Studieren an der PHBern - der "Einsteiger" berichtet

Der "Einsteiger" ist eine Plattform zur Berufs- und Mittelschulbildung. Jeden Samstag erscheint in den Tageszeitungen Berner Zeitung BZ, Der Bund, Berner Oberländer, Thuner Tagblatt und Bieler Tagblatt ein Artikel zu einem aktuellen Thema.

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"Dieses Angebot ermöglicht einen sorgfältigen Einstieg"

Simone Gerber studiert im fünften Semester an der Pädagogischen Hochschule PHBern. Seit diesem Sommer unterrichtet sie zudem Teilzeit als Lehrerin. Möglich macht dieses Miteinander von Studium und Beruf ein spezielles Studienformat. Die junge Frau beleuchtet ihren fliessenden Berufseinstieg im Gespräch näher.

Frau Gerber, wir befinden uns in den Räumlichkeiten der Basisstufe Statthalter in Bern-Bümpliz, wo Sie seit Kurzem arbeiten. Was steht heute mit den Kindern auf dem Programm?

Nach dem ersten Zusammenkommen im Kreis begeben sich die älteren Kinder mit meiner Stellenpartnerin in den Musikraum, während ich mit den Jüngeren kleine motorische Trainings vornehme, die der Körperwahrnehmung dienen. Später absolvieren wir alle miteinander einen Postenlauf. Zurzeit beschäftigt uns das Thema Körper. Wir schauen uns heute gemeinsam an, was zu tun ist, wenn jemand blutet. Die Kinder dürfen die kleine Arztpraxis erkunden, die wir Lehrpersonen in den Sommerferien eingerichtet haben.

Sind Sie gerne Lehrerin? Was mögen Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Mir gefällt mein Beruf ausgezeichnet. Ich liebe es, mit Menschen zusammenarbeiten, meine Kreativität ausleben und laufend neue Ideen in das tägliche Geschehen einbinden zu können. Besonders befriedigend ist, wenn ich sehe, dass die Kinder Fortschritte erzielen und ich als Lehrerin an dieser positiven Entwicklung teilhaben darf. Ab und zu ist der Alltag auch herausfordernd. Die gewünschte Aufmerksamkeit zu erhalten, ist nicht immer einfach. 

Sie arbeiten zu rund 40 Prozent. Parallel dazu studieren Sie weiterhin an der PHBern. Wie ist das möglich?
Ich belege den Vollzeit-Studiengang Primarstufe und habe die ersten beiden Studienjahre bereits hinter mir. Das dritte und letzte Studienjahr absolviere ich nun in einer speziellen Form, nämlich in zwei Jahren. Möglich macht dies der Studiengang «Studienbegleitender Berufseinstieg (SBBE)». Das Angebot erlaubt es mir, Studium und Berufstätigkeit in idealer Weise zu verbinden.

Welche Vorteile bringt Ihnen diese Form des Studiums?
Sie ermöglicht einen besonders sorgfältigen Berufseinstieg. Das Studium verlängert sich zwar um ein Jahr, dafür verfüge ich am Ende des Studiums bereits über zwei Jahre Berufserfahrung. Da ich eher der praxisorientierte Typ bin, überzeugte mich dieses Angebot sofort. Weil ich noch nicht die Hauptverantwortung trage, bietet mir diese Art von Berufseinstieg einen Rahmen, in dem ich viel Erfahrung sammeln kann. Das ist für mich eine gute Lösung.

Sie sind neu im Lehrberuf. Wer unterstützt Sie im Berufsalltag?
Ich werde von einer Mentoratsperson am Schulort sowie von einer Begleitperson der PHBern unterstützt. Erstere ist eine meiner Stellenpartnerinnen. Wir pflegen einen engen Kontakt, führen gezielt Gespräche, tauschen uns über das Geschehene aus und blicken nach vorne auf Kommendes. Diese Begleitung ist für mich enorm wertvoll und stärkt mir den Rücken. Ich lerne täglich dazu – auch von den Kindern selbst. Denn sie wissen, wie es hier läuft.

Wie erleben Sie das Miteinander von Studium und Beruf?
Über viel Erfahrung verfüge ich noch nicht. Ich stelle jedoch fest, dass ich vieles, was ich im Studium gelernt habe, bereits in der Praxis anwenden kann. Ich bin überzeugt, dass ich im Studium mit Freude Ideen aus der Praxis diskutieren und in theoretischer Weise betrachten werde. Ich verspreche mir einen regen Austausch von Theorie und Praxis.

Nach der Schule gingen Sie zuerst andere berufliche Wege. Welche genau? Und: Was überzeugte Sie letztlich für den Lehrberuf?
Ich absolvierte zuerst eine Lehre als Landschaftsgärtnerin und parallel dazu die Berufsmaturität. Anschliessend arbeitete ich auf dem Beruf, sammelte aber auch Erfahrungen im Gastgewerbe und auf Reisen. Ich suchte je länger je mehr eine Zusammenarbeit mit Menschen, die mir entspricht und die für mich eine tiefere Bedeutung hat. Daher entschied ich mich für meinen jetzigen Beruf. So kam ich über den Vorbereitungskurs und die Ergänzungsprüfung an die PHBern. Die unterschiedlichen Erfahrungen, die ich vor dem Studium machen durfte, empfinde ich als Bereicherung für meine Tätigkeit als Lehrerin. 

Studienbegleitender Berufseinstieg Primarstufe (SBBE)

Möchten Sie Ihr Studium ebenfalls mit Arbeiten verbinden? 

Im "Studienbegleitenden Berufseinstieg" (SBBE) absolvieren Studierende des Instituts Primarstufe der PHBern das letzte Studienjahr in zwei Jahren. Während vier Semestern sind die Studierenden an einer Schule angestellt und besuchen parallel Lehrveranstaltungen an der PHBern.

Der Artikel erschien im September 2021 in der Bildungsbeilage "Einsteiger".

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"Das Gelernte vermittelt mir Sicherheit und Mut"

Anouk Schaffer und Michelle Zahnd studieren an der Pädagogischen Hochschule PHBern. Sie belegen den neuen Studiengang Bachelor Primarstufe+, der ihnen einen Schwerpunkt in Schulischer Heilpädagogik bietet. Im Gespräch erklären die beiden das Angebot näher.

Frau Schaffer, Frau Zahnd, Sie studieren beide an der Pädagogischen Hochschule PH Bern. Wie verlief  Ihr Weg dorthin?
Schaffer: Nach der Schulzeit bildete ich mich als Kauffrau aus und arbeitete danach drei Jahre auf dem Beruf. Anschliessend absolvierte ich den Vorbereitungskurs an der PHBern sowie die Aufnahmeprüfung und begann mit dem Studium. Lehrerin zu werden, war immer mein Berufsziel.
Zahnd: Ich fand über die Fachmittelschule mit anschliessender Fachmaturität Pädagogik an die PHBern. Auch ich wusste bereits früh, dass ich unterrichten möchte. Dementsprechend legte ich meinen Ausbildungs-weg fest. 

Wie weit ist Ihr Studium bereits  fortgeschritten? Und: Womit  beschäftigen Sie sich zurzeit?
Zahnd: Wir sind beide im sechsten und damit letzten Semester des Bachelorstudiums Vorschulstufe und Primarstufe. Zurzeit treiben uns die Bachelorarbeit und die Vorbereitung auf die erste Anstellung um. Ich werde im Sommer eine Teilzeitstelle an einer Basisstufe in Bern antreten.
Schaffer: Und ich werde eine Teilzeitarbeit an einem Kindergarten in Spiez aufnehmen. Die Stellensituation ist zurzeit komfortabel. Das erleichtert den Einstieg.

Gefällt Ihnen Ihr Studienalltag?
Schaffer: Ja, ich studiere gerne, freue mich aber auch, bald Praxiserfahrung sammeln zu können.
Zahnd: Auch ich fühle mich im Studium sehr wohl. Die Dozierenden sind überaus zuvorkommend, die Räumlichkeiten sehr angenehm.

