem Sinne mit einem Blick nach vorne zu einer Schule für alle, zur schulischen Inklusion auf. Die im Folgenden skizzierten Schritte erachten wir sowohl für den Fern- als auch für den Präsenzunterricht als besonders wichtig:

Intensive Kooperation im multiprofessionellen Team
Lehrpersonen, Schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sowie weitere Fachpersonen des Unterrichtteams arbeiten Hand in Hand: Die Schülerinnen und Schüler profitieren von einer verbindlichen, konstruktiven Zusammenarbeit, von der kontinuierlichen Weiterentwicklung aller Förder- und Unterstützungsangebote sowie von Therapien als integrierter Bestandteil des gesamten unterrichtsbezogenen Lehr- und Lernsettings im Fern- und Präsenzunterricht. Fach- und Stufenteams bereichern und entlasten sich gegenseitig. Dadurch freiwerdende Ressourcen werden für individuelles Lerncoaching insbesondere für Lernende mit besonderem Bildungs- bzw. erhöhtem Unterstützungsbedarf genutzt.

Konstruktive Zusammenarbeit mit Eltern
Die Bedeutung der Kommunikation mit Eltern wird deutlicher denn je. Die Kooperation wird dann fruchtbar, wenn die Mitarbeit der Eltern wertgeschätzt wird, ihre Anliegen ernst genommen sowie Anregungen erwünscht sind und in den Unterricht einfliessen können.

Vertrauensvolle Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern
Im Fern- und Präsenzunterricht sind positive und verlässliche Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern, die Achtung und Beachtung ihrer Persönlichkeit, die Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Erfahrungshorizonte und individuellen Ressourcen gleichermassen bedeutsam für ihre Entwicklung. Sie können massgeblich zur Resilienz und Bewältigung herausfordernder Lebenssituationen beitragen. 

Gezielte Unterrichtsentwicklung Richtung inklusive Schule
Um das Lernen aller Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen, werden Zugangsbarrieren minimiert. Das gelingt, wenn die Heterogenität der Lernenden bei der Gestaltung eines flexiblen Unterrichts stets mitbedacht wird. 

  • Vielfältige Aufgaben, die verschiedene Lösungswege ermöglichen, Kreativität freisetzen, alle Sinne ansprechen sowie Bewegung integrieren, motivieren die Lernenden und ermöglichen ihnen wichtige Lernfortschritte.
  • Innere Differenzierung mit Aufgaben, die sich z.B. bezüglich Schwierigkeit unterscheiden, trägt der Vielfalt der Lernenden Rechnung.
  • Kooperatives Lernen und gemeinschaftsbildende Rituale stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl. 
  • Anschauungs- und Handlungsmaterialien kommt insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Bildungsbedarf jetzt und in Zukunft ein äusserst grosser Stellenwert zu, weil sie sinnlich erfahr-, erkund- und erschliessbar sind.
  • Digitale Kompetenzen, wie z.B. das Arbeiten mit Apps und Lernplattformen, rücken zurzeit ins Zentrum. Sie sind im Sinne des lebenslangen Lernens auch zukünftig für alle relevant. 
  • Selbstorganisiertes Lernen der Schülerinnen und Schüler einschliesslich der Dokumentation und Reflexion eigener Lernprozesse bereitet auf das Lernen in den folgenden Lebensphasen vor. Allen wird es zugutekommen, wenn der Präsenzunterricht bei den im Rahmen des Fernunterrichts gesammelten Erfahrungen und erweiterten Kompetenzen anknüpft. 
  • Umsichtige Lernbegleitung durch das multiprofessionelle Unterrichtsteam ist jederzeit entscheidend, damit die individuellen und gemeinschaftlichen Lernprozesse gelingen.
  • Formative Beurteilung stärkt den Lernprozess, wenn sie zeitnah, konkret, förderorientiert und ermutigend erfolgt. Mitschülerinnen und Mitschüler orientieren in ihrem Verhalten am Vorbild der Lehrperson. Daher dienen wohlwollende Rückmeldungen der Lehrenden auch der sozialen Integration von Lernenden.

In Frühling 2020 blühen ungeahnte Potentiale und belebende Kreativität auf. Diese können wir auf dem Weg zu einer Schule für alle und im Bestreben nach Reduktion von Chancenungleichheit gewinnbringend einsetzen. Stets bringt uns folgende Frage weiter: Welchen Schritt begehen wir auf diesem Weg Richtung Inklusion als nächstes?

Wie die Schritte Richtung Schule für alle konkret aussehen können, beschreiben wir in einer der folgenden Kolumnen.
 

Über die Autorinnen

  • Daniela Heierle ist Dozentin am Institut für Heilpädagogik der PHBern.
  • Carla Jana Svaton ist Dozentin am Institut für Heilpädagogik der PHBern.
  • Caroline Sahli Lozano ist Leiterin des Schwerpunktprogramms Inklusive Bildung am Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation der PHBern und Dozentin am Institut für Heilpädagogik der PHBern.

Gemeinsam mit Studierenden setzen sich die drei Autorinnen während eines Semesters mit Erklärungen zur Entstehung von Bildungsungleichheiten und mit Lösungsansätzen zur Reduktion derselben auseinander.

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Neue Kolumne

Halten Sie Abstand - rücken Sie zusammen!

Ein kleines Virus hat enorm grosse Auswirkungen auf unsere sozialen Interaktionen im Alltag. Unser Miteinander hat sich in den letzten Wochen grundlegend verändert. Weshalb fällt es uns manchmal so schwer, Abstandsregeln zu befolgen und wie können wir den Alltag unter den neuen Bedingungen gestalten?

