Angehende Lehrpersonen gestalten die Stadt von morgen

Studierende des Instituts Sekundarstufe I entwickeln in "Urban Futures" Lösungen für lebenswerte Stadtquartiere der Zukunft. Die interdisziplinäre Lerngelegenheit der PHBern ist eine Kooperation mit der Berner Fachhochschule und bringt Dozierende wie auch Studierende beider Hochschulen zusammen.
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Urban Futures: Warmbächli Begehung Aussenraum

Bei der Begehung der Hubergasse-Siedlung sehen die Studierenden diverse Begrünungsvarianten.

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Wie wollen wir künftig leben? Und wie gestalten wir unsere Städte nachhaltig? In der Lerngelegenheit "Urban Futures" setzen sich Studierende der PHBern und der Berner Fachhochschule (BFH) genau mit solchen Fragen auseinander. Sie erleben Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) am realen Objekt, nämlich dem Meinen-Areal in Bern. Die Lerngelegenheit vereint aktuell Studierende aus Pädagogik, Kreislaufwirtschaft und Sozialer Arbeit, sie steht jedoch grundsätzlich allen Studienrichtungen offen.

Ein Höhepunkt ist der Besuch der Wohnsiedlung und Genossenschaft Warmbächli in Bern. Sie zeigt, wie alternative Wohnformen im verdichteten urbanen Kontext aussehen. PHBern-Dozent Moritz Gubler weiss, "dass es für viele ein Augenöffner ist. Sie sehen neue Wohnformen, diskutieren mit den Bewohnerinnen und Bewohnern von Gross-WGs und merken: So kann man auch leben."

Gelebte Interdisziplinarität

Der interdisziplinäre Ansatz ist zentral. Die Dozierenden der PHBern und der BFH wollen weg von isolierten Fachbereichen und hin zu vernetztem Denken. "Pete" Patrick Bürgy, Dozent der PHBern, formuliert es so: "Themen wie Kreislaufwirtschaft, Design, nachhaltige Architektur oder urbane Begrünung lassen sich nicht in einem Fachbereich lösen. Interdisziplinarität ist kein Nice-to-have, sondern ein Need-to-have." Dank der fächerübergreifenden Teamarbeit und dem Bezug zu realen Bauprojekten entwickeln die Studierenden Kompetenzen, die sie direkt in den Unterricht mitnehmen können. "Die Zusammenarbeit mit Studierenden anderer Fachrichtungen ist extrem bereichernd", sagt Laura Cottier, PHBern-Studentin. "Man denkt automatisch breiter."

Auch die Zusammenarbeit im Teamteaching zwischen der PHBern und der BFH prägt die Lerngelegenheit. "Wir ergänzen uns fachlich und didaktisch", so Moritz Gubler. "Und die Studierenden profitieren von diesen unterschiedlichen Blickwinkeln."

Stadtklima, Architektur, Raumplanung, Urban Forestry

"Urban Futures" lädt ein zu einer Vielfalt der Perspektiven. Dario Belli, Student an der PHBern, erklärt, dass vor allem die architektonische und die landschaftsarchitektonische Perspektive äusserst spannend seien, da sie Einblicke biete, die er sonst bei reinen pädagogischen Lerngelegenheiten nicht hätte. Laura Cottier bestätigt: "Ich konnte mein Wissen in Raumplanung und über den Einfluss von Grünflächen erweitern. Auch Experimente zum Stadtklima oder Stadtspaziergänge mit Fachpersonen machen komplexe Inhalte greifbar. Ich verstehe jetzt, wie Begrünung oder Entsiegelung konkret wirken." BFH-Dozent Joachim Huber doppelt nach: "'Urban Futures' ist gewissermassen Architektur für Nicht-Architekturfachpersonen – mit dem Ziel, nachhaltiges Wissen in die Schulen zu bringen."

Unterrichten mit Praxisbezug

Auch deshalb ist die Lerngelegenheit so beliebt. Für angehende Lehrpersonen ist der Transfer in den eigenen Unterricht zentral. "Ich kann mir gut vorstellen, daraus ein Unterrichtsprojekt zu entwickeln", sagt Dario Belli. Laura Cottier ergänzt: "Der Praxisbezug hilft enorm." Sie sieht die Chance, kreativ und fächerübergreifend zu arbeiten und ein konkretes Praxisprodukt zu entwickeln und später Stadtentwicklung als Thema direkt in den eigenen Unterricht zu tragen. 

Lernen durch eigenes Tun

Die Studierenden führen ihre Erkenntnisse aus den Experimenten und Analysen zusammen und entwickeln im Design-Thinking-Prozess eigene Siedlungsentwürfe und physische Modelle. Am Ende der Lerngelegenheit präsentieren sie diese einer Jury aus Fachpersonen in Architektur, Sozial- und Grünraumplanung und Stadtentwicklung, die ihnen fachliches Feedback gibt. "Es freut uns, dass die Qualität der Modelle und der konzeptionellen Ideen sehr hoch ist, trotz der Komplexität der Aufgabe", so "Pete" Patrick Bürgy. Bei der Erstellung der Modelle und Konzepte arbeiten die Studierenden mit sogenannten Personas. Sie nehmen dabei unterschiedliche Rollen der beteiligten Gruppen ein und treffen Entscheidungen aus verschiedenen Perspektiven. Fragen wie "Wie kombiniert man kühlende, entsiegelte Aussenräume mit barrierefreier Mobilität?" oder "Wie entstehen Gemeinschaftsräume und wer nutzt den öffentlichen Raum?" gehören dazu. "Das zwingt uns, wirklich abzuwägen", so Dario Belli. "Einfache Lösungen gibt es nicht." Diese Komplexität ist gewollt, bestätigt Moritz Gubler: "Wir muten den Studierenden einiges zu. Für uns wird sichtbar, dass komplexe Themen auch komplex wiedergegeben werden und in den Unterricht eingebracht werden können."

Wachsende Nachfrage

Die Lerngelegenheit "Urban Futures" hat sich seit der ersten Durchführung 2023 etabliert. Was ursprünglich als Experiment gestartet ist, ist heute fest im Lernangebot des Studiengangs Sekundarstufe I verankert – mit wachsender Nachfrage, wie der Anmeldehöchststand 2026 zeigt.