Die Pädagogische Hochschule PHBern bildet Lehrpersonen für sämtliche Schulstufen aus. Der Studiengang Sekundarstufe I befähigt für den Unterricht auf der Oberstufe (7. bis 9. Klasse). Institutsleiterin Andrea Schweizer stellt das Studium im Gespräch näher vor.
Frau Schweizer, Sie leiten das Institut Sekundarstufe I an der PHBern. Was genau macht diese Schulstufe aus?
Die Sekundarstufe ist der zentrale Übergang von der Primarstufe in die Berufsbildung oder in eine weiterführende Schule. Die Lehrpersonen sind – im Gegensatz zu den generalistisch ausgerichteten Primarlehrpersonen – Fachspezialistinnen und Fachspezialisten in vier Unterrichtsfächern. Als Klassenlehrpersonen sind sie aber ebenfalls sehr nahe an den Schülerinnen und Schülern.
Welche besonderen Anforderungen stellen sich ihnen auf der Oberstufe?
Sie unterrichten junge Menschen in der Pubertät. In dieser Entwicklungsphase sinkt in der Regel die Motivation für die Schule, andere Themen stehen im Vordergrund. Die Lehrpersonen haben die Aufgabe, die Jugendlichen durch guten Unterricht und tragende Beziehungen in diesem Prozess zu unterstützen, ihre Interessen zu wecken sowie ihre Eigenverantwortung und Selbstständigkeit zu stärken. Zudem stehen sie den Schülerinnen und Schülern in der Berufswahl zur Seite und sorgen dafür, dass möglichst alle eine Anschlusslösung finden. Das ist eine grosse, aber auch spannende Aufgabe.
Ein Wort zu Berufswahl und Berufseinstieg. Wie bereiten sich die angehenden Lehrerinnen und Lehrer auf diese wichtige Aufgabe vor?
Dieses Thema begleitet die Studierenden über das gesamte Studium hinweg. In verschiedenen Modulen geht es darum, sich mit der Beratung und Begleitung der Schülerinnen und Schüler zu befassen und vertraut zu werden mit deren Entwicklung und Ausgangslagen. Im Modul Berufliche Orientierung lernen sie die Unterstützungsangebote und Fachstellen in diesem Bereich kennen und setzen sich mit Bewerbungsfragen auseinander. Zudem haben sie die Möglichkeit, im Rahmen eines Projekts Lernende eine Woche in deren Betrieb zu begleiten.
Die Zugangswege für ein Studium an Ihrem Institut sind vielfältig. Welche Möglichkeiten bestehen konkret?
Rund zwei Drittel der Studierenden kommen über das Gymnasium oder die Passerelle zu uns. Rund ein Drittel kommt über die Ergänzungsprüfung nach einer Berufs- oder Fachmaturität. Weiter gibt es die Möglichkeit eines Quereinstiegs für Personen, die älter sind als 30 Jahre.
Wie ist das Studium aufgebaut? Und: Inwieweit lassen sich persönliche Schwerpunkte setzen?
Unser Studiengang zeichnet sich durch eine grosse Flexibilität und hohe Individualisierung aus. Es gibt so viele Studienverläufe, wie es Studierende gibt. Diese Vielfalt kennzeichnet uns. Das Studium ist modular aufgebaut. Die Studierenden wählen ihre Fachbereiche aus vierzehn möglichen aus. Das entspricht über 250 Kombinationsmöglichkeiten. Daneben bieten wir zahlreiche Wahlmöglichkeiten und Spezialisierungen in den Modulen an. Einen Schwerpunkt setzen die Studierenden auch mit der Masterarbeit.
Teil des Studiums sind auch Praktika. Welche? Und: Welche Bedeutung haben sie?
In der Regel brennen die Studierenden für die Praktika. Auch für uns haben sie einen zentralen Stellenwert. Es gibt vier Praktika, wobei unser Flaggschiff das Langzeitpraktikum ist. Es dauert ein ganzes Semester. Die Studierenden sind während 20 bis 22 Wochen voll in einer Schule im Einsatz und erleben nebst dem Unterricht auch den Notengebungsprozess und die Elternarbeit. Ziel der Praktika ist, dass die Studierenden mit möglichst vielen Fragen zu uns zurückkommen und diese vertiefen. In den Praktika können sie zudem ihr Berufsverständnis weiterentwickeln.
Wie sieht die Stellensituation nach dem Studienabschluss aus?
Im Moment ist sie ausgezeichnet. Der Einstieg ins Berufsleben erfolgt fliessend. 90 Prozent unserer Studierenden unterrichten bereits während des Masterstudiums – sei es mit einer Festanstellung oder zumindest mit Stellvertretungen. Sehr oft werden sie aus dem Praktikum heraus angestellt.
Studiengang Sekundarstufe I
Lehrerinnen und Lehrer auf der Sekundarstufe I unterrichten Schülerinnen und Schüler vom 7. bis 9. Schuljahr. Dies entspricht nach Lehrplan 21 dem 3. Zyklus. Voraussetzung für den Erhalt des Lehrdiploms ist ein abgeschlossenes Masterstudium. Über 1000 Studierende belegen zurzeit den Studiengang Sekundarstufe I an der PHBern. Rund 50 Prozent davon sind Männer – Tendenz steigend.