Relevanz und Übersicht
Das vorliegende IdeenSet thematisiert den Nahostkonflikt aus multiperspektivischer Sicht und wurde schwerpunktmässig für den Unterricht in den Fächern ERG (Ethik, Religionen, Gemeinschaft) und RZG (Räume, Zeiten, Gesellschaften) des 3. Zyklus konzipiert. Es kann auch in der Sekundarstufe II eingesetzt werden.
Ziel ist es, historische und aktuelle Entwicklungen im Nahen Osten aus verschiedenen Perspektiven verstehbar zu machen. Gleichzeitig sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, unterschiedliche Sichtweisen einzuordnen, Polarisierung und diskriminierende Deutungsmuster zu erkennen, Medieninhalte kritisch zu beurteilen und eigene Standpunkte zu reflektieren.
Das IdeenSet umfasst modular einsetzbare Unterrichtseinheiten zum historischen Hintergrund des Nahostkonflikts, zu weiteren gesellschaftlichen und lebensweltlichen Perspektiven, zu Diskriminierung sowie zu medialer Darstellung und sozialen Medien. Die einzelnen Module können unabhängig voneinander oder aufeinander aufbauend eingesetzt werden.
Vorstellungen und Vorkenntnisse
Schülerinnen und Schüler begegnen dem Nahostkonflikt in Nachrichten, sozialen Medien, Gesprächen und teilweise auch über persönliche oder familiäre Bezüge. Entsprechend unterschiedlich sind ihr Vorwissen, ihre Perspektiven und ihre emotionale Beteiligung.
Das IdeenSet knüpft an diese Vorstellungen an, klärt zentrale Begriffe und ordnet historische und aktuelle Entwicklungen ein. Die Lernenden werden dazu angeregt, zwischen Beobachtung und Zuschreibung, Information und Meinung sowie politischer Kritik und pauschaler Abwertung von Menschengruppen zu unterscheiden. Unterschiedliche Erfahrungen und Positionen dürfen sichtbar werden, ohne dass Schülerinnen und Schüler persönliche oder familiäre Bezüge offenlegen müssen.
Methodische Ausrichtung
Das IdeenSet orientiert sich an didaktischen Prinzipien wie Multiperspektivität, Kontroversität, Subjektorientierung und Kompetenzorientierung. Zum Einsatz kommen unter anderem Bild- und Quellenanalysen, narrative Vergleiche, Textarbeit, Fall- und Zitatkarten, Lernquiz, Galeriegänge, Medienanalysen sowie dialogische Methoden. Die Materialien liegen differenziert vor und ermöglichen eine Anpassung an unterschiedliche Lernvoraussetzungen.
Ein besonderer Stellenwert kommt der Urteils- und Dialogfähigkeit zu. Kontroverse politische Positionen sollen im Unterricht zur Sprache kommen und begründet diskutiert werden können. Gleichzeitig werden diskriminierende, pauschalisierende oder menschenfeindliche Aussagen nicht als gleichwertige politische Positionen behandelt. Die Lehrperson übernimmt deshalb eine moderierende und schützende Rolle: Sie ordnet Quellen und Aussagen ein, ermöglicht Perspektivenwechsel und zieht dort Grenzen, wo Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen Zugehörigkeit abgewertet werden.
Bei emotionalisierenden oder belastenden Medieninhalten ist eine sorgfältige Auswahl und Kontextualisierung wichtig. Insbesondere Gewaltbilder oder diskriminierende Inhalte müssen nicht gezeigt oder weiterverbreitet werden, wenn der Lernzweck auch mit anonymisierten, konstruierten oder weniger belastenden Beispielen erreicht werden kann.
Lerngegenstand und thematische Schwerpunkte
Die Unterrichtseinheiten zum historischen Hintergrund führen entlang zentraler Schlüsselphasen in den Nahostkonflikt ein: von der Mandatszeit und der Staatsgründung Israels über die unterschiedlichen Narrative zu Unabhängigkeit und Nakba bis zu späteren Entwicklungen und dem 7. Oktober 2023 und seinen Folgen. Ergänzende Einheiten erweitern die Perspektive um Religionen, die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen in Israel und Gaza, Wasser als Konfliktfaktor, Friedensinitiativen sowie Reflexion und Transfer.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Diskriminierung: Ausgehend von allgemeinen Mechanismen der Diskriminierung und Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit setzen sich die Lernenden vertieft mit Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus auseinander. Dabei geht es sowohl um historische und gesellschaftliche Zusammenhänge als auch um die Fähigkeit, aktuelle Aussagen und Zuschreibungen zu erkennen, einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren. Zentral ist die Unterscheidung zwischen legitimer Kritik an politischen Akteuren, Ideologien oder Religionen und der pauschalen Abwertung von Menschengruppen.
Die Unterrichtseinheiten zu medialer Darstellung und Social Media greifen auf, dass Bilder, Schlagzeilen, Kurzvideos und Posts die Wahrnehmung des Nahostkonflikts wesentlich mitprägen. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Bildsprache und mediale Zuschreibungen, prüfen Quellen und Kontexte und beschäftigen sich mit Desinformation, Verschwörungserzählungen sowie dem Umgang mit problematischen und gewalthaltigen Inhalten.