Seit dem 5. Semester belegen Sie zusätzlich den Schwerpunkt Schulische Heilpädagogik, der Sie zum Bachelor Primarstufe+ führt. Warum haben Sie sich dafür  entschieden?
Schaffer: Dieser Schwerpunkt ist ein Zusatz zu unserem Bachelorstudium. Er bringt Zusatzaufwand und verlängert das Studium um ein Semester. Das nehme ich aber gerne in Kauf, denn ich möchte als Lehrperson der Heterogenität und der Vielfalt in den heutigen Klassen noch besser gerecht werden. Zudem verspreche ich mir, einen differenzierteren und individuelleren Unterricht gestalten zu können. Ich habe bereits viel gelernt. Im Abschlusspraktikum kam mir dies zugute.
Zahnd: Mir geht es ähnlich. Das Gelernte vermittelt mir Sicherheit und Mut im Umgang mit Kindern mit besonderem Bildungsbedarf. Integration und Inklusion werden im Grundstudium zwar ebenfalls thematisiert, aber natürlich nie so ausgeprägt wie im Bachelor Primarstufe+.

Was lernen Sie in diesem  Schwerpunkt genau?
Zahnd: Wir lernen zum Beispiel ver-schiedene Konzepte der Pädagogik kennen. Hier steht die Frage im Zentrum, wie die Vielfalt gefördert werden kann. Weiter geht es im Studium um den Umgang mit heterogenen Lerngruppen. Wie kann ich in solchen Gruppen die verschiedenen Kinder gezielt fördern? Was kann ich als Lehrperson zur Schulentwicklung beitragen – und wo sind meine Grenzen?
Schaffer: Auch der geschichtliche Hintergrund der Heilpädagogik ist ein Thema. Was ist in diesem Bereich bereits alles gegangen, was kann sich noch entwickeln? Welche Rolle kann ich einnehmen? Und nicht zuletzt lernen wir die Kompetenzen der Heilpädagoginnen und Heilpädagogen und die möglichen Formen der Zusammenarbeit kennen. 

Der Bachelor Primarstufe+ ist kein Abschluss in Schulischer Heilpädagogik. Welche Vorteile bietet er Ihnen als künftige Primarlehrpersonen?
Zahnd: Ich möchte meine Arbeit als Lehrperson möglichst gut machen. Im Zentrum steht für mich die Gestaltung der Zusammenarbeit mit der Heilpädagogin oder dem Heilpädagogen. Im Schwerpunkt kann ich selbst Wissen und Kompetenzen in diesem Bereich aufbauen und werde mich daher mit diesen Fachpersonen gezielter austauschen können.
Schaffer: Ich weiss nun viel besser als vorher, wie ich auf besonderen Bil-dungsbedarf in der Klasse reagieren kann. Letztlich werde ich dadurch den Kindern gerechter, weil alle auf ihrem individuellen Lernniveau arbeiten können. Das ist zwar ein hoher Anspruch, aber unser Schwerpunkt hilft uns zweifellos, den Unterricht differenziert und reichhaltig zu gestalten.

Bachelor Primarstufe+

Zurzeit belegen sechs Studierende den Studiengang Bachelor Primarstufe+. Sie besuchen sowohl am Institut Primarstufe als auch am Institut für Heilpädagogik (IHP) Veranstaltungen.

Sind Sie an einem Studium Bachelor Primarstufe+ interessiert?

Der Artikel erschien im Juni 2021 in der Bildungsbeilage "Einsteiger".

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"Diese Aufgabe lässt sich nur im Team stemmen"

Die Schule in der Hauptrolle: Ein Video und sechs Kurzclips der PHBern zeigen – stell vertretend für alle Berner Schulen – den Alltag an der Schule Ipsach. Mittendrin: Lehrer Rolf Künti und Schulleiterin Ursula von Nieder-häusern.

Herr Künti, Sie arbeiten als Teil-pensenlehrer an der Schule Ipsach und stellen im Hauptvideo ihre Arbeit vor. Was hat Sie bewogen,  bei diesem Filmprojekt mitzu-machen?
Die PHBern realisierte bereits vor zwei Jahren ein Video über das Leben ei-ner PH-Studentin. Es hiess «Mehr als Mandala malen» und gefiel mir sehr gut. Als ich für das neue Projekt angefragt wurde, sagte ich daher sofort zu. In einem Filmprojekt mitmachen zu können, war eine neue Erfahrung. Es war interessant zu sehen, wie das professionelle Team die Aufgabe an-ging. Ich finde, dass der Film ein au-thentisches und ehrliches Bild meiner Arbeit vermittelt.

Sie starteten mit einer Lehre als Sanitärinstallateur EFZ ins Berufs-leben. Was überzeugte Sie für  einen Wechsel?
Ich habe fast ausschliesslich gute Erinnerungen an meine Schulzeit und fand unkompliziert Zugang zu einem Beruf, der mich interessierte. Entsprechend motiviert war ich in der Lehr-zeit. Der Lehrberuf war immer ein we-nig mein Wunschziel. Daher nahm ich danach das Studium in Angriff. Die Begeisterung für das Handwerk ist geblieben. In den Sommerferien helfe ich regelmässig noch im ehemaligen Betrieb aus.

Was macht in Ihren Augen eine  gute Lehrperson aus?
Ich bin als Lehrer eine Art Regisseur für das Lernen. Das ist meine Auf-gabe. Ich bin für die Klassenführung verantwortlich, habe aber gleichzeitig jede Schülerin und jeden Schüler im Blick. Ich kann individualisieren, differenzieren und möchte die Zeit für das Lernen nutzen. Es gibt so viele ver-schiedene Dinge, die ablaufen. Daher muss ich sekundenschnell Entschei-de treffen und mich auf das Wich-tigste fokussieren. Als Lehrperson bin ich fachlich und didaktisch à jour und lege Wert auf die Beziehungsarbeit. In tragfähigen Beziehungen sind die Schülerinnen und Schülern motivierter und lernen besser.

Im Video sagen Sie, eine Lehrperson müsse grosszügig sein. Wie ist das zu verstehen? Sind Perfektionisten fehl am Platz?
Der Alltag ist enorm reichhaltig und vielseitig. Entsprechend vielfältig sind auch die Ansprüche an die Lehrerin-nen und Lehrer – von Seiten der Kinder, der Eltern, der Schulleitung, dem Lehrplan oder auch der Bildungs-forschung. Wir Lehrpersonen ringen immer um ein Gleichgewicht. Ich sehe meine Aufgabe als lebenslangen Entwicklungsprozess. Ich wachse daran und brauche viel Verständnis und Grosszügigkeit – gerade auch gegenüber meinen Kolleginnen und Kollegen. Diese Aufgabe lässt sich nur im Team stemmen.

Frau von Niederhäusern, Sie sind Schulleiterin an der Schule Ipsach und stellen in einem Clip kurz Ihre Aufgabe vor. Ihre Eindrücke des Videos? Sind Sie stolz, dass sich Ihre Schule präsentieren kann?
Sehr stolz. Als ich den Film zum ers-ten Mal sah, war ich richtiggehend gerührt, denn alles kommt sehr echt und professionell daher. Ich erkannte mein Team 1 zu 1. Alle sind offen, en-gagiert und mutig, sich zu exponieren.

"Schule funktioniert nur im Team", wird im Video betont. Früher hiess es doch immer, Lehrpersonen seien Einzelkämpferinnen und Einzel-kämpfer. Was stimmt?
Das ist eines der Spannungsfelder, in denen sich Lehrpersonen bewe-gen. Im Unterricht sind sie allein. Vor ihnen sind mehr als zwanzig Kinder, mit denen sie die Bühne bespielen. Da sind sie oft Einzelkämpferin und Einzelkämpfer. Sie müssen schnell und flexibel reagieren, selbstbewusst und kompetent auftreten und sich ein stückweit auch verkaufen und profilieren können. Auf der anderen Seite gibt es so viele Ansprüche. Alle ziehen ein wenig an dir, alle wollen etwas. Da braucht es das Team, mit dem man sich austauschen und wenn nötig wieder etwas eichen kann.
 
