Lehrer werden – mit einem gut gefüllten Kompetenzkasten

Eigentlich wollte Lucas Tracey Architekt werden. In der Oberstufe merkte er aber, wie wichtig eine Lehrperson für Jugendliche sein kann. Jetzt studiert er am Institut Sekundarstufe I an der PHBern und füllt seinen persönlichen Kompetenzkasten mit viel Elan.
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Lucas Tracey Studi-Porträt
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Nicht immer ging Lucas gerne zur Schule. Doch das änderte sich mit einer prägenden Erfahrung: "Ich habe als Schüler erlebt, wie stark dieser Beruf Jugendliche positiv beeinflussen kann", sagt der gebürtige Australier. Nach diversen Umzügen zog die Familie nach Bern. Hier erlebte er an der Oberstufe, wie Lehrpersonen ihn unterstützten, begleiteten und stärkten. Beziehungen sind entstanden, die bis heute bestehen. "Das hat mich beeindruckt. Lehrperson sein ist mehr als nur Wissen vermitteln. Es ist schon fast eine Berufung." Lucas Tracey studiert im 7. Semester am Institut Sekundarstufe I und absolvierte 2025 ein Auslandsemester in Montpellier. Jetzt unterrichtet er an der Berner Schule Baumgarten in der Oberstufe unter anderem Englisch, Französisch, Sport und Bildnerisches Gestalten.

"Es gibt wenige Tage, an denen ich hinterfrage, warum ich diesen Beruf mache. Es motiviert mich einfach, mit den Kids zu arbeiten, sie beim Lernprozess zu begleiten." Alles, was er in die Beziehung und die Vermittlung stecke, komme auch zurück.

Lehrperson sein ist mehr als nur Wissen vermitteln. Es ist schon fast eine Berufung.
Lucas Tracey  -  Student Sekundarstufe I

7 Bausteine, wie man zur kompetenten Lehrperson wird

Während des Studiums an der PHBern füllt Lucas Schritt für Schritt seinen persönlichen Kompetenzkasten – und damit die Grundlage für einen Beruf, der unglaublich viele Facetten hat und weit über Unterricht hinausgeht.

1. Unterricht planen und strukturieren
Ein zentraler Bestandteil seines Kompetenzkastens ist die Planung. "Ich habe gelernt, wie man Unterricht sinnvoll aufbaut, von der Makroplanung bis zur Mikroplanung einer einzelnen Lektion", erklärt er. Das war nützlich für seine ersten Unterrichtserfahrungen. Ebenso weiss Lucas Tracey jetzt, "welche Kompetenzen ich bei den Jugendlichen wie ansteuern kann, wie ich klare Aufgaben erteile und wie komplexe Aufträge formuliert sein müssen".
 2. Beurteilen und fördern
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Beurteilung. "Das Wissen, welche Vorteile summative oder formative Beurteilungen haben und wie ich sie entsprechend ins Schuljahr einplanen kann, ist wertvoll", sagt er und fährt gleich fort: "Oder was in Standortgesprächen thematisiert werden muss." Diese Kompetenzen helfen ihm, Lernprozesse gezielt zu begleiten und den Lernenden zu helfen, die Lernziele zu erreichen.
3. Klassen führen – den eigenen Weg finden
Klassenführung lässt sich nicht nur theoretisch lernen. "Man erhält im Studium viele Konzepte zur Hand", sagt er. "Aber erst im Unterricht habe ich gemerkt, welche Art der Klassenführung zu mir passt." Die Praktika seien deshalb entscheidend. "Dort passiert das eigentliche Lernen." Insgesamt absolvieren Studierende der Sekundarstufe I mehrere Praktika, davon eines, das ein ganzes Semester dauert. Das Semesterpraktikum hat Lucas nächstes Schuljahr geplant.
4. Fachliche Sicherheit
Besonders in seinen vier gewählten Fachbereichen hat er gezielt Fachkompetenzen aufgebaut. "In Sport und Bildnerischem Gestalten wird vieles sehr praxisnah gelehrt", erklärt er. "Es ist direkt für den Unterricht anwendbar – das hilft enorm." Auch im Sprachunterricht profitiert er vom Studium. "Man nimmt viel Know-how mit – gerade für die Planung und Umsetzung in den einzelnen Lektionen. Mittlerweile ist Französisch sogar mein Lieblingsfach als Lehrer."
5. Organisation und Selbstmanagement
Neben fachlichen Kompetenzen entwickelte er auch persönliche Fähigkeiten. "Ab dem ersten Semester musste ich lernen, meine Zeit einzuteilen", sagt er. "Ohne Kalender ging plötzlich nichts mehr." Diese Fähigkeit ist heute zentral für seinen Berufsalltag und fürs Studium.
6. Horizonterweiterung
Ein besonderes Element seines Kompetenzkastens ist internationale Erfahrung. Während eines Semesters in Montpellier, Frankreich, unterrichtete er Deutsch. "Das war sehr spannend – einerseits erhielt ich einen Einblick in das französische Schulsystem. Und ich erlebte Deutsch als Zweitsprache hautnah."
7. Berufsverständnis und Reflexion
Der wichtigste Baustein ist für ihn jedoch die eigene Haltung. Durch den Beruf setzt er sich immer wieder mit dem Lernen auseinander. "Ich habe den Anspruch, dass ich immer Neues dazulerne und die Inhalte, die ich vermittle, auch gründlich kenne." Ebenso wichtig sei die Selbstreflexion: "Man muss sich ständig hinterfragen, was man tut und warum." Dazu gehört auch ein grundlegender Optimismus. "Als Lehrer muss ich daran glauben, dass sich Schülerinnen und Schüler entwickeln können. Gebe ich das auf, verliere ich den Sinn meines Jobs. Dieser Glaube sollte fast bedingungslos sein."
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Lucas Tracey Porträt im BG-Raum

Lucas Tracey: "Ich habe als Schüler erlebt, wie stark Lehrpersonen Jugendliche positiv beeinflussen können."

Last, but not least… warum die PHBern?

Einerseits fühlt sich Lucas Tracey in Bern zuhause, darum "war immer klar, dass ich an der PHBern studieren würde." Ein grosser Vorteil ist für ihn die persönliche Atmosphäre. "Es ist nicht anonym. Die Studierenden arbeiten in kleineren Gruppen, der Austausch ist intensiv und daraus entstehen Freundschaften", erzählt Lucas. "Auch der Kontakt zu Dozierenden ist eng und wertvoll."

Gleichzeitig bietet das Studium viel Flexibilität. "Ich kann meinen Stundenplan individuell gestalten und deshalb Studium und Beruf gut kombinieren." Diese Freiheit fordert aber auch Eigenverantwortung. "Man muss sich aktiv mit der Studienplanung auseinandersetzen."

Der Kompetenzkasten wächst weiter

Heute ist sein Kompetenzkasten bereits gut gefüllt. Wahrscheinlich wird er nie ganz voll sein, sondern zusammen mit seinem Inhalt weiterwachsen. "Ich bin noch lange nicht fertig", so Lucas. "Aber ich habe die Werkzeuge, um weiterzulernen."

Und wer Lucas’ Weg weiterverfolgen möchte, kann das tun: Er erstellt für das Studi-Tagebuch Beiträge über seine Erfahrungen im Studium. www.phbern.ch/studi-tagebuch