Herausfordernde Personalsituationen: Was Schulleitungen tun können

Gerade in Zeiten des Lehrpersonenmangels müssen Schulleitungen in das Personalmanagement investieren. Ein Forschungsprojekt zeigt, wie verschieden dabei die Handlungsspielräume von Schulleitungen sind. Die Resultate werden am 12. Juni an der Transfertagung "Personalmanagement an Schulen" der PHBern vorgestellt und mit Schulleitungen, Behörden und Forschenden diskutiert.
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Regula Windlinger und Michelle Jutzi forschen zur Personalführung an Schulen.

Regula Windlinger und Michelle Jutzi untersuchen die unterschiedlichen Handlungsspielräume von Schulleitenden – ein zentrales Thema der Transfertagung "Personalmanagement an Schulen" am 12. Juni.

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Personalmanagement an Schulen

Das Forschungsprojekt Personalmanagement an Schulen hat die gesetzlichen Regelungen aller 26 Kantone zu Anstellung, Personalentwicklung und Honorierung verglichen mit dem, was Schulleitende im nationalen Schulleitungsmonitor über ihren Alltag berichten. 

Die Studie wird von Michelle Jutzi, Leiterin des Schwerpunktprogramms Governance im System Schule, gemeinsam mit Regula Windlinger geleitet. Im Interview geben die beiden erste Einblicke in ihre Forschung – und in die Themen der Transfertagung.

Michelle Jutzi und Regula Windlinger, Ihre Forschung hat die Regelungen aller 26 Kantone analysiert. Welcher Befund hat Sie besonders überrascht?
Michelle Jutzi: Im föderalistischen Bildungssystem der Schweiz werden selten kantonsübergreifende Studien gemacht, die sich mit Fragen der Bildungssteuerung auseinandersetzen. Ein Grund ist, dass sich die kantonalen Gesetzesgrundlagen deutlich voneinander unterscheiden. Diese Heterogenität war eine grosse Herausforderung, weil wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Kantonen herausarbeiten mussten. Gleichzeitig setzen die 26 Kantone unterschiedliche Behörden mit unterschiedlichen Bezeichnungen und Kompetenzen ein. Sich dazu einen Überblick zu verschaffen, braucht Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen. 

Gibt es Kantone, die ihre Regelungen in den letzten Jahren aktiv angepasst haben? Mit welchem Effekt?
Regula Windlinger: Ja, ein Beispiel ist der Kanton St. Gallen, der sich im Moment im Prozess der Totalrevision des Volksschulgesetzes befindet. Wir müssen uns jedoch bewusst sein, dass die Kantone lange Traditionen in der Bildungssteuerung und -organisation haben. Es kann gut sein, dass sich auch durch eine Totalrevision nur wenig in der Praxis verändert, weil bildungspolitische Mechanismen und Aushandlungsprozesse schwer steuerbar sind. 

Jutzi: Häufiger werden gesetzliche Grundlagen in Teilrevisionen überarbeitet. Ein Beispiel ist der Kanton Bern mit der Teilrevision des Volksschulgesetzes (REVOS 08), bei welcher die Kompetenzbereiche von Gemeinde und Schulleitung neu aufgeteilt wurden. Oft verändert sich die Praxis bereits vor den gesetzlichen Grundlagen, sodass neue Regelungen die bestehende Realität abbilden. 

In manchen Kantonen haben Schulleitende kaum Einfluss auf Anstellung oder Honorierung. Wie können Sie unter solchen Bedingungen auf den Lehrpersonenmangel reagieren?
Windlinger: Die Kantone machen oftmals klare Vorgaben zu den Anstellungsbedingungen, die von den Gemeinden als Schulträgerinnen übernommen werden müssen. Im Kanton Solothurn gibt es sogar einen Gesamtarbeitsvertrag für die Lehrpersonen. 

Handlungsspielraum für Schulleitende besteht jedoch bei der Honorierung – zum Beispiel im Kanton Baselland. Hier kann die Anstellungsbehörde eine einmalige Prämie für besonders qualifizierte Leistungen von Lehrpersonen beantragen. 