Zurzeit herrscht im Kanton Bern Lehrpersonenmangel. Wie wirkt  sich das auf Ihre Rekrutierungsarbeit aus?

Es ist enorm schwierig, vakante Stellen zu besetzen. Aktuell läuft bei-spielsweise ein Stelleninserat, auf das ich keine einzige Bewerbung erhalten habe. Um trotzdem zu geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten zu kommen, lasse ich mein gesamtes Kontaktnetz spielen. Ich betreibe be-wusst PR und komme interessierten Personen so gut es geht entgegen.

Ihr persönlicher Werbespot für den Lehrberuf?
Wer Verantwortung und einen gros-sen Gestaltungsfreiraum liebt, wer gerne kreativ im Team unterwegs ist und wer eine abwechslungsreiche Tätigkeit schätzt, ist im Lehrberuf genau am richtigen Ort.

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Anspruchsvoll und kreativ – eine Aufgabe mit vielen Freiheiten

Lehrpersonen fördern mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und geben ihnen Orientierung und Unterstützung. Gerade die Corona-Pandemie zeigt, wie wertvoll eine persönliche Begleitung durch die Lehrperson ist. Im Gespräch mit Bildungsdirektorin Christine Häsler.

Die Schulen im Kanton Bern haben den Präsenzunterricht in all diesen Monaten aufrechterhalten. Wie nehmen Sie die aktuelle Stimmung in der Lehrerschaft wahr?
Die Situation an unseren Schulen ist äusserst herausfordernd. Die Lehrpersonen sind engagiert und leisten hervorragende Arbeit. Dafür bin ich sehr dankbar. Den ganzen Tag mit Maske zu unterrichten und dafür zu sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen die Hygiene- und Verhaltens-vorschriften beachten, ist nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Lehrpersonen belastend.

Mit den gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen verändert sich auch der Lehrberuf. Worin liegt heute seine Attraktivität?
Im Lehrberuf stehen die Beziehun-gen zu den Schülerinnen, Schülern und Eltern im Zentrum. Lehrpersonen haben die anspruchsvolle, aber wertvolle Aufgabe, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und sie dabei zu unterstützen, grundlegende Fertigkeiten und Kompetenzen zu erwerben. Das ist eine sinnstiftende Arbeit. Attraktiv am Lehrberuf ist der grosse Spielraum bei der Gestaltung des Unterrichts. Lehrpläne und Lehrmittel geben einen gewissen Rahmen vor, doch wie die Lehrpersonen den Lehrplan konkret umsetzen, darin haben sie zahlreiche Freiheiten.

Welche Bedeutung hat für Sie  der Lehrberuf im gesamtgesellschaftlichen Rahmen?
Der Schulunterricht steht und fällt mit den Lehrpersonen. Wie wichtig der Lehrberuf ist, haben wir in der Coronazeit erfahren: Der Fernunterricht kann den Präsenzunterricht nicht vollständig ersetzen. Es hat sich gezeigt,  dass eine persönliche Begleitung der Kinder und Jugendlichen unabdingbar ist. Lehrerinnen und Lehrer haben aus gesamtgesellschaftlicher Sicht eine bedeutende Aufgabe. Mit ihrer Arbeit prägen sie die nachfolgende Generation und die Gesellschaft der Zukunft.

Eine Lehrperson muss heute vielen Anforderungen gerecht werden,  dies macht ihr Berufsfeld sehr vielfältig. Worin besteht aus Ihrer Sicht ihre Kernaufgabe?
Im Schulalltag liegt der Schwerpunkt auf dem Unterrichten. Lehrpersonen vermitteln aber nicht nur Wissen, sondern wirken ebenfalls durch ihre Persönlichkeit, ihre Authentizität und geben den Schülerinnen und Schülern dadurch Orientierung und Unterstützung. Kinder und Jugendliche sind auf soziale Kompetenzen angewiesen, die ihre Zuversicht in sich selbst und ins Leben stärken. Lehrpersonen sind dafür verantwortlich, dass sich die Kinder und Jugendlichen wohl fühlen und sich optimal entwickeln können.

Gute Anstellungs- und Arbeitsbedingungen sind für den Kanton als Arbeitgeber ein wichtiges Anliegen. Wo steht die Berner Volksschule im Vergleich zu anderen Kantonen?
Letzten Sommer konnten die Löhne für die Primarstufe angehoben wer-den. Vergleicht man die bernischen Löhne mit den anderen Kantonen, liegt der Kanton Bern nicht auf dem gleichen Niveau. Anders verhält es sich bei Anstellungsbedingungen wie zum Beispiel der Altersentlastung oder dem Pflichtpensum, hier kann der Kanton Bern dem Vergleich gut standhalten. Angesichts der aktuellen Finanzlage müssen wir in kleinen Schritten vorwärtsgehen. Dem Regierungsrat ist es aber wichtig, die Lohn-entwicklung beizubehalten.

Die Anmeldungen an der PHBern entwickeln sich dieses Jahr positiv. Können sich auch Berufsleute und Interessierte anderer Fachrichtungen für die Ausbildung zur Lehrerin oder zum Lehrer melden?
Die PHBern ermutigt auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, sich für eine Lehrerinnen- oder Lehrerausbildung anzumelden. Weil sie zusätzliche Erfahrungen und Kompetenzen mitbringen, sind sie eine grosse Bereicherung für das Berufsfeld. Ausgewiesene Berufsleute über dreissig mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis und genügend Berufserfahrung können «sur dossier» aufgenommen werden.
Wie sieht die aktuelle Stellensituation im Kanton Bern aus?
Wer eine Stelle als Lehrperson sucht, hat eine breite Auswahl. Insbesonde-re auf der Vorschul- und der Primarstufe sind Lehrerinnen und Lehrer gesucht. In den nächsten Jahren steigen die Schülerzahlen und überdurchschnittlich viele Lehrpersonen gehen in Pension. Wir werden auch künftig engagierte Lehrerinnen und Lehrer brauchen. Viele Studierende der PHBern helfen mit ihren Praxiseinsätzen, dass an den Schulen keine Lücken entstehen. Dafür danken wir ihnen sehr.

Sind Sie an einem Studium an der PHBern interessiert?

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"Dominic zeigt mir seine gesamte Arbeitspalette"

Frederic Berger studiert an der Pädagogischen Hochschule PHBern. Diese Woche erlebt er Spezielles: Im Rahmen eines praxisorientierten Einsatzes begleitet er einen angehenden Automobil- Mechatroniker bei der Arbeit. Im Gespräch schildert er seine Eindrücke.

Herr Berger, um was geht es bei Ihrem Job-Shadowing-Einsatz genau?
Dieser Einblick soll uns angehenden Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen, die Berufslehre und die Arbeitswelt besser kennen zu lernen und damit die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Berufswahl kompetent zu begleiten. Dies ist umso wichtiger, als die Mehrheit von uns Studierenden eine Mittelschule absolviert hat und die Berufslehre nicht aus eigener Erfahrung kennt. Möglich sind Einblicke in die verschiedensten Berufe.

Sie erfahren quasi als «Schatten» des Lernenden, worum es in der Berufslehre geht und wie sich der Ausbildungsalltag gestaltet. Kann man das so sagen?
Ja, genau. Indem ich einen Lernenden eine ganze Woche begleite, erhalte ich einen vielfältigen und realistischen Einblick in seine Ausbildung und seinen Arbeitsalltag. Interessant ist insbesondere, einen Beruf zu erleben, den man nicht kennt. Ich selber absolvierte ursprünglich eine KV-Lehre und bin daher mit der Berufsbildung vertraut. Ich wollte aber unbedingt noch einen handwerklichen Beruf näher kennen lernen. Für die Autobranche entschied ich mich, weil sie zahlreiche Berufe anbietet.