Vor Corona bewegten wir uns intuitiv und mit schlafwandlerischer Sicherheit problemlos in sehr komplexen sozialen Interaktionen. Wir hatten über die Jahre gelernt, wie wir unsere Arbeitskollegen begrüssen, welche interpersonale Distanz wir zu unseren Vorgesetzten einnehmen und wen wir mit einem Augengruss grüssen. Sie wissen nicht, was ein Augengruss ist? Und dennoch beherrschen Sie ihn perfekt. Wenn Sie an einem Morgen zum drittenmal einer Bürokollegin auf dem Gang begegnen, verzichten Sie auf eine wiederholte mündliche Begrüssung, sondern heben im Vorbeibegehen nur leicht die Augenbrauen und grüssen mit den Augen. Mit Corona wird auf einmal alles anders. Was bisher so einfach, automatisch und intuitiv ablief, wurde nun zu einer interaktionalen Herausforderung. Die Interaktionen wurden komplizierter, steifer und unnatürlicher.

Wie viel Abstand empfinden wir als angenehm?
Die Massnahmen des Bundes haben insbesondere einschneidende Wirkungen auf die Regelung der interpersonalen Distanz. Interpersonale Distanz meint in der Sozialpsychologie der Abstand, den man zu einer Person hat, so dass man sich wohl fühlt. In Geschäftsbeziehungen beträgt dieser etwa 1.5 Meter, unter guten Bekannten vielleicht ein Meter und in romantischen Beziehungen so um die 40 cm. Das Einhalten dieser Abstände ist jedoch nicht immer möglich. So vermeiden wir in einem dicht gedrängten Aufzug den Blickkontakt, weil wir zu viel Nähe als unangenehm finden. Nun finden wir uns in einer gegensätzlichen Situation. Wir sollten zwei Meter Distanz einhalten und auch den Händedruck vermeiden. Die Episode, welche sich 2016 im Kanton Basel Land abgespielt hat, in der zwei muslimische Schüler weigerten, ihrer Lehrerin der Hand  zu geben, zeigt, wie verwurzelt das Symbol Händedrucks als Ausdruck der Verbundenheit und der Freundschaft in unserer Kultur ist. Die Abstandregeln erscheinen uns intuitiv unnatürlich, normverletzend, geradezu unhöflich, denn wir signalisieren damit soziale Distanz. Eine soziale Distanz, die wir eigentlich gar nicht möchten.

Soziale oder räumliche Distanzierung
Worte sind nicht einfach Worte. Sie bestimmen, wie wir auf die Welt blicken und wie wir diese wahrnehmen. Der Sprachwissenschaftler Eric Wallis weist richtigerweise darauf hin, dass sich zu Beginn der Corona Krise in offiziellen Mitteilungen vorschnell der Begriff der sozialen Distanzierung durchgesetzt habe. Dieser Begriff ist problematisch, weil er suggeriert, man solle sich von Anderen sozial entfernen. Dabei geht es aber eigentlich vielmehr um eine räumliche Distanzierung. Wir müssen uns von anderen räumlich fernhalten, um das Risiko einer Ansteckung zu vermeiden. Gleichzeitig ist es aber jetzt besonders wichtig, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und zu pflegen. Es wäre deshalb hilfreich, nicht von einer sozialen, sondern vielmehr einer räumlichen Distanzierung zu sprechen.

Was geschieht normalerweise in der Schule?
Durch die Schulschliessungen wird deutlich, dass die Schule nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch eine wichtige Sozialisationsinstanz ist. E-Learning und Fernunterricht mögen schulische Lernprozesse bis zu einem gewissen Grad ersetzen. Viel einschneidender sind jedoch die fehlenden Kontakte zu Gleichaltrigen. E-Learning und Fernunterricht können die im Unterricht ablaufenden sozialen Entwicklungsprozesse nicht kompensieren. Der Schulalltag ist sozial-interaktional enorm dicht. An einem Morgen wird gestritten, gelacht, Koalitionen geschmiedet und ja, es werden auch Kinder ausgrenzt. Hier ist die Lehrperson gefordert. Sie unterrichtet nicht nur, sondern steuert zahlreiche soziale Prozesse unter den Kindern, ermöglicht soziale Entwicklung und schützt schwächere Schülerinnen und Schüler. Viele Entwicklungsaufgaben können nur mit Gleichaltrigen bewältigt werden. Dazu gehört beispielsweise eine konstruktive Konfliktlösung, also dass man in Konflikten versucht, durch Aushandlung eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten gut leben können und nicht versucht, stur seine Interessen gegen den Willen des Gegenübers durchzusetzen oder im Konflikt einfach aus dem Weg läuft. Aushandlungsbasierte Konfliktlösung erwirbt man ungefähr im Alter von zehn Jahren. Und man erwirbt diese nicht in der Familie. Denn die Eltern und die Geschwister können einem die Freundschaft nicht einfach aufkünden. Bei befreundeten Gleichaltrigen muss man sich dagegen schon mehr Mühe geben.

Was bedeutet dies für Eltern von Schulkindern?
Nun lernen die Kinder zu Hause. Vielleicht machen die Eltern auch Home Office. Dies birgt sowohl Chancen wie auch Risiken. Man könnte optimistisch anmerken, dies stärke die Familie, man lerne wieder Zeit miteinander zu verbringen. Dies mag für einige privilegierte Familien vielleicht sogar zutreffen. Familien, welche zu Hause über ausreichend Platz verfügen, welche in der Lage sind, ihre Kinder schulisch zu unterstützen können und welche Arbeitgeber haben, welche Verständnis für die aktuelle Situation aufbringen. Andere Familien wohnen allerdings sehr beengt, verfügen kaum über Rückzugsmöglichkeiten und sind vielleicht auch nicht in der Lage, ihre Kinder schulisch zu unterstützen. Sie sehen sich vielleicht mit gegensätzlichen, kaum vereinbaren Aufgaben konfrontiert. Einerseits sollten sie die Betreuung ihrer Kinder sicherstellen und andererseits den Interessen der Arbeitgeber gerecht werden. Die Grosseltern fallen als Ressource weg. Manche Eltern stehen vor existentiellen Herausforderungen. Ihnen droht der Arbeitsplatzverlust. Ihnen fehlen Rückzugs-möglichkeiten. Stress und Spannungen beeinträchtigen die Gesundheit und steigern das Risiko häuslicher Gewalt. Durch das Virus werden ohnehin bestehende soziale Unterschiede noch einmal massiv verstärkt. 

