Relevanz und Übersicht
TEACCH steht für «Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children” (Behandlung und pädagogische Förderung von autistischen und in ähnlicher Weise kommunikationsbeeinträchtigten Kindern). TEACCH ist ein ganzheitlicher, heilpädagogischer Ansatz, der für die Bedürfnisse und den Lernstil von Menschen mit einer autistischen Wahrnehmung entwickelt wurde. Die Verwendung des englischen Wortes „teach” (unterrichten) im Namen ist bewusst gewählt, weil die Massnahmen des TEACCH Ansatzes im pädagogischen Bereich anzusiedeln sind. Ein Kernelement des TEACCH Ansatzes ist das „Structured Teaching”, das eine Form der Förderung beschreibt, die sich durch Individualisierung, Strukturierung und den Einsatz von Visualisierungshilfen auszeichnet.
Aufgrund der aktuellen Notwendigkeit, pädagogische Konzepte Richtung Inklusion weiterzuentwickeln, sind die Regelschulen gefordert, den Unterricht vermehrt individualisierter und eigenaktiver zu gestalten, um allen Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden. Hierzu stellt der TEACCH Ansatz eine strukturierte und evidenzbasierte Möglichkeit dar, Lernenden aus dem Autismus-Spektrum mit individuell angemessenen Unterrichtsangeboten, eine grösstmögliche Teilhabe im Schulalltag zu ermöglichen. Nicht nur Schüler und Schülerinnen mit autistischer Wahrnehmung können vom TEACCH Ansatz profitieren, auch insbesondere Kinder und Jugendliche mit ADHS profitieren von Strukturierungs- und Visualisierungshilfen.
TEACCH im Detail
Der Ansatz findet seinen Ursprung in den 60er Jahren in einem Forschungsprojekt von Eric Schopler an der University of North Carolina in Chapel Hill, USA. In seiner Doktorarbeit gelang es Schopler, eine andersartige Verarbeitung von Sinneseindrücken als organische Ursache für Autismus nachzuweisen. Daraus wurde ein Forschungsprojekt entwickelt, mit dem Ziel, ein Förderkonzept für Kinder mit Autismus zu erstellen. In Bezug auf die Gestaltung der Lernsituation wies die Forschungsgruppe erfolgreich nach, dass autistische Kinder von einer klaren Strukturierung profitierten. Diese Erkenntnis schuf die Grundlage für die Entwicklung des «Structured TEACCHing». Dieses Structured teaching stellt heute im TEACCH Ansatz eines von neun Prinzipien dar und beschreibt die Form der Förderung. Es ist durch zwei zentrale Elemente gekennzeichnet: der Strukturierung und dem Einsatz von visuellen Unterstützungshilfen. Es soll an dieser Stelle betont werden, dass der ganzheitliche TEACCH Ansatz weitere institutionelle und konzeptionelle Aspekte über die Unterrichtssituation hinaus beschreibt. Mehr Informationen dazu findet man zum Beispiel in «Der TEACCH Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus – Einführung in Theorie und Praxis» von Anne Häussler (2022).
Die pädagogische Arbeit nach dem TEACCH Ansatz setzt eine ressourcenorientierte Grundhaltung der Lehrperson voraus und erfordert die Bereitschaft, die oft unsichtbaren Beeinträchtigungen, die mit einer autistischen Wahrnehmung einhergehen, zu erkennen. Auf der Basis eines bestmöglichen Verständnis für die autistische Wahrnehmung und deren Auswirkungen auf das Lernen und Verhalten werden individuelle Strategien und Hilfen entwickelt, um Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum in ihrer Entwicklung und Selbständigkeit bestmöglich zu unterstützen.
Anwendungsbereich
Im Team Fachberatung Autismus/ADHS der PHBern ist über die Jahre eine grosse Sammlung an Materialien und Umsetzungsideen zu Strukturierungs- und Visualisierungshilfen im Schulalltag entstanden, wie sie aus dem «klassischen» Structured Teaching des TEACCH Ansatzes bekannt sind. Diese Sammlung an Praxisbeispielen zeigt auf, wie man den Bedürfnissen von Lernenden mit Autismus und/oder ADHS im Kontext der Regelschule Rechnung tragen kann. Darüber hinaus kann Struktur und Visualisierung im Unterricht auch unabhängig von Autismus oder ADHS eingesetzt werden und kann sowohl förderlich sein für den Aufbau von Selbständigkeit und Motivation der Lernenden, wie auch für die Klassenführung und -organisation. Das Ziel dieses IdeenSets ist es, die Sammlung von Best-Practice Beispielen einer breiten Öffentlichkeit einfach zugänglich zu machen und so zu einer gelingenden Integration beizutragen.