Ihr Lernender heisst Dominic Zahnd. Er ist im vierten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Automobil-Mechatroniker in der Autogarage Emil Frey AG in Ostermundigen. Was zeigt er Ihnen diese Woche alles?
Dominic zeigt mir seine gesamte Arbeitspalette. Ich bin überall dabei, ob es nun um kleine oder grosse Servicearbeiten, Öl- oder Radwechsel sowie Reparaturarbeiten an einer Feder des Vorderrads oder am Tankverschluss geht. Es ist beeindruckend, wie viel Verantwortung Dominic bereits übernimmt. Während der Arbeit lerne ich ebenfalls sein Arbeitsumfeld kennen. Ich sehe beispielsweise, wie Hand in Hand gearbeitet wird und wie wichtig die Teamarbeit ist. Betrieb und Werkstatt haben eine beträchtliche Grösse. Die Arbeiten an den Autos werden an mehreren Servicestationen gleichzeitig ausgeführt, es herrscht ein reges Kommen und Gehen.

Legen Sie auch selber Hand an – oder beschränken Sie sich ganz auf das Zuschauen?
Ich beobachte in erster Linie und höre zu. Wo es möglich ist, lege ich aber gerne auch selber Hand an und packe mit an. Auf diese Weise spüre ich die körperlichen Anforderungen der Arbeit und kann diese besser abschätzen. In der Autogarage steht man zum Beispiel von früh bis spät. Das ist doch ein markanter Unterschied zum Schulalltag.

Wie gefällt Ihnen Ihr Einblick? Wird Ihnen die Berufslehre anschaulich nähergebracht?
Absolut. Es ist eine wertvolle Erfahrung. Auf diese praxisnahe Art lerne ich die Arbeitsrealität 1 zu 1 kennen. Das ist viel besser, als einfach nur über den Beruf zu lesen oder ein Video anzuschauen. Ich begrüsse diesen Einblick in die Arbeitswelt, denn dank ihm kann ich die Theorie in der Praxis anwenden. Ich erweitere meine Kompetenzen in Sachen Berufswahlprozess und kann die Schülerinnen und Schüler in dieser Phase versierter unterstützen.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Erlebten für Ihren künftigen Unterricht?
Ich erlebe am eigenen Leib, wie wichtig das Schnuppern für die Berufswahl ist. Nirgends kann man sich konkretere Eindrücke eines Berufes holen und sehen, wie der Job wirklich ist, und wie es bei der Arbeit tönt und riecht. Diese Woche macht mir auch nochmals bewusst, welchen grossen Schritt die Jugendlichen mit dem Eintritt ins Berufsleben tun. Ich möchte meine künftigen Schülerinnen und Schüler deshalb möglichst sorgfältig und kompetent begleiten und unterstützen. Ich freue mich auf diese verantwortungsvolle Aufgabe.

Praxisorientierter Einsatz

Am Institut Sekundarstufe I der Pädagogischen Hochschule PHBern absolvieren die Master-Studierenden das Modul Berufswahlvorbereitung – mit Vorlesung, Seminar und Vertiefungsangebot. In der Wahl-Vertiefungsveranstaltung «Berufslehre und Arbeitswelt» verbringen sie im Rahmen des Projekts Job Shadowing eine Woche in einem Betrieb und lernen dort die Berufslehre aus der Perspektive der Lernenden und des Betriebs kennen. Die PHBern arbeitet eng mit der Post, der BLS, Holzbau Schweiz, dem Automobilgewerbe und Berner KMU zusammen.

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"Ich musste mich aus der Komfortzone bewegen"

Vor fünf Jahren ist Cornelia Donzé in den Lehrberuf zurückgekehrt – nach zehn Jahren Familienpause. Was hat sie motiviert, wieder zu unterrichten? Wie hat sie sich auf den Wiedereinstieg vorbereitet? Mit welchem Gefühl hat sie am «ersten Schultag» das Klassenzimmer betreten?

Frau Donzé, wie fühlt es sich an, wieder als Lehrerin zu arbeiten?
Es fühlt sich richtig an. Die Arbeit in der Schule und meine Tätigkeit als Familienfrau ergänzen sich prima. Die beiden Bereiche bereichern sich, auch wenn es zuweilen herausfordernd ist, allen Ansprüchen gerecht zu werden.

Erinnern Sie sich an Ihren «ersten Schultag»? Mit welchem Gefühl haben Sie das Klassenzimmer betreten?
Mit Respekt. Es war viel Ungewissheit dabei. Kann ich das noch? Ist mein Wissen noch aktuell? Aber als ich mit den Kindern im Kreis sass, war es, als wäre ich nie weggewesen. Die Schule hat sich verändert, klar. Aber im Kern geht es nach wie vor darum, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, sie zu unterrichten, zu coachen, zu betreuen. Das verlernt man nicht – zumal, wenn man wie ich vier eigene Kinder hat.

Was hat Sie motiviert,in den Beruf zurückzukehren?
Mit dem Älterwerden meiner Kinder entstand das Bedürfnis, wieder berufstätig zu sein. Aber so, dass Familie und Beruf sich vereinbaren lassen. Als Lehrerin geht das. Man kann Teilzeit arbeiten. Und da ich leidenschaftlich gerne unterrichte, stand mein Entschluss bald fest.

Wie sind Sie den Wiedereinstieg
angegangen?

Da ich keinen finanziellen Druck hatte, musste ich mich aus der Komfortzone bewegen … (lacht). In Spiez gibt es eine Beratungsstelle der PHBern. Die Beraterin betrachtete meine Biografie und meinte: «Sie haben nicht zehn Jahre nichts gemacht. Sie haben vier Kinder grossgezogen, eine Spielgruppe geleitet, Eltern im Heimunterricht unterstützt … Sie sind noch immer ein Profi.» Dieses qualifizierte Feedback war wichtig für mich. Es machte mir Mut, den Schritt zu wagen.

War es schwierig, eine Anstellung mit passendem Pensum zu finden?
Ich konnte relativ rasch Stellvertretungen übernehmen, zuerst in Spiez, später in Leissigen. Schliesslich bot mir die Spiezer Schule eine Festanstellung mit acht Lektionen an, was für meine damalige Situation perfekt war. Heute habe ich ein Pensum von zwölf Lektionen.

Die Schule hat sich in den letzten Jahren stark verändert.Zwei Stichworte: Lehrplan 21, Digitalisierung. Wie haben Sie sich auf den Wiedereinstieg vorbereitet?
Ich habe Fachliteratur gelesen und einen Wiedereinsteigerkurs an der PHBern besucht. Was den Lehrplan 21 betrifft: Die Einführungskurse an der PHBern begannen just zum Zeitpunkt meines Wiedereinstiegs. Das war optimales Timing. Etwas schwerer tue ich mich bis heute mit der Digitalisierung. Doch während der Schulschliessung im Frühling habe ich viel dazu gelernt – nicht selten von meinen eigenen Kindern.

Wie wichtig war das Kollegium in der Anfangsphase? Wurden Sie unterstützt und begleitet?
Für mich war es toll, auf ein so wohlwollendes Kollegium zu treffen. Meine Teampartnerin und der Schulleiter unterstützen mich wo immer nötig. Zu Beginn stellte ich viele Fragen, es fand ein intensiver Austausch statt. Das war sehr hilfreich. Wichtig ist, dass man auf die Kolleginnen und Kollegen zugeht – aber auch, dass man an den Wert der eigenen Erfahrungen glaubt. Zu Beginn will man alles Neue aufnehmen. Das weckt auch die Lust, sich im Rahmen von Kursen und Weiterbildungstagen intensiver damit zu beschäftigen.