Was können wir tun?
Was können Familien tun, die auf engem Raum den ganzen Tag in Home Office Situationen verbringen? 

Beziehungen 
Pflegen Sie innerhalb ihrer Wohngemeinschaft soziale Beziehungen. Es ist wichtig, dass man einander auch Rückzugsmöglichkeiten zugesteht. Es ist hilfreich, wenn Eltern authentisch sind. Sprechen Sie mit dem Kind über Ihre und seine Ängste. Es ist wichtig, dass wir in dieser Zeit eine ernsthafte Gelassenheit entwickelt, in welcher der Humor auch nicht ganz fehlt und unsere Erwartungen anpassen. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass Kinder und Jugendliche im Fernunterricht gleich viel lernen, wie in der Schule. Hier ist es wichtig, dass Eltern gelassen bleiben und ihre Erwartungen an die schulische Entwicklung ihrer Kinder in dieser Zeit anpassen. 

Beziehungen sind wichtig. Ermutigen Sie ihr Kind, über Mails und Videoanrufe auch soziale Kontakte gegen aussen zu pflegen. So nach dem Motto, gemeinsam allein. Bleibt zusammen. Und bleibt freundlich, wenn ihr auf Abstand geht. Oder wie die dänische Ministerpräsidentin am selben Tag sagte: „Jetzt müssen wir zusammenstehen, indem wir Abstand halten.“ 

Struktur
Es ist wichtig, den Kindern und Jugendlichen ausreichende Strukturen zu vermitteln. Es müssen also fixe Zeiten für die Schule, aber auch die Erholung eingeplant werden. Es hilft den Kindern zu vermitteln, dass Sie den Schulunterricht nicht im Pijama absolvieren. Frühstücken, duschen und das bewusste Einplanen von Freizeit und Pausen. Dazu gehört auch ausreichend Bewegung. Nicht nur Kinder brauchen Bewegung. So ist es auch möglich, als Familie jeden Tag bewusst eine halbstündige Sportstunde im Wohnzimmer einzuplanen. Solche Strukturen geben Halt und vermitteln Sicherheit.

Bei Bedarf Hilfe holen
Schliesslich, suchen Sie bei Bedarf Hilfe. Kontaktieren Sie bei Fragen die Lehrperson oder eine Fachstelle.

Über die Autoren

Prof. Dr. Alexander Wettstein ist Leiter des Schwerpunktprogramms Soziale Interaktion in pädagogischen Settings am Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation der PHBern.
Michael Gerber ist Fachspezialist Unternehmenskommunikation der PHBern.

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Gabriel Schneuwly

Erste Erfahrungen mit digitaler Lehre

21.04.2020: Dr. Gabriel Schneuwly ist Fachbereichsverantwortlicher Weiterbildungslehrgänge am Institut für Weiterbildung und Medienbildung der PHBern. Am 13. März 2020 gab er einen Kurs für Schulleitende und plötzlich war die Aufmerksamkeit weg. Sein Erfahrungsbericht als Videobeitrag.

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Nadine Ritzer

Geschichten und Geschichte in Zeiten von Corona

17.04.2020: Osterpause. Nach drei Wochen Digitalisierungs-Selbstlern-Marathon heisst es innehalten und zurückschauen. Was hat sich bewährt, was gilt es zu optimieren? Im Outlook habe ich den Abwesenheitsmelder aufgeschaltet. Wobei der Ausdruck "Abwesenheit" zurzeit irreführender kaum sein könnte.

Was sollen meine Studierenden, die sich in den letzten drei Wochen daran gewöhnt haben, innert Minuten Antworten auf ihre Mails zu erhalten, zu lesen bekommen, wenn sie mir schreiben? Ich nehme mir eine Zoom-Auszeit? Mache eine Skype-Detox-Kur? Oder einen Ilias-Entzug? Ich entscheide mich für: "Ich bin zur Zeit weit weg vom Bildschirm und antworte nach der Osterpause."

Die vergangenen Wochen haben meine Arbeit komplett verändert. Die ersten virtuellen Kaffeepausen mit Kolleginnen und Kollegen via Teams und Skype waren anregend. Wir testeten sämtliche Features, sandten uns Gifs und Emoticons und tauschten uns darüber aus, mit welchen Tools wir welche Seminare am besten umgestalten. Und dann probierten wir aus. Wildwuchs, sagten die einen, kreative Erweiterung der eigenen Digitalität, die andern. Seit drei Wochen lehre und coache ich also äusserst agil auf Distanz, wobei die Herausforderung nicht nur darin besteht, die richtigen Inhalte für die richtige Studentin vorzubereiten, sondern auch darin, mir darüber im Klaren zu sein, ob wir telefonieren, whatsappen oder skypen, also ohne oder mit Sichtkontakt korrespondieren. Ist letzteres der Fall, scheint es mir angebracht, mich nicht auf den sonnigen Balkon, sondern vor die professorale Bücherwand ins Büro zu setzen. Je nach Besprechungsdichte kann dies an einem Tag zu etlichen Standortwechseln führen, womit dann auch schon das halbe Home-Fitness-Soll erfüllt wäre. Ich bespreche Master- und Projektarbeiten, erstelle Padlets, Pinnwände und Foren, organisiere Peerfeedbacks und Gruppenarbeiten. Und ich lese und korrigiere und kontrolliere und mahne und fordere ein und kontrolliere erneut und staune und bin meist zufrieden, ab und zu genervt und oft begeistert vom Einsatz der Studierenden, etwa dann, wenn sämtliche "Teilnehmende" an einem coronabedingt abgesagten ausserschulischen Lernanlass diesen fachwissenschaftlich fundiert und didaktisch versiert planen – für die unbestimmte Zeit danach, in der alles wieder normal sein wird. Hoffentlich.