Jutzi: In manchen Kantonen ist es allerdings nicht erlaubt, Lehrpersonen monetäre Vorteile anzubieten, damit sich die Gemeinden nicht gegenseitig konkurrieren. Schulleitungen können aber beim Stundenplan oder der Höhe des Pensums entgegenkommen. Das sind nicht-monetäre Anreize. 

Welche gesetzlichen Änderungen wären nötig, damit Schulen eigenständiger auf Personalengpässe reagieren können?
Jutzi: Eine Möglichkeit, die schon in manchen Kantonen umgesetzt wird, ist, den Handlungsspielraum der Schulleitenden hinsichtlich der Rekrutierung in den kantonalen Richtlinien klar festzuhalten – das heisst, den Schulleitenden die Kompetenz zu übertragen, Lehrpersonen direkt auswählen und anstellen zu können. In manchen Kantonen wird dies auf Gemeindeebene verlagert, wie zum Beispiel im Kanton Bern. Die Gemeinde wiederum kann diese Kompetenz an die Schulleitung delegieren. So sind innerhalb eines Kantons starke Unterschiede möglich, wie die Kompetenzen hinsichtlich der Rekrutierung aussehen. 

An der Transfertagung kommen Schulleitungen und Behörden zusammen. Was erhoffen Sie sich von diesem Austausch?
Windlinger: Wir möchten zeigen, dass Personalmanagement ein zyklischer Prozess ist, der für alle die gleichen Teilprozesse umfasst. Da die Handlungsspielräume in der Praxis aber sehr unterschiedlich wahrgenommen werden, schaffen wir an der Tagung Raum für einen Austausch über alle Ebenen hinweg.

Sie forschen zu Governance und Schulführung. Was treibt Sie an diesem Thema persönlich an?
Jutzi: Für uns ist wichtig, dass unsere Forschungsergebnisse an die Praxis und Bildungspolitik anschlussfähig sind. Darum versuchen wir – wie im Projekt Personalmanagement an Schulen – zu Themen zu forschen, die Schulleitende, -behörden und -verwaltung heute und in Zukunft beschäftigen.

Wir möchten zeigen, dass Personalmanagement ein zyklischer Prozess ist, der für alle die gleichen Teilprozesse umfasst. Da die Handlungsspielräume in der Praxis aber sehr unterschiedlich wahrgenommen werden, schaffen wir an der Tagung Raum für einen Austausch über alle Ebenen hinweg.
Michelle Jutzi, Regula Windlinger  -  Projektleiterinnen

Transfertagung 2026

Die vollständigen Ergebnisse der Studie werden an der Transfertagung "Personalmanagement an Schulen" am 12. Juni 2026 vorgestellt und diskutiert.

Die Veranstaltung bringt Schulleitungen, kantonale und kommunale Behörden sowie Forschende zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Handlungsspielraum Schulleitende im Bereich Personalmanagement haben, besonders in der aktuell angespannten Personalsituation.

Die PHBern organisiert die Transfertagung gemeinsam mit dem VSLCH, der CLACESO und dem nationalen Schulleitungsmonitor (SLMS).

Das erwartet Sie

Die Transfertagung bietet:

  • Forschungsbefunde aus allen 26 Kantonen, direkt gegenübergestellt
  • Interkantonaler Austausch zwischen Praxis, Politik und Wissenschaft
  • Zweisprachige Diskussionen über den Röstigraben hinaus
  • Diskussion über unterschiedliche Ansätze in der Personalführung

Freitag, 12. Juni 2026, 10.00–15.00 Uhr
Eventfabrik Bern, Fabrikstrasse 12, 3012 Bern

Bildung schafft Chancen – dafür setzen sich die Forschenden der PHBern ein.

Das Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation der PHBern fördert mit exzellenter Forschung, gezielter Nachwuchsförderung und einem offenen Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen hochwertige Bildung für alle.