Welchen Tipp geben Sie Kolleginnen und Kollegen, die den Wiedereinstieg erwägen?
Diskutiert mit Menschen eures Vertrauens, malt euch die künftige Stelle aus. So wird der Wunsch konkreter, der Prozess kommt ins Rollen. Danach heisst es loslegen. Macht Schulbesuche, geht zur Beratungsstelle der PHBern, absolviert einen Workshop für Wiedereinsteigende, nehmt Stellvertretungen an. So kehrt das Gefühl für den Beruf rasch zurück. Und es entsteht ein Netzwerk, das beim Finden der passenden Stelle hilft.

Die PHBern bietet Lehrpersonen, die sich den Wiedereinstieg in ihren Beruf überlegen, telefonische oder persönliche Beratungen an (031 309 27 26 / therese.vonarb@phbern.ch). Der Wiedereinstieg wird durch Einzelcoachings und spezifische Workshops unterstützt. Das Angebot der PHBern ist auch ein Beitrag gegen den Lehrpersonenmangel.

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Andrea Schweizer, Leiterin des Instituts Sekundarstufe I der PHBern

"Das ist eine grosse, aber auch spannende Aufgabe"

Die Pädagogische Hochschule PHBern bildet Lehrpersonen für sämtliche Schulstufen aus. Der Studiengang Sekundarstufe I befähigt für den Unterricht auf der Oberstufe (7. bis 9. Klasse). Institutsleiterin Andrea Schweizer stellt  das Studium im Gespräch näher vor.

Frau Schweizer, Sie leiten das Institut Sekundarstufe I an der PHBern. Was genau macht diese Schulstufe aus?

Die Sekundarstufe ist der zentrale Übergang von der Primarstufe in die Berufsbildung oder in eine weiterführende Schule. Die Lehrpersonen sind – im Gegensatz zu den generalistisch ausgerichteten Primarlehrpersonen – Fachspezialistinnen und Fachspezialisten in vier Unterrichtsfächern. Als Klassenlehrpersonen sind sie aber ebenfalls sehr nahe an den Schülerinnen und Schülern. 

Welche besonderen Anforderungen stellen sich ihnen auf der Oberstufe?

Sie unterrichten junge Menschen in der Pubertät. In dieser Entwicklungsphase sinkt in der Regel die Motivation für die Schule, andere Themen stehen im Vordergrund. Die Lehrpersonen haben die Aufgabe, die Jugendlichen durch guten Unterricht und tragende Beziehungen in diesem Prozess zu unterstützen, ihre Interessen zu wecken sowie ihre Eigenverantwortung und Selbstständigkeit zu stärken. Zudem stehen sie den Schülerinnen und Schülern in der Berufswahl zur Seite und sorgen dafür, dass möglichst alle eine Anschlusslösung finden. Das ist eine grosse, aber auch spannende Aufgabe. 

Ein Wort zu Berufswahl und Berufseinstieg. Wie bereiten sich die angehenden Lehrerinnen und Lehrer auf diese wichtige Aufgabe vor?

Dieses Thema begleitet die Studierenden über das gesamte Studium hinweg. In verschiedenen Modulen geht es darum, sich mit der Beratung und Begleitung der Schülerinnen und Schüler zu befassen und vertraut zu werden mit deren Entwicklung und Ausgangslagen. Im Modul Berufliche Orientierung lernen sie die Unterstützungsangebote und Fachstellen in diesem Bereich kennen und setzen sich mit Bewerbungsfragen auseinander. Zudem haben sie die Möglichkeit, im Rahmen eines Projekts Lernende eine Woche in deren Betrieb zu begleiten. 

Die Zugangswege für ein Studium an Ihrem Institut sind vielfältig. Welche Möglichkeiten bestehen konkret?

Rund zwei Drittel der Studierenden kommen über das Gymnasium oder die Passerelle zu uns. Rund ein Drittel kommt über die Ergänzungsprüfung nach einer Berufs- oder Fachmaturität. Weiter gibt es die Möglichkeit eines Quereinstiegs für Personen, die älter sind als 30 Jahre. 

Wie ist das Studium aufgebaut? Und: Inwieweit lassen sich persönliche Schwerpunkte setzen?

Unser Studiengang zeichnet sich durch eine grosse Flexibilität und hohe Individualisierung aus. Es gibt so viele Studienverläufe, wie es Studierende gibt. Diese Vielfalt kennzeichnet uns. Das Studium ist modular aufgebaut. Die Studierenden wählen ihre Fachbereiche aus vierzehn möglichen aus. Das entspricht über 250 Kombinationsmöglichkeiten. Daneben bieten wir zahlreiche Wahlmöglichkeiten und Spezialisierungen in den Modulen an. Einen Schwerpunkt setzen die Studierenden auch mit der Masterarbeit. 

Teil des Studiums sind auch Praktika. Welche? Und: Welche Bedeutung haben sie?

In der Regel brennen die Studierenden für die Praktika. Auch für uns haben sie einen zentralen Stellenwert. Es gibt vier Praktika, wobei unser Flaggschiff das Langzeitpraktikum ist. Es dauert ein ganzes Semester. Die Studierenden sind während 20 bis 22 Wochen voll in einer Schule im Einsatz und erleben nebst dem Unterricht auch den Notengebungsprozess und die Elternarbeit. Ziel der Praktika ist, dass die Studierenden mit möglichst vielen Fragen zu uns zurückkommen und diese vertiefen. In den Praktika können sie zudem ihr Berufsverständnis weiterentwickeln. 

Wie sieht die Stellensituation nach dem Studienabschluss aus?

Im Moment ist sie ausgezeichnet. Der Einstieg ins Berufsleben erfolgt fliessend. 90 Prozent unserer Studierenden unterrichten bereits während des Masterstudiums – sei es mit einer Festanstellung oder zumindest mit Stellvertretungen. Sehr oft werden sie aus dem Praktikum heraus angestellt.

Studiengang Sekundarstufe I

Lehrerinnen und Lehrer auf der Sekundarstufe I unterrichten Schülerinnen und Schüler vom 7. bis 9. Schuljahr. Dies entspricht nach Lehrplan 21 dem 3. Zyklus. Voraussetzung für den Erhalt des Lehrdiploms ist ein abgeschlossenes Masterstudium. Über 1000 Studierende belegen zurzeit den Studiengang Sekundarstufe I an der PHBern. Rund 50 Prozent davon sind Männer – Tendenz steigend.

Mehr zum Studium Sekundarstufe I

Der Artikel erschien im März 2020 in der Bildungsbeilage "Einsteiger". Das Interview wurde von Peter Brand geführt.

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Joel Struchen

"Ich möchte den Kindern weltoffen begegnen"

Joel Struchen mag es abwechslungsreich – und bisweilen abenteuerlich. Der gelernte Mediamatiker war als Biketourenleiter in Frankreich, als Bauer in Russland und im Service einer Bündner Skihütte tätig. Nun studiert er an der Pädagogischen Hochschule PHBern und freut sich auf seinen Lehreralltag.

Herr Struchen, Sie starteten mit einer Ausbildung als Mediamatiker ins Berufsleben. Wie kam das genau?

Weil mich vieles interessierte, schnupperte ich in der Oberstufe eine ganze Reihe von Berufen. Der Mediamatiker gefiel mir von Anfang an. Da ich keine Lust mehr auf Schule hatte, absolvierte ich jedoch zuerst ein Bauernlehrjahr im Welschland, wo ich mich austoben und neue Kraft schöpfen konnte. Danach begann ich eine Lehre als Mediamatiker. In der Lehrzeit realisierte ich, dass mir die Arbeit am PC auf die Dauer zu monoton wurde. Dennoch war die Ausbildung eine gute berufliche Grundlage.

Nach der Lehre arbeiteten Sie als Leiter von Biketouren. Warum? Und: Wie gefiel Ihnen dieser Job?

Während der Lehre nahm ich regelmässig an Radrennen teil. Wir verbrachten das Trainingslager jeweils in einem Hotel in Frankreich. Der Betrieb suchte gerade Leiter für seine Biketouren. Ich meldete mich und hatte Erfolg. Diese Arbeit gefiel mir überaus gut. Ich mochte es, draussen zu sein und Velo fahren zu können. Zudem konnte ich den Teilnehmenden etwas beibringen. Sie zeigten mir, dass sie meine Arbeit schätzten.

