Acht Menschen mit Behinderungen erwerben an der PHBern erstmals ein Diplom als Fachperson Inklusion (F-INK). Was bedeutet Inklusion für sie – und warum braucht diese mehr Stimmen? In Einzelinterviews zeigen die Teilnehmenden auf, welches Potenzial in echter Mitwirkung steckt und welche Perspektiven und Visionen sie für eine inklusive Zukunft entwickeln.
Jonas Kallen: "Inklusion funktioniert – wenn man sie will"
Wieso finden Sie Inklusion wichtig?
Ich erlebe im Alltag immer wieder, wie schwer sich unsere Gesellschaft mit Inklusion tut – ob in der Schule oder bei der Arbeit. Wer anders ist, trifft auf unsichtbare Barrieren. Das bewegt mich. Ich möchte zeigen, dass es auch einfacher gehen kann, wenn man Offenheit zulässt.
Ein Beispiel: Im Job musste ich erklären, warum ich wegen meiner leichten Cerebralparese, also einer Einschränkung meiner motorischen Fähigkeiten, gewisse Dinge anders mache. Solche Situationen zeigen, wie wichtig Verständnis und Anpassung sind – von allen.
Die Diplomausbildung Fachperson Inklusion (F-INK) gibt mir die Chance, daran zu arbeiten und zu zeigen: Inklusion funktioniert – wenn man sie will.
Warum braucht es Fachpersonen für Inklusion?
Inklusion heisst für mich: Teilhabe, dazugehören, mitreden, mitgestalten. Menschen mit Behinderung sollen ihre Meinung sagen dürfen – auch kritisch, auch unbequem.
Als Mensch mit Behinderung weiss ich, wie es ist, wenn das Verständnis fehlt. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass wir einander mit Offenheit begegnen – ohne Vorurteile, dafür mit Respekt.
Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche Zukunft?
Ich möchte dort wirken, wo Veränderung möglich ist – in Schulen und in der Wirtschaft. Junge Menschen sind die Zukunft und Betriebe spielen dabei eine Schlüsselrolle.
Mein Ziel ist, mit Schulen und Lehrbetrieben ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Lösungen zu finden, wie Inklusion in Ausbildung und Arbeitswelt wirklich gelingt.
Gabriel Schaack gefällt ...
... an der Ausbildung F-INK:
Besonders neugierig bin ich auf den interdisziplinären Austausch mit den Studierenden ohne Behinderung. Mich interessiert, was sie für Erfahrungen haben und wie offen sie gegenüber Menschen mit Behinderungen sind.
Wir hatten bereits einen Arbeitsauftrag gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung. Es entstanden interessante Diskussionen und wir hatten eine gute Idee, welche sich im Alltag bewährt hat. Es ist schön zu sehen, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen gute Lösungen erarbeiten können. Das macht mir Spass.
Warum braucht es Fachpersonen für Inklusion?
Für mich heisst Inklusion: Staat und Institutionen müssen offener werden für Menschen mit Behinderung. Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit, Bildung und Teilhabe. Chancengleichheit ist etwas Tolles und bringt die Möglichkeit, sich nützlich zu machen. Mein Ziel ist es, andere zu ermutigen: Auch ohne Uniabschluss kann man etwas bewirken. Inklusion bedeutet, den Menschen zu sehen – mit all seinen Stärken und Möglichkeiten.
Was wünschen Sie sich für ihre berufliche Zukunft?
Ich möchte an Hochschulen und Institutionen erklären, dass Inklusion bedeutet, den Menschen mit all seinen Stärken und Möglichkeiten zu sehen – und wie dies gelingen kann. Mein Ziel ist, Menschen zu ermutigen, neue Wege zu gehen und Barrieren abzubauen. Andere Länder wie Dänemark machen es vor. Wichtig ist, Separation zu überwinden und gemeinsam weiterzudenken.