In diesem IdeenSet finden sich in den verschiedenen Themenschwerpunkten Beispiele in Form von Bildern und Vorlagen, die heruntergeladen werden können. Die Beispielsammlung der Fachberatung wurde in diesem IdeenSet auch ergänzt durch Verlinkungen auf Websites, die geeignetes Visualisierungs- und Strukturierungsmaterial oder Ideen dazu anbieten. Es ist an dieser Stelle wichtig zu betonen, dass diese Beispiele und Vorlagen als Anregung für Strukturierung und Visualisierung des eigenen Unterrichts dienen und in jedem Fall individuell auf die Lernenden angepasst werden sollen.
Für diese Anpassungen können folgende grundlegende Strategien des TEACCH Ansatzes als Orientierung dienen:
- (sprachliche) Kommunikation anpassen und visuell unterstützen
- Instruktionen in geeigneter Form – oft eben auch visuell – anbieten
- Zeitliche und räumliche Orientierungs- und Organisationshilfen bereitstellen
- Systematiken und Routinen für generelle Handlungsmuster einüben
- Veränderungen durchschaubar machen, um Flexibilität zu fördern
- Regeln und Entscheidungshilfen bereitstellen
- (soziale) Zusammenhänge verdeutlichen und nach Möglichkeit verständlich machen
Für alle Regelschullehrpersonen des Kanton Berns besteht auch die Möglichkeit, eine kindsbezogene Beratung vom Fachberatungsteam Autismus/ADHS der PHBern in Anspruch zu nehmen.
Lehrplanbezug
Vielfalt prägt unsere Gesellschaft und damit auch die Schule. Ein konstruktiver Umgang mit Vielfalt ist von grosser Bedeutung. Die Schule fördert unter anderem auch Chancengleichheit und zeigt Wege auf, diese zu leben.
Lernende, deren schulische Ausbildung durch Behinderung erschwert wird, sollen im Sinne einer integrativen Haltung unterrichtet werden. Das Erreichen der Bildungsziele wird dabei durch besondere schulische Massnahmen unterstützt. Für viele Lernende, insbesondere mit einer autistischen Wahrnehmung oder einer ADHS, ist der TEACCH Ansatz eine Möglichkeit zur Unterstützung.
In den «Allgemeinen Hinweisen und Bestimmungen» findet sich unter Punkt 7.5. die Grundlage zu «einfachen, sonderpädagogischen und unterstützenden Massnahmen». Hier finden sich die überfachlichen Kompetenzen des Lehrplans.
Personale Kompetenzen: Geeignete Strukturierungs- und Visualisierungshilfen können Lernende in ihrer Entwicklung hin zu mehr Selbständigkeit, Motivation und Anstrengungsbereitschaft unterstützen.
Soziale Kompetenzen: Der TEACCH Ansatz beinhaltet Ideen, wie soziale Situationen besser gemeistert werden können und kann dabei helfen, ein besseres soziales Verständnis aufzubauen.
Methodische Kompetenzen: Der TEACCH Ansatz kann Lernende dabei unterstützen, geeignete Lernstrategien zu erwerben, um Lern- und Arbeitsprozesse selbständiger bewältigen zu können.
Umsetzungen nach Themenschwerpunkten
| Schwerpunkt | Untertitel | Umsetzung |
|---|---|---|
| Raum | Schulareal | Anpassungen auf dem Schulareal |
| Schulhaus | Anpassungen im Schulhaus | |
| Schulzimmer | Geteilte Arbeitsplätze | |
| Zeit | Zeitverlauf | Erst-Dann-Pläne, Zeitverlauf visualisieren |
| Stundenpläne | Stundenpläne visualisieren | |
| Tagespläne | Tagesablauf visualisieren | |
| Arbeitspläne | Ein Arbeitsplan mit verschiedenen Abstraktionsstufen, Arbeitspläne in drei Schritten, Arbeitspläne mit Figuren | |
| Handlungsplanung und Arbeitsorganisation | Der strukturierte Arbeitsplatz | Arbeitssysteme |
| Arbeitsorganisation | Checklisten, Anleitungen, TEACCH Apotheke | |
| Schulalltagshilfen | Alltägliche Routinen | |
| Problemlöseverhalten | Hilfen während des Unterrichts, Wartehilfen | |
| Soziale Situationen | Selbstwahrnehmung und Selbstregulation | Skalen zur Selbstwahrnehmung, Emotionen regulieren |
| Kommunikation | Signalkarten, Ankündigungen | |
| Interaktionen | Visuelle Unterstützung, Rollen in Gruppenarbeiten | |
| Verhaltensunterstützung | Notfallplan, Alternativplan | |
| Lehr-, Lern- und Arbeitsmaterial | Kistenaufgaben | Beispiele von Kistenaufgaben |
| Zuordnungsaufgaben | Beispiele von Zuordnungsaufgaben | |
| Mappenaufgaben | Beispiele von Mappenaufgaben | |
| Weitere Aufgabenformate | Beispiele von "weiteren Aufgabenformaten" |