Doch trotz exponentiellem Wachstum meiner digitalen Kompetenz wächst auch die Einsicht, dass keine noch so gut orchestrierte Lerngelegenheit auf der Basis eines auf Ilias abgelegten Fachartikels, kein noch so attraktiver Link und keine noch so gut aufgegleiste virtuelle Thesendiskussion das ersetzen kann, was meinen Beruf ausmacht: Das Zwischenmenschliche, das Persönliche. Den Empfehlungen für "digital teaching" folgend, versuchte ich, eine meiner PowerPoint-Präsentation zu "vertonen", damit die Studierenden damit asynchron und flexibel lernen können.

Transformationsprozesse in Osteuropa nach dem Kalten Krieg: "Bildschirmpräsentation aufzeichnen". Folie 1: Ich redete mich mit sonorer Stimme durch die fünf Stichworte. Folie 2: Erklärung zur Messbarkeit von Transformation; ich verhaspelte mich nach dem dritten Satz, begann von vorne und kam schadlos bis Folie 3: Zwei private Fotos. An dieser Stelle hatte ich einen Erfahrungsbericht geplant, erlebte Transformation. Begegnungen mit korrupten Polizisten in Transsilvanien, geschmierten Grenzwächtern am ukrainischen Zoll und mit einer alten Jüdin in der zerfallenen Synagoge in Czernowitz. "Präsentation beenden". Ich scheiterte. Geschichten wie diese kann man nicht auf PowerPoint-Folien bannen. Geschichten wie diese brauchen ein Gegenüber, das lauscht, das Fragen stellt, sie anreichert mit eigenen Geschichten und sie integriert in das grosse Ganze historischer Entwicklungen. Von dieser Auseinandersetzung, vom lebendigen Austausch, vom diskursiven Streit über Meinungen, Perspektiven und Erkenntnisse lebt nicht nur jene Geschichte, die ich an der PHBern zu vermitteln versuche, davon lebt der Lehrberuf.

Ich habe mich schliesslich für ein Zoom-Meeting entschieden. Immerhin sah ich am Bildschirm, dass Herr A. die Stirn runzelte, Herr M., noch im Trainer, gähnte und Frau L. den Kopf schüttelte. Und ja, sogar eine kurze Diskussion kam zustande. Aber dies alles ersetzt nicht die direkte Begegnung mit Studierenden, die sich "anstecken" lassen von Themen, Inhalten, Geschichte(n) und vom Unterrichten selbst – von Mensch zu Mensch.

Über die Autorin

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Nadine Ritzer

Nadine Ritzer ist Dozentin für Fachwissenschaft und Fachdidaktik Geschichte am Institut Sekundarstufe I der PHBern.

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Michel Daengeli

Sammeln und Ordnen in Zeiten der Corona-Krise

15.04.2020: Grundsätzlich besteht die Aufgabe des Natur-Mensch-Gesellschaft-Unterrichts (NMG) darin, der Weltwahrnehmung und Weltdeutung von Schülerinnen und Schülern Richtung und Methode zu verleihen. Das bedeutet nicht, den Kindern zu sagen, wie die Welt wirklich beschaffen sei (wer weiss das schon?), sondern es meint, Kindern Möglichkeiten an die Hand zu geben, mit denen sie sich die Welt selber erschliessen können. Dies kann etwa erfolgen, indem das gezielte Sammeln und Ordnen von Informationen geübt wird.

Dabei sind Sammeln und Ordnen ja nicht an sich gezielte Vorgehensweisen, sondern oftmals alltägliche Beschäftigungen, die häufig ganz beiläufig geschehen. Bereits Primarschülerinnen und -schüler kuratieren persönliche Sammlungen – etwa solche von glitzernden Steinen, von Muscheln aus den Ferien oder Fussballerbildchen.

Letztgenanntes Beispiel zeigt deutlich auf, dass sich kommerzielle Anbieter die Faszination des Sammelns längst zu eigen gemacht haben. Ja, es vergeht kein Jahr, ohne dass grosse Detailhändler nicht irgendein neues Sammelfieber entfachen.

Sammeln und Ordnen zählen jedoch auch zu den grundlegenden Tätigkeiten in der Wissenschaft. So sammelt gegenwärtig die Virologie und die Epidemiologie möglichst viele Informationen zum Coronavirus. Diese Daten werden geordnet, um Aufschluss darüber zu erhalten, wie sich das Virus verbreitet. Politische Entscheidungsträger ordnen diese Informationen erneut, berücksichtigen hoffentlich Interessen von unterschiedlichsten Bürgerinnen und Bürger und entscheiden dann, was zu tun ist.

Durch Ordnen und Neuordnen verändert sich unsere Weltwahrnehmung und unsere Deutungen, da jede Ordnung gewisse Aspekte beleuchtet und andere verdeckt. Jede Ordnung führt zu neuen Fragen, da in jeder Ordnung auch Widersprüche und Ungereimtheiten stecken. Hieraus resultiert die Relevanz, Sammeln und Ordnen bereits auf Primarstufe als Hinführung zu wissenschaftlichem Denken zu fördern.

Doch wie lassen sich in der gegenwärtigen Situation – in der "besonderen Lage" – nun Lernanlässe zum Sammeln und Ordnen gestalten? Wie kann grundsätzlich gesammelt und geordnet werden, wenn wir doch alle möglichst zuhause bleiben sollen?

Freilich, wir könnten Kinder auffordern, all die Spielsachen einzusammeln, die sicher überall im elterlichen "Home Office" herumliegen und manche Eltern wären wohl froh um diese Ordnungsinitiative.

Aus NMG-Sicht sei jedoch ein anderer Vorschlag erlaubt: Wieso nicht einmal mit einem sogenannten Wimmelbuch arbeiten? Denn während sich überall der öffentliche Raum entvölkert, finden sich hier zwischen zwei Buchdeckeln Landschaften, die vor lauter Menschen nur so wimmeln.

Erteilen Sie den Schülerinnen und Schülern Such-, Sammel- und Ordnungsaufträge in einem Wimmelbild. Warum nicht einfach die Corona-Regeln des BAG ("so schützen wir uns") zur Hand nehmen und prüfen, welche Wimmelbuchfiguren dagegen verstossen? Welche öffentlichen Tätigkeiten finden sich auf den bunten Seiten, die in der Realität unlängst zum Erliegen gekommen sind?

