Das Lehrerpult faszinierte Michelle Linder schon am ersten Schultag: Voller bunter Stifte und glitzernder Sticker stand es riesengross vor ihr. Für die Erstklässlerin war es eine kleine Schatzkammer. Schon bald spielte sie zu Hause selbst Lehrerin, erklärte ihrer jüngeren Schwester die Buchstaben und das Einmaleins, klebte Sticker auf Arbeitsblätter und übte sogar das Korrekturhäkchen. Ihr Kindertraum war, eines Tages selbst eine Klasse zu unterrichten.
Michelles Vorbild war ihre Französischlehrerin. Sie unterrichtete mit viel Freude, Kreativität und ausschliesslich auf Französisch. Spielerische Ideen machten die Lektionen unvergesslich. So wurden Zahlen beispielsweise an die Wandtafel gemalt und anschliessend mit dem Tafelschwamm "getroffen". Für die heutige Studentin war das eine wichtige Erkenntnis: Unterricht kann Wissen vermitteln und gleichzeitig richtig Spass machen.
Viele Studienwege statt Schablone
Michelles Werdegang an der PHBern passt in keine Standardschublade. Zuerst absolvierte sie den bilingualen Bachelor Primarstufe der PHBern und der Partnerhochschule HEP-BEJUNE . Heute erweitert sie ihre Ausbildung mit dem Master Stufenerweiterung am Institut Sekundarstufe I. "Jugendliche bringen ihre eigenen Ideen, Ansichten und Interessen ein", sagt sie. "Das reizt mich." Für Michelle ist guter Unterricht deshalb kein Einbahnverkehr. Er soll Neugier wecken, Gespräche auslösen und Wissen erweitern. Und im besten Fall bleibt er noch Jahre später im Kopf.
Mit der Stufenerweiterung eröffnet sich Michelle ein aussergewöhnlich breites Berufsfeld: Nach dem Abschluss kann sie vom Kindergarten bis zur 9. Klasse unterrichten – und zwar zweisprachig. "Dass ich als Primarlehrperson direkt den Master der Stufenerweiterung absolvieren kann, finde ich genial."
Ihr Weg zeigt: Ein Studium muss nicht nach Schema F verlaufen.
Individuelle Lösungen möglich
An der PHBern werden bereits erworbene Kompetenzen, persönliche Voraussetzungen und individuelle Ziele berücksichtigt.
Ein besonderer Studienweg bringt aber auch neue Fragen mit sich. Da Michelles Kombination aus bilingualem Bachelor und Stufenerweiterung noch wenig erprobt ist, gibt es nicht für jede Situation bereits eine Standardlösung. Teilweise musste individuell geklärt werden, welche Leistungsnachweise oder Modulanforderungen für sie gelten. Dabei zeigten die Dozierenden und Institutsmitarbeitenden Offenheit und Kooperationsbereitschaft.
Michelle Linder hat daraus aber auch etwas Wichtiges mitgenommen: Es gibt Lösungen – auch für Studienwege, die nicht dem klassischen Muster entsprechen. Und von den Erfahrungen, die sie gesammelt hat, können künftig weitere Studierende profitieren.
Praxis, die Sicherheit für den Lehrberuf gibt
Besonders wichtig war für Michelle Linder das Praktikum. Hier tauchte sie unmittelbar in den Alltag auf der Sekundarstufe I ein. Theorie wurde zur Praxis: Sie plante Unterricht, stand vor der Klasse und reflektierte danach ihre Erfahrungen.
Das Praktikum war intensiv und anspruchsvoll. Gleichzeitig bestärkte es sie in ihrer Studienwahl. Genau diese Praxiserfahrung ist für die Ausbildung am Institut Sekundarstufe I zentral. Studierende erproben, was sie im Studium lernen, und entwickeln die Kompetenzen, die sie später im Schulalltag brauchen.
Unterstützung durch die Dozierenden
Neben der Praxis schätzt sie besonders die persönliche Unterstützung durch die Dozierenden. Vor einem anspruchsvollen Leistungsnachweis nahmen sich Dozierende Zeit für sie und beantworteten ihre brennenden Fragen.
Das half ihr, schwierige Inhalte zu verstehen und sich gezielt vorzubereiten. Mit Erfolg: Michelle bestand auch die schwierigste Prüfung und erreichte damit ein wichtiges Ziel. Sie darf künftig die Fächer Deutsch, Mathematik und Französisch unterrichten. Für sie einer der schönsten Erfolge an der PHBern.
Abwechslungsreich, herausfordernd und erfüllend
Mit diesen drei Worten beschreibt Michelle ihr Studium. Herausfordernd, da ihr individueller Weg auch Abklärungen und Flexibilität von Dozierenden verlangte. Und erfüllend und abwechslungsreich wie eben der Schulalltag. "Jeder Tag ist ein Abenteuer und fordert mich auf unterschiedlichen Ebenen", erklärt Michelle. Und was für eine Lehrerin möchte sie sein? "Ich möchte mich selbst sein und meine Schülerinnen und Schüler mit meiner Motivation im Unterricht anstecken."
Aus Stickern, bunten Stiften und einer kleinen Wandtafel ist längst mehr geworden als ein Kinderspiel. Es ist eine Laufbahn als Lehrperson geworden, die sich Michelle mit viel Engagement ermöglicht hat und zu ihr passt.