Wie ging es weiter?

In mir reifte allmählich der Wunsch, Lehrer zu werden. Um die nötigen Voraussetzungen zu erfüllen, absolvierte ich in der Folge die Passerelle. Danach musste ich mich zwei Augenoperationen unterziehen. Da die Prognosen unklar waren, ging es mir in dieser Zeit nicht so gut. Ich musste lange liegen. Als es mir wieder besser ging, wollte ich wieder in die Welt hinaus. Ich begann, im Service einer Skihütte in St. Moritz zu arbeiten. Anschliessend begab ich mich nach Russland. Ich reiste und arbeitete zwei Monate lang bei Schweizer Bauern südlich von Moskau. Später unternahm ich eine weitere Reise entlang der historischen Seidenstrasse.

Seit September 2016 studieren Sie an der PHBern. Wie gefällt Ihnen Ihr Studium?

Es gefällt mir gut, wobei ich sagen muss, dass ich vor allem für die Praktika brenne. Ich bin eben ein praktischer Mensch, der gerne anwendet, was er gelernt hat. Ich mag es, bei den Schülerinnen und Schülern zu sein und dieses und jenes auszuprobieren. Diesen Raum gibt man uns im Studium auch. Ich schätze den Wechsel zwischen Theorie und Praxis. Was den theoretischen Studienalltag betrifft, gibt es viele interessante Seminare. Geschichte und Geografie sind meine liebsten.

Welche Praktikumseinsätze haben Sie bereits hinter sich?

Mehrere. Der längste dauert ein ganzes Semester und beinhaltet die Möglichkeit, das Praktikum zur Hälfte im Ausland zu absolvieren. Davon machte ich natürlich Gebrauch und unterrichtete drei Monate an der deutschen Botschaftsschule in Teheran. Das war eine überaus eindrückliche Zeit.

Sie absolvieren den Studiengang Sekundarstufe I. Das heisst, Sie werden künftig Schülerinnen und Schüler vom 7. bis 9. Schuljahr unterrichten. Was gab den Ausschlag für diese Stufe?

Ich mag zwar auch die Arbeit mit den kleinen Kindern. Das hat mir eine kurze Stellvertretung auf der Primarstufe gezeigt. Aber mir entsprechen die älteren Schülerinnen und Schüler  einfach mehr. Man kann ihnen auf der Oberstufe coole Inhalte vermitteln, man kann diskutieren und sich mit dem Stoff auseinandersetzen. Der Unterricht ist fachlich anspruchsvoller, und die Schülerinnen und Schüler sind in einem spannenden Alter. Ich kann sie im Berufswahlprozess begleiten.

Sie schliessen Ihr Studium dieses Jahr ab. Freuen Sie sich auf Ihren Berufsalltag?

Ja, ich freue mich darauf, Lehrer zu sein. Ich möchte den Kindern weltoffen begegnen und sie ermuntern, über den berühmten Tellerrand hinauszuschauen. Sie sollen lernen,  einen Sachverhalt von verschiedenen Seiten her zu betrachten und auch den gegenseitigen Standpunkt wahrzunehmen. Das ist nötiger denn je.

Der Artikel erschien im März 2020 in der Bildungsbeilage "Einsteiger". Das Interview wurde von Peter Brand geführt.

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Sophie Egger

"Es ist ein Privileg, mit Kindern zu arbeiten"

Sophie Egger ist gelernte Landschaftsgärtnerin. Jetzt absolviert sie an der Päda­gogischen Hochschule Bern (PHBern) den Studiengang Vorschulstufe und Primar­stufe. Weshalb? Und: Wie bringt die alleinerziehende Mutter Familie und Ausbil­dung unter einen Hut?

Weshalb wollen Sie Lehrerin werden? Was fasziniert Sie?

Der Lehrberuf ist wichtig und sinnvoll. Es ist ein Privileg, mit Kindern zu arbeiten und ihnen etwas fürs Leben mitzugeben. Zudem ist die Arbeit vielseitig und abwechslungsreich – jedes Kind bringt eine eigene Persönlichkeit mit, die man individuell fördern muss.

Welcher Weg hat Sie an die PHBern geführt?

Nach der Sekundarschule wollte ich raus aus dem Schulzimmer. Ich hatte grossen Bewegungsdrang. Da ich als Kind viel Zeit im Garten meiner Mutter verbracht  hatte,  entschied ich mich für eine Lehre als Landschaftsgärtnerin. Ich wusste allerdings von Anfang an, dass dies nur der erste Schritt sein würde. Anschliessend machte ich die Berufsmaturität, um mich zur Landschaftsarchitektin weiterzubilden.

Weshalb haben Sie Ihre Pläne geändert?

Ich bin Mutter geworden und habe gemerkt, wie gerne ich in einem sozialen Beruf arbeiten würde. Zudem brauchte ich einen Job, der sich besser mit der Familie verbinden lässt.

Wie sind Sie bei der Neuorientierung vorgegangen?

Ich habe mich an die Laufbahnberatung des BIZ gewandt. Dort konnte ich viele Fragen klären und Unsicherheiten beseitigen. Dann habe ich verschiedene Studiengänge angeschaut und geschnuppert. So bin ich schliesslich im Lehrberuf gelandet.

Wie erleben Sie das Studium?

So, wie ich mir das vorgestellt habe. Die Ausbildung spricht viele meiner Interessen an, der Austausch mit Studierenden und Dozierenden ist angenehm und inspirierend. Zudem bietet die Infrastruktur an der PHBern alles, was man zum Lernen braucht.

Wie lösen Sie das Problem der Kinderbetreuung?

Als Studentin der PHBern habe ich Zugang zur Kinderkrippe KIHOB. Die Leitung ist überaus kompetent und unterstützt mich sehr. Das schätze ich als alleinerziehende Mutter. Dank der KIHOB bin ich sogar in der Lage, zusätzlich zum Studium als Hilfsassistentin am Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation (IFE) der PHBern zu arbeiten.

Haben Sie schon Praktika absolviert?

Ja, drei. Die Praktika helfen zu spüren, ob man den richtigen Beruf anpeilt. Und es tut gut, zu sehen, wohin die Ausbildung führt, wofür man lernt. Ich habe mit den Kindern viele schöne, lehrreiche, lustige und vereinzelt schwierige Momente erlebt. Am Schluss tat es weh, wenn ich mich von ihnen verabschieden musste.

Welche Voraussetzungen sollte man für den Lehrberuf mitbringen?

Es ist sicher von Vorteil, wenn man breit interessiert und offen für Neues ist. Zudem sollte man sicher sein, dass einem der Umgang mit Kindern liegt.

Bietet der Beruf Entwicklungsmöglichkeiten?

Lehrerin ist ein Beruf, in dem man sich dauernd weiterbilden muss. Entsprechend gibt es unzählige Angebote. Ich kann Kurse besuchen, mich in Richtung Schulleitung entwickeln oder einen Masterstudiengang absolvieren, um auf der Sekundarstufe I oder als Schulische Heilpädagogin zu unterrichten.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach dem Studium?

Ab August, also bereits während der Ausbildung, werde ich Teilzeit an einer Schule unterrichten. Ich kann mir gut vorstellen, das Pensum nach Abschluss des Studiums im Juni 2021 auf 80 Prozent zu erhöhen und ein paar Jahre zu unterrichten. Was nachher kommt, weiss ich nicht. Vielleicht mache ich einen Masterabschluss in Fachdidaktik, vielleicht gehe ich in die Berufsbildung – dann könnte ich angehende Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner unterrichten.

Der Artikel erschien im Februar 2020 in der Bildungsbeilage "Einsteiger". Das Interview wurde von Stefan Schaer geführt.