In einer solch gezielten Auseinandersetzung mit einem Wimmelbild erschliessen sich Kinder die vielfältigen Auswirkungen der Corona-Krise und sie erkennen dabei Aspekte, die jenseits ihrer Lebenswelt liegen. So sammeln Kinder Informationen, gewinnen Orientierungswissen und damit Sicherheit.

Wenn mit Kindern auf Basis dieser Erkenntnisse nun darüber diskutiert wird, wie pandemiebedingte Probleme gelöst werden könnten, dann beteiligen sich Kinder am aktuellen politischen Diskurs und haben Anteil an der Gesellschaft und ihrer Entscheidungsfindung.

Dies ist dringend angezeigt, da es ja ungefähr eine Generation lang dauern werde, so Finanzminister Maurer, um die krisenbedingte Staatsverschuldung wieder abzutragen.

Tja, wenn das Kinder nichts angeht, was dann?

Anmerkungen:

  • Ideen zur Arbeit mit Wimmelbüchern finden sich auf der Plattform Fernunterricht der PHBern: www.phbern.ch/fernunterricht 
  • Tipp: Ein spannendes Wimmelbuch ist etwa das "Bern-Wimmelbuch" (bestellbar unter www.vatterundvatter.ch oder ausleihbar in der Mediothek der PHBern), die Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner oder diejenigen von Ali Mitgutsch.

Über den Autor

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Michel Daengeli

Michel Dängeli ist Wissenschaftlicher Assistent am Institut Vorschulstufe und Primarstufe der PHBern

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Simone Ganguilett

Gedanken zu Distance Learning und Mehrsprachigkeit

09.04.2020: Es ist 10:00 Uhr am Donnerstagvormittag in Woche 1 der neuen Zeitrechnung (Beginn Lockdown). Ich versuche, die passenden Zeitfenster zwischen Kindergeschrei (im Hintergrund) und Telefonkonferenzen (im Vordergrund) zu finden, um meine Module zu podcasten.

Es wird irgendwie gelingen (müssen), dass die Studierenden die im Studienplan formulierten Kompetenzen erreichen. Mithilfe passender Filme, Arbeitsaufträge und Denkanstösse sehe ich für inhaltsbezogene Kompetenzen wenig Probleme. Schwieriger wird es beispielsweise, wenn es darum geht, die sprachlichen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Wie mache ich das, wenn eigentlich das Französischseminar auch dazu dient, gemeinsam in der Zielsprache (also auf Französisch) zu sprechen und so die Sprachkompetenzen weiterzuentwickeln? Eine Telefonkonferenz mit 35 Studierenden stelle ich mir anstrengend bis unmöglich vor.

Die Lehrpersonen, mit denen ich mich ausgetauscht habe und die Fremdsprachen in Zyklus 2, Zyklus 3 oder an weiterführenden Schulen unterrichten, bieten ihren Schülerinnen und Schülern kleine „Sprech“-zeitfenster via Skype an. Oder sie lassen sich whatsapp- Sprachnachrichten schicken, anhand derer sie bspw. die Aussprache ihrer Lernenden formativ beurteilen.

Sie klagen aber darüber, dass sie insbesondere diejenigen Kinder nur schwer erreichen, deren Eltern nicht wirklich helfen können – sei es, weil die deutsche Sprache ein Hindernis darstellt, sei es, weil die Eltern Arbeit und Kinderbetreuung fast nicht unter einen Hut bekommen.

Natürlich gibt es hierfür keine Rezepte. Diese Situation ist für uns alle neu. Aber es könnte eine schöne und wertschätzende Idee sein, dass die Eltern und Kinder, deren Erstsprache weder Deutsch noch eine schulisch gelernte Fremdsprache ist, ihre Herkunftssprache der Klasse und der Lehrperson ihres Kindes etwas näher bringen. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Kleine Sprach- oder Textnachrichten sind denkbar, in denen zum Beispiel Rezepte aus den Herkunftsländern für die Coronazeit vorgeschlagen werden. Oder Videos, in denen ein Bilderbuch in einer anderen Sprache erzählt wird. Oder die Kinder erhalten den Auftrag, ihren Mitschülerinnen und Mitschülern 10 Wörter oder die Zahlen von 1-10 in ihrer Herkunftssprache beizubringen – und erstellen vielleicht einen kleinen Lernfilm dazu.

Das beiliegende Video gibt einen kleinen Einblick in Mini-Sprachkurse im Zyklus 1 (wobei diese hier zwar analog durchgeführt, mit den oben beschriebenen Massnahmen aber vielleicht ins Digitale übertragen werden können) und in den Anfang eines Bilderbuches, das zwei meiner Studierenden in ihren Herkunftssprachen erzählen.

Vielen Dank an Simon Gysin (Portugiesisch) und Lukas Kozelka (Tschechisch) für den Einblick in ihre Herkunftssprachen! 

Quelle Video:
- Braun, Gisela & Wolters, Dorothee (2006). Melanie und Tante Knuddel. Köln: Mebes & Noack.
- Bildungsdirektion des Kantons Zürich (2010). Sprachenportfolio konkret. Ein Film zum Europäischen

Über die Autorin

Simone Ganguillet ist Dozentin Mehrsprachigkeit und Französisch am Institut Vorschulstufe und Primarstufe der PHBern und ehemalige Primarlehrerin.

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Irène Zingg

Von Apps und Apéros

06.04.2020: Trotz des eingestellten Präsenzunterrichts soll der Lernprozess aufrecht erhalten bleiben und zwar für alle ein-, zwei- und mehrsprachigen Kinder und Jugendlichen. Neben Erkundungen inmitten des Digitalisierungsschubs bietet diese aussergewöhnliche Situation etliche Reflexionschancen – zum Beispiel über Bildung in der Migrationsgesellschaft nachzudenken.