Weitere Informationen zum Studium

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Melina Grau

"Das Eintauchen in eine andere Kultur ist bereichernd"

Melina Grau wird Lehrerin. Sie absolviert den zweisprachigen Studiengang "Vorschulstufe und Primarstufe" der PHBern und der HEP-BEJUNE. Danach wird sie in der Deutsch- und in der Westschweiz unterrichten können.

Sie haben eine kaufmännische Grundbildung absolviert. Jetzt werden Sie Lehrerin. Warum?

Lehrerin war schon immer mein Traumberuf. Es ist faszinierend, Kinder etwas zu lehren. Sie sind extrem wissbegierig und dankbar. Kurz: Unterrichten ist eine erfüllende Tätigkeit.

Warum gingen Sie nicht ans Gymnasium? Das wäre der direkte Weg in den Lehrberuf gewesen?

Ich wollte zuerst die Welt ausserhalb der Schule kennenlernen. Also ging ich für ein Jahr als Au-pair nach Genf. Danach habe ich mich für eine  kaufmännische Grundbildung entschieden und lehrbegleitend die Berufsmaturitätsschule absolviert  –  mit dem Ziel, später Lehrerin zu werden.

Zurzeit belegen Sie an der PHBern den zweisprachigen Studiengang «Vorschulstufe und Primarstufe». Welchen Bezug haben Sie zur französischen Sprache?

Meine Grossmutter spricht Französisch  –  leider nicht mit mir ...  (lacht). Die Faszination für diese Sprache weckte meine Lehrerin in  der Oberstufe. Durch  den Aufenthalt in Genf und dadurch, dass ich das dritte Lehrjahr in Neuenburg absolvieren konnte, hat sich meine Vorliebe für die französische Sprache und Kultur vertieft.

Wie ist das bilinguale Studium aufgebaut?

Man studiert drei Semester in Delémont und drei Semester in Bern. Der Unterricht findet in der örtlichen Sprache statt. Entsprechend werden auch die anstehenden Arbeiten und Prüfungen in der jeweiligen Sprache geschrieben. Inhaltlich absolvieren wir dasselbe Programm wie alle anderen Studierenden – mit Ausnahme eines Begleitmoduls, indem interkulturelle Fragen und Immersionsunterricht thematisiert werden.

Im bilingualen Studiengang stu­dieren Deutsch­ und Französisch­sprachige gemeinsam. Wie wichtig ist diese Durchmischung?

Unsere Klasse zählt fünfzehn Studierende, davon sind vier deutschsprachig. Der Austausch zwischen den Sprachgruppen ist enorm wertvoll. Im Moment studiere ich in Delémont und bin dankbar für die Unterstützung durch die französischsprachigen Kolleginnen und Kollegen – insbesondere, wenn es darum geht, das Schulsystem der Westschweiz und die vielen Fachbegriffe zu verstehen. In Bern wird es umgekehrt sein.

Ein zweisprachiges Studium bedeutet Mehraufwand. Was versprechen Sie sich davon?

Der Abschluss wird mir ermöglichen, sowohl in der Deutsch- als auch in der Westschweiz zu unterrichten. Ich habe also einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt. Und: Das Eintauchen in eine andere Kultur ist enorm bereichernd. Es erweitert den Horizont.

Welche Voraussetzungen sollte man für das zweisprachige Studium mitbringen?

Neugier und Offenheit für die andere Kultur sowie etwas Mut. Der Studiengang nimmt keine Rücksicht auf die unterschiedlichen Sprachkenntnisse der Studierenden. Ich habe mein Studium in Delémont gestartet und musste von Beginn weg auf Französisch klarkommen. Dass nicht alles von Anfang an reibungslos läuft, muss man aushalten können.

Wird ein spezielles Sprachniveau in der Fremdsprache voraus­ gesetzt?

Nein. Wer die Voraussetzungen für die Zulassung zum deutschsprachigen Lehrgang erfüllt, kann auch den bilingualen Studiengang belegen. Aber ein Sprachaufenthalt im Vorfeld ist sicher hilfreich.

Wie schnell haben Sie sich mit der französischen Unterrichts­sprache zurechtgefunden?

Man macht erstaunlich rasch Fortschritte – mündlich wie schriftlich. Nach einigen Monaten habe ich bereits Französisch geträumt. Mein Praktikum in einer französischsprachigen Schule ist ebenfalls gut verlaufen. Die Kinder haben mich gut aufgenommen und unterstützt.

Wo sehen Sie die grösste Heraus­forderung, wo den grössten Mehr­wert des bilingualen Studiums?

Die Herausforderung: Wenn man in Delémont studiert, muss man Französisch zur Erstsprache machen. Wer alles zuerst auf Deutsch übersetzt, wird es schwer haben. Der Mehrwert: Es macht einfach Spass und ist – wie gesagt – eine persönliche und berufliche Bereicherung.

Der Artikel wurde im Februar 2020 in der Bildungsbeilage "Einsteiger" publiziert.

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Daniel Steiner

"Es ist nie zu spät, Lehrerin bzw. Lehrer zu werden"

Sinnstiftend und vielfältig: So beschreibt Daniel Steiner von der Pädagogischen Hochschule PHBern den Lehrberuf. Im Gespräch mit dem "Einsteiger" erklärt er, was den Beruf attraktiv macht. Und er zeigt, welche Wege in den Studiengang "Vorschulstufe und Primarstufe" führen.

Herr Steiner, weshalb sollte jemand Lehrerin bzw. Lehrer werden?

Weil es schlicht der schönste Beruf ist … (schmunzelt). Er ist sinnstiftend und vielfältig. Sinnstiftend, weil Lehrpersonen Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dabei unterstützen, grundlegende Fertigkeiten und Kompetenzen zu erwerben. Kurz: Sie geben ihnen etwas fürs Leben mit. Damit prägen sie auch die Gesellschaft der Zukunft.

Anmerkung: Daniel Steiner ist Leiter des Instituts Vorschulstufe- und Primarstufe der PHBern.

Und was macht den Beruf vielfältig?

Die Lehrpersonen tragen die Verantwortung dafür, dass sich die Kinder in der Schule wohl fühlen und sich optimal entwickeln können. Dabei sind sie auf fachlicher und menschlicher Ebene gefordert. Gefragt sind interessierte, begeisterungsfähige und aufgeschlossene Persönlichkeiten, die den Spielraum zur Gestaltung des Unterrichts kreativ nutzen. Lehrpersonen stehen zudem im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, mit Fachpersonen, mit der Schulleitung, mit den Eltern. Dies alles macht den Beruf vielfältig, interessant und abwechslungsreich.

Viele Berufe haben sich über die Jahre massiv gewandelt. Gilt dies auch für den Lehrberuf?

Ja. Die Zeiten, in denen den Schülerinnen und Schülern Wissen eingetrichtert wurde, sind vorbei. Heute erwarten Eltern und Gesellschaft, dass die Schule auf die individuellen Lernvoraussetzungen und Bedürfnisse der Kinder eingeht. Zu Recht. Die Lehrpersonen müssen die Lernumgebungen und die Lernaufgaben entsprechend gestalten. Zudem sind viele Themen und Herausforderungen hinzugekommen: Heterogenität, Migration, Medien und Informatik, um nur einige zu nennen. Der Lehrberuf ist auf pädagogischer wie auf fachlicher Ebene anspruchsvoller geworden – aber auch interessanter.

Wie sieht die aktuelle Stellensituation im Kanton Bern aus?

Sie ist ausgezeichnet – aus Sicht der Lehrpersonen. Insbesondere auf der Vorschul- und der Primarstufe sind Lehrerinnen und Lehrer gesucht, weil die Schülerzahlen steigen, der Lehrplan 21 mehr Lektionen vorsieht und in den nächsten Jahren überdurchschnittlich viele Lehrpersonen in Pension gehen.

Wie gross ist das Interesse am Lehrberuf?

Wir verzeichnen seit mehreren Jahren steigende Studierendenzahlen. Das zeigt: Der Lehrberuf ist attraktiv. Und: In der Öffentlichkeit wird der Beruf positiver wahrgenommen als vor einigen Jahren.