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich seit den Schulschliessungen am 16. März 2020 nicht von Deutsch-als-Zweitsprache-Lehrpersonen (DaZ) via Online-Unterrichtsberatung um Materialien und Tipps gebeten werde. DaZ-Lehrpersonen bieten Schülerinnen und Schülern, deren Erstsprache z.B. Albanisch, Kroatisch oder Tamilisch ist, Unterstützung für das Erstellen von Scaffoldings von Texten (eine Art Hilfsgerüst oder Vorentlastung) und Wortschatzhilfen an, sie stellen zusätzliche Unterstützungsmaterialien bereit oder überprüfen Arbeitsaufträge auf ihre Verständlichkeit. Lehrpersonen fragen nach Apps, die sie für sprachlernende Schülerinnen und Schüler einsetzen können, oder man erkundigt sich nach Lektüremöglichkeiten für weniger sprachaffine Kinder. Am nächsten Tag gelangen Fachpersonen aus anderen Kantonen mit der Bitte einer Liste empfehlenswerter Apps für den Fernunterricht an meine Adresse. Ob ich die kostenlose DaZini-App empfehlen soll? Die Acho-App für die ersten Schritte in der neuen Sprache ist doch längst bekannt, ebenso die Anton-App. Freudig verweise ich auf die Tatsache, dass die Dienstleistungen der Mediathek der PHBern weiterhin zur Verfügung stehen: versend- und abholbare Materialien, IdeenSets mit einer geeigneten Auswahl für den Fernunterricht – teilweise mit Online-Materialien – oder die erlesene Filmauswahl.

Die hereinprasselnden Anfragen füllen die Lücke von abgesagten Veranstaltungen und motivieren mich, neue Apps zu entdecken oder etwas in Vergessenheit geratene digitale Lerntools in neuem Licht zu sehen. Als Lehrende verstehe auch ich mich immer wieder als Lernende. Hier ist meine kleine, aber feine Auswahl:

Für Deutsch-als-Zweitsprache-Lernende

  • Mit der Multidingsda- App kann der Grundwortschatz geübt werden, unter Einbezug von 14 Erstsprachen. Multidingsda ist während der Zeit des behördlich verordneten Fernunterrichts gratis verfügbar und kann von Lehrpersonen oder Eltern bestellt werden: www.lmvz.ch/schule/multidingsda
  • Interbiblio bleibt wie die meisten Bibliotheken geschlossen, bietet aber viele Apps und Online-Materialien an, insbesondere zum Sprachenlernen: www.interbiblio.ch/de/angebote/deutsch-lernen
  • Die Amira-Webseite stellt u.a. 32 einfache Lesegeschichten in deutscher sowie acht weiteren Sprachen zum Hören und Mitlesen zur Verfügung. Die Geschichten können auch als reine Bilderbücher angeschaut werden: www.amira-pisakids.de

Für den herkunftssprachlichen Unterricht (HSK)

  • Die verschiedenen Bände der Reihe zur Erstsprache bieten Hintergrundinformationen sowie konkrete Vorschläge für die schulische Praxis an (Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Mazedonisch, Portugiesisch, Türkisch): myheritagelanguage.com

Für mehrsprachige Eltern

  • Tipps zum Fernunterricht zu Hause und zum Familienalltag während der Coronapandemie gibt es zurzeit nach dem Bring-Prinzip in 13 Sprachen. Die Parentu-App für informierte Eltern schickt Informationen und Anregungen zur Erziehung und zur kindlichen Entwicklung via Pusch-Nachrichten direkt auf das Smartphone der Eltern: www.parentu.ch
  • Die Videoclips Lerngelegenheiten und Frühe Sprachbildung sind in viele Sprachen übersetzt und geben Eltern Hinweise, wie sie ihre Kinder sprachlich unterstützen können. Den Eltern kann ein Link mit der Einstellung in ihrer Erstsprache direkt zugeschickt werden: www.kinder-4.ch

Informationen zum Coronavirus – in vielen Sprachen

Mit der Fernunterrichtsoffensive schalten einige Softwarehersteller und Verlage kurzzeitig kostenlos ihre Lizenzen frei. Es gibt neben hilfreichen Empfehlungen digitaler Lerntools auch Tipps zu Offline-Aktivitäten, denn es gilt, eine gute Balance zwischen Bildschirmzeit und analogem Lernen zu beachten. Doch jede noch so ausgeklügelte App kann weder den Präsenzunterricht als elementaren Bestandteil noch die sozialen Kontakte ersetzen. Selbst wenn regelmässig ein 1:1-Kontakt zwischen Lehrperson und Schülerin oder Schüler via Telefon, Chat oder Videobotschaft erfolgt.

Gerade mehrsprachige und sprachlernende Kinder und Jugendliche brauchen reelle Kontakte und echte Sprachvorbilder. Wir sind nicht nur als Lehrpersonen und Dozierende, sondern auch in der Rolle als Mutter/Vater und Nachbarin/Nachbar gefragt, um Momente des Weiterlernens anzubieten. Warum nicht die Solidarität beim nächsten Gang zum Quartier-Fussballplatz leben und ein mehrsprachiges Kind mitnehmen, oder ein Schulgspänli zum Frühlingsbummel in den Wald einladen, selbstverständlich unter Wahrung der nötigen Abstände. Oder den Stubentisch und die Aufgabenunterstützung bewusst mit zwei- oder mehrsprachigen Kindern teilen und so den Kindern eine Abwechslung bieten zum Lernen nur im eigenen Familienkreis. Denn vielleicht betreut der Vater des Kindes, dass sie mit zum Sportplatz nehmen, gerade als Narkosearzt im Spital eine Schwangere bei der Geburt, die Mutter des Kindes, mit dem sie den Wald erkunden, sichert den Verkauf der Nahrungsmittel oder die Eltern des zur Aufgabenunterstützung eingeladenen Kindes leisten als interkulturelle Übersetzungspersonen wichtige Aufgaben bei der EDA. Beim nächsten Apéro werden Sie es erfahren. Eines aber können Sie bei Ihren Hilfestellungen mit Kindern, die eine sogenannte Migrationssprache sprechen, sofort feststellen: Mehrsprachigkeit gleichwelcher Art stellt eine Ressource dar!