Der klassische Zubringer zur Lehrpersonenausbildung ist das Gymnasium. Gibt es auch andere Wege in den Studiengang "Vorschulstufe und Primarstufe"?

Selbstverständlich. Insbesondere der Weg via Fachmittelschule und Fachmaturität Pädagogik wird immer beliebter. Er ermöglicht den prüfungsfreien Übertritt in den Studiengang. Beliebt ist auch der Weg über die Berufsmaturität. Berufsmaturandinnen und -maturanden absolvieren allerdings eine Ergänzungs-prüfung. Zu dieser wird auch zugelassen, wer ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis und genügend Berufserfahrung hat. Mit einem Anteil von 55 Prozent ist das Gymnasium immer noch der wichtigste Zubringer. Auf die Berufsmaturität entfallen 17, auf die Fachmaturität Pädagogik 14 Prozent.

Gibt es auch Zugänge für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger?

Ja. Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sind eine grosse Bereicherung für unser Berufsfeld, weil sie zusätzliche Erfahrungen und Kompetenzen einbringen. Wer beispielsweise ein Hochschulstudium abgeschlossen hat, kann prüfungsfrei in den Studiengang eintreten. In der Regel wird dabei ein Teil der erbrachten Studienleistungen angerechnet. Wer älter als dreissig ist, ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis und genügend Berufserfahrung hat, kann "sur dossier" aufgenommen werden. Es ist nie zu spät, Lehrerin bzw. Lehrer zu werden. Wir haben Studierende, die fünfzig und älter sind.

Kann der Studiengang berufsbegleitend ab-solviert werden?

Ja. Die Studierenden haben die Möglichkeit, das Studium in Teilzeit zu absolvieren und daneben einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Vollzeit dauert der Studiengang sechs Semester, Teilzeit mindestens acht Semester.

Einmal Lehrperson, immer Lehrperson? Oder gibt es Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten?

Lehrpersonen der Vorschul- und Primarstufe stehen viele Optionen offen. Sie können sich weiterqualifizieren, beispielsweise zum schulischen Heilpädagogen oder zur Logopädin. Oder sie können ein Lehrdiplom für die Sekundarstufe I erwerben. Möglichkeiten gibt es auch im Bereich der Schulführung: Man kann die Verantwortung für ein Fachgebiet übernehmen, Schul- und Entwicklungsprojekte leiten oder sich zur Schulleiterin bzw. zum Schulleiter weiterbilden. Schliesslich gibt es die Möglichkeit, als Mentorin bzw. Mentor Berufseinsteigende zu begleiten oder in die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen einzusteigen.

Alle im Interview gemachten Aussagen betreffen den an der PHBern und an der NMSBernangebotenenStudiengang "Vorschulstufe und Primarstufe". Für den Einstieg in die Studiengänge "Sekundarstufe I", "Sekundarstufe II" und "Schulische Heilpädagogik" gelten andere Zulassungsbedingungen (siehe www.phbern.ch).

Das Interview wurde im Januar 2019 in der Bildungsbeilage "Einsteiger" publiziert.

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Manuela Sommer in der Bibliothek

"Das Studium ist sehr praxisorientiert"

Manuela Sommer ist ange­hende schulische Heil­pädagogin und studiert im 3. Semester an der Pädago­gischen Hochschule PHBern. Parallel dazu arbeitet sie bereits in ihrem neuen Berufs­feld. Sie mag die Abwechs­lung zwischen Studium und Berufstätigkeit.

Frau Sommer, Sie starteten Ihre Laufbahn mit einer Ausbildung als Kauffrau. Nun studieren Sie an der PHBern schulische Heilpädagogik. Wie kam das alles?

In der Schnupperlehre fand ich Gefallen an der Büroarbeit. Gegen Ende der Lehrzeit entschied ich mich, Lehrerin zu werden. Das war seit  jeher mein Traumberuf. Nach der Lehre arbeitete ich weiter auf meinem Beruf  und  absolvierte  parallel  dazu  die  Passerelle.  Im Anschluss daran belegte ich den   Studiengang Vorschulstufe und Primarstufe an der PHBern.

Sie arbeiteten danach als Lehrerin. Wie gefiel Ihnen die Arbeit?

Sehr gut. Ab meinem zweiten Berufsjahr übernahm ich das Klassenlehramt an einer 5. und 6. Klasse. Es erfüllte mich, Menschen Wissen zu vermitteln und sie während zwei Jahren zu begleiten. Dreimal entliess ich eine 6. Klasse in die Oberstufe – das tat jedes Mal weh.

Und was hat Sie bewogen, dennoch ein weiteres Studium in Angriff zu nehmen?

In der 5. und 6. Klasse stehen wichtige Schulentscheide an. Die Schülerinnen und Schüler werden in dieser Zeit stark auf ihre Leistungen in Mathematik, Französisch und Deutsch reduziert. Dieses selektive Schulsystem widerspricht meinen Wertvorstellungen. Ich möchte mich mehr auf die Kompetenzen und Stärken fokussieren. Mich überzeugt an der Schulischen Heilpädagogik der Auftrag des Förderns, Begleitens und Unterstützens im Gegensatz zum Beurteilen und Selektionieren.

Sie absolvieren das Teilzeitstudium. Wie muss man sich Ihren Studien­alltag vorstellen?

Das Studium ist modulartig aufgebaut, daher bin ich sehr individuell unterwegs. Ich besuche an zwei Tagen Vorlesungen und Seminare. Darüber hinaus gilt es, Texte zu lesen, Gruppenaufträge zu erledigen sowie Arbeiten und Prüfungen zu schreiben. Das Studium ist sehr praxisorientiert. Wir analysieren oft konkrete Praxisbeispiele. In meiner Schulpraxis werde ich zudem von einer Dozentin begleitet.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Sehr abwechslungsreich. Ich wechsle alle 45 bis 90 Minuten den Arbeitsort und treffe mich mit Schülerinnen und Schülern in Einzelsettings zu Coachinggesprächen oder Fördersequenzen, arbeite mit Kleingruppen zu einem bestimmten Thema, unterrichte im Teamteaching, bespreche mich mit Lehrpersonen, tausche mich mit Eltern aus und schreibe heilpädagogische Berichte. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich an meiner Schule als Lehrperson weiterarbeiten und nach und nach Lektionen als schulische Heilpädagogin übernehmen konnte.

Wie schwierig ist es, Studium und Arbeit unter einen Hut zu bringen?

Es ist eine Doppelbelastung. Eine gute Planung ist daher wichtig. Ich bin dankbar für alles, was ich in den Zwischensemestern des Studiums für die Schule vorbereiten kann und schätze es, in den Schulferien die Aufträge für das Studium erledigen zu können. Ferien kommen zurzeit definitiv zu kurz.

Welches sind die schönsten Momente Ihres Studien­ beziehungs­weise Ihres Berufsalltags?

Zusammen lachen, gemeinsam Ziele Beim Selbststudium in der Bibliothek der PHBern: Manuela Sommer.verfolgen und sich freuen, wenn diese erreicht werden. Im Studium schätze ich die interessanten Diskussionen und die Auseinandersetzungen mit der Theorie. Im Berufsalltag schätze ich es, Entwicklungen von jungen Menschen begleiten und unterstützen zu dürfen. Ich mag die Abwechslung zwischen Studium und Berufstätigkeit.Im Sommer 2021 schliessen Sie Ihr Studium ab.

Was bleibt zu tun?

Mitte Januar gilt es erst einmal, die Hälfte meiner Ausbildung zu feiern. Ein wichtiger Brocken liegt noch vor mir: die Masterarbeit. Ich orientiere mich bereits ein wenig an den Studierenden des 5. Semester. Sie sind gerade mit dieser Arbeit beschäftigt.

Das Interview wurde im Dezember 2019 in der Bildungsbeilage "Einsteiger" publiziert.

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