Die Zeit der Pandemie bietet während des Stillstandes die Möglichkeit, darüber nachzudenken: Welchen Beitrag leistet die Schule in der migrationsgesellschaftlichen, mehrsprachigen Realität? Wie fit ist unser Bildungssystem? Distance Learning rückt näher und auch die Gesellschaft muss aus Solidarität zusammenrücken.

Ich bin überzeugt, dass Gesten eines gelebten Miteinanders nachhaltiger und wirkungsvoller sind als die besten Apps. Wir sind alle Teil der Migrationsgesellschaft, sie ist die Wirklichkeit, in der wir leben.

Ein merci beaucoup den (DaZ-) Lehrpersonen, die kreative Lösungen für Herausforderungen finden, faleminderit dem technischen Support und obrigada meinem inspirierenden und geduldigen Umfeld.

Über die Autorin

Irène Zingg

Irène Zingg ist Leiterin des Entwicklungsprojekts Noch mehr Sprache(n) für alle am Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation der PHBern und Dozentin am Institut für Weiterbildung und Medienbildung der PHBern

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Caroline Villiger in der Bibliothek vonRoll

Kooperation zwischen Schule und Eltern auf dem Prüfstand

02.04.2020: Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern erleben aktuell einen Zustand besonderer Art. Fernunterricht auf allen Stufen? Das schien vor wenigen Wochen noch undenkbar. Mit viel Kreativität und Engagement haben die Lehrpersonen in den vergangenen Tagen aber bewiesen, dass Fernunterricht möglich ist, und dies innerhalb kürzester Zeit.

In Zeiten des Coronavirus müssen Lehrpersonen den Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern neu herstellen. Während dies bei Klassen des Zyklus 3 aufgrund bereits etablierter, elektronischer Kommunikationsformen in den meisten Fällen gut klappt, ist die Ausgangslage bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern anders: Wenn es um die Kommunikation und das Erteilen von Arbeitsaufträgen geht, sind die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten die zentralen Schaltstellen. Die Lehrpersonen sind deshalb mehr denn je auf die Kooperation mit ihnen angewiesen. Bei einem Grossteil der Eltern funktioniert dies ganz gut. So sehr es für eine Lehrperson beruhigend sein kann zu wissen, dass sie bei gewissen Eltern auf aktives Begleiten des Fernunterrichts zählen kann, so problematisch ist gleichzeitig das Delegieren der Verantwortung an die Eltern (siehe Thema Chancengerechtigkeit). Wie kann eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Familie hergestellt werden, die die Eltern weder übermässig aktiviert, noch überfordert, noch aussen vor lässt?

Zentrale Punkte für die Lehrperson:

  • Machen Sie – sich selbst und den Eltern gegenüber – deutlich, welche Erwartungen Sie an die Eltern haben in Bezug auf die Organisation des Fernunterrichts.
  • Pflegen Sie den Kontakt zu den Eltern. Erkundigen Sie sich im direkten Gespräch oder vielleicht via einen kurzen Online-Fragebogen, wie die Eltern die Situation des Fernunterrichts erleben. Nutzen Sie Apps, die einen Austausch zwischen Lehrperson, Schüler/in und Eltern zum Teilen von Fotos, Kommentaren, Erfahrungen etc. ermöglichen.
  • Entlasten Sie die Eltern. Achten Sie darauf, dass die Verantwortung für das Lernen der Kinder nicht allein auf den Eltern lastet. Setzen Sie sie nicht als Hilfs-Lehrpersonen ein. Erteilen Sie Aufträge so, dass das Kind sie möglichst selbständig ausführen kann. Behalten Sie, sofern das Alter es zulässt, den direkten Kontakt zum Kind aufrecht und erklären Sie ihm, warum Lernen gerade jetzt wichtig ist.

Die allergrösste Herausforderung stellen jene Eltern dar, die schwer erreichbar sind. Was tun?

  • Suchen Sie aktiv den Kontakt zu den Eltern. Erkundigen Sie sich im direkten Gespräch, mit welchen Herausforderungen sie bezüglich Fernunterricht konfrontiert sind. Bieten Sie konkrete Hilfestellungen an.
  • Für gewisse Eltern ist nicht klar, dass Sie als Lehrperson auf eine Kooperation angewiesen sind. Machen Sie deutlich, wie wichtig und erwünscht die elterliche Unterstützung ist.
  • Stärken Sie die Kontakte zwischen den Eltern bzw. Familien. Bei Eltern, die Sie als Lehrperson nur schwierig erreichen können, sind manchmal bestehende Kontakte zwischen Eltern hilfreich. Nutzen Sie dafür Eltern als Vermittler, bei denen Sie sicher sind, dass die Kommunikation einwandfrei klappt.

Tipps für Eltern, denen der Fernunterricht Sorge bereitet:

  • Motivieren Sie Ihr Kind, die Arbeiten möglichst selbständig zu erledigen. Helfen Sie nur, wenn es nicht anders geht.
  • Wenn Sie Ihr Kind für die Schularbeit motivieren möchten, dann seien Sie Vorbild und sprechen Sie ihm gegenüber in positiver Weise über das Lernen und die Schule.
  • Ermutigen Sie Ihr Kind, schenken Sie ihm Aufmerksamkeit, wenn es keine Lust auf die Schularbeiten hat (gilt auch für ältere Schülerinnen und Schüler!).
  • Strukturieren Sie den Tagesablauf! Legen Sie fest, wann Aufstehenszeit ist, wann Lernzeit und wann Zeit für Hobbys und Freizeit. Eine klare Tagesplanung gibt Struktur und Sicherheit.
  • Nutzen Sie die Zeit mit Ihrem Kind für Gespräche, Spaziergänge, Spiele (auch elektronische), gemeinsames Lesen! Binden Sie Ihr Kind beim Verrichten alltäglicher Arbeiten ein, muten Sie ihm neue Dinge zu!

In vielerlei Hinsicht ist die aktuelle Situation zwar herausfordernd, aber gleichzeitig birgt sie auch Chancen. Eine davon ist die Zusammenarbeit zwischen Schule und Familie, die in dieser Zeit an Bedeutung gewinnt. Mehr denn je ist die gemeinsam verantwortete Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen unumgehbar. Diese Kooperation muss gerade jetzt neu etabliert und ausgelotet werden. Klar ist: Die zielführendste Form der Zusammenarbeit muss im einzelnen Fall gefunden und gepflegt werden. Bringen Sie, liebe Lehrerin, lieber Lehrer, Ihre Kreativität auch in diesem Bereich zum Ausdruck! Ich wünsche Ihnen dabei gutes Gelingen und neue Erfahrungen, die Sie in Ihrer Tätigkeit weiterbringen.

Über die Autorin

Caroline Villiger

Prof. Dr. Caroline Villiger Hugo ist Leiterin des Schwerpunktprogramms Familie – Bildung – Schule am Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation und Dozentin am Institut Sekundarstufe I der PHBern.

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Daniel Steiner und Andrea Schweizer

Alle Kinder sollen ihr Potenzial ausschöpfen können

27.03.2020: Die Schule funktioniert auch im Fernunterricht, aber die Chancengleichheit bleibt auf der Strecke.

Innert kürzester Zeit haben die Schulen in einer beeindruckenden Art und Weise den Fernunterricht organisiert und etabliert. Mit viel Kreativität, Engagement und pädagogischem Know-how machen die Lehrpersonen das Beste aus der Situation. Sie halten per Post, E-Mail, Telefon oder Videokonferenz Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern. Sie stellen reichhaltige Aufgaben bereit und helfen, dass das schulische Lernen nicht stillsteht und in den Familien eine Tagesstruktur erhalten bleibt. Gleichzeitig findet innerhalb von wenigen Wochen ein Schub beim digitalen Lernen statt, der sonst Jahre gedauert hätte. Dies gilt auch für die Pädagogische Hochschule PHBern, wo die Studierenden ihr Studium im Distance-Learning-Modus fortführen, mit dem Ziel, im kommenden Juni das Semester regulär abschliessen zu können.

Schule und Studium finden – unter sehr erschwerten Bedingungen – trotzdem statt. Dies die gute Nachricht. Was uns Sorgen macht: Die Chancengleichheit bleibt in Zeiten des Fernunterrichts teilweise auf der Strecke. Eine der Chancengleichheit verpflichtete Schule verfolgt das Ziel, dass die Herkunft, der Bildungsstand der Eltern, das Geschlecht, die soziale Stellung der Familie oder das Quartier, in dem ein Kind aufwächst, keine Rolle spielen sollen für den schulischen Erfolg und die Berufswahl. Ein Anspruch, den die Schule auch in normalen Zeiten bis heute nicht immer einzulösen vermag. Besonders betroffen sind aktuell Kinder, die zu Hause nicht unterstützt werden können. Chancengleichheit würde aber bedeuten, dass alle Kinder und Jugendlichen ihr Potenzial ausschöpfen können. Wie dies im Fernunterricht zu gewährleisten wäre, ist eine noch nicht beantwortete Frage.

Kindergarten und Schule bedeuten für viele Schülerinnen und Schüler zuerst einmal Stabilität, Sicherheit und Verlässlichkeit, was insbesondere für Kinder und Jugendliche aus prekären Verhältnissen wichtig ist. Gerade für sie ist es aber auch ein Ort, wo sie vieles finden, was für ihren Bildungsweg wichtig ist, so auch den Zugang zu digitalen Medien und einen sinnvollen, kritischen Umgang damit. Schule als ein solcher Ort fällt nun in Zeiten des Fernunterrichts weg. Dabei passiert das Wichtigste zuerst: Wenn ein Kind mit vier oder fünf Jahren in den Kindergarten kommt, erschliesst es sich eine neue Welt. Hier lernt es Gleichaltrige kennen, hier trifft es auf andere Werte, hier lernt es sich zurechtfinden. Und es lernt etwas vom Wichtigsten: dass es selbstwirksam ist, dass es Strategien entwickeln kann, um Probleme zu lösen, mit denen es bisher nicht konfrontiert war.

Was für Kinder zwischen vier und acht Jahren gilt, findet später seine Fortsetzung. Auch auf der Mittelstufe und auf der Sekundarstufe I ist die Schule enorm wichtig für die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Wer Menschen, die unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen sind, fragt, was sie stark gemacht hat, bekommt häufig zur Antwort: «Es war eine Lehrperson, die mich gefördert, die an mich geglaubt hat und die mir Mut gemacht hat.» Natürlich ist auch der Austausch unter den Kindern und Jugendlichen ganz wichtig. In Gruppenarbeiten oder auf dem Pausenplatz findet soziales Lernen statt. All dies ist jetzt eine Zeit lang nicht möglich. Das müssen wir akzeptieren, und gleichzeitig erkennen wir, wie wichtig in normalen Zeiten all diese Lernmöglichkeiten, die persönliche Beziehung und der Austausch sind.

Auch an der PHBern bleibt beim Distance Learning viel auf der Strecke. Zwar werden wir rasch fit für den Einsatz von digitalen Lernmethoden. Aber noch rascher wird uns bewusst, wie wichtig der persönliche Umgang, der kleine Scherz auf dem Gang, die Beziehung zwischen Studierenden und Dozierenden sind. Uns wird klar, dass es einen guten Grund gibt, warum wir einen pädagogischen Beruf gewählt haben. Gerade weil er – abgesehen von der gegenwärtigen Durststrecke – nur vor Ort und in engem Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden erfolgreich praktiziert werden kann.

Die PHBern möchte in der aktuellen Situation Mut machen, gute Beispiele aufzeigen und den Dialog fördern. Und auch den Anspruch auf Chancengleichheit im digitalen Lernen weiterverfolgen. Informationen zum Fernunterricht und Beiträge von Fachpersonen finden Sie auf phbern.ch/fernunterricht.

Kolumne im Bund vom 27.03.2020