MAS-Arbeit zu "Diffusität gestalten"

Einblick in eine Abschlussarbeit im MAS Bildungsmanagement zur Innensicht von Schulkommissionen kleiner Schulgemeinden im Kanton Bern.
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(GSC/CMC) Wie nehmen Schulkommissionspräsidentinnen und -präsidenten ihre Arbeit und ihre Aufgabe wahr? Diese Frage steht im Zentrum der MAS-Abschlussarbeit von Daniela Schädeli. Sie blickt in dieser hinter die Kulissen von Schulkommissionen. Im Theorie-Teil beschreibt sie die wichtigsten Konzepte zum Milizsystem der Schweiz, zu den kommunalen Schulbehörden, zu Modellen der Führung und Steuerung und zu den Besonderheiten des Schulsystems. Im empirischen Teil befragt sie online 140 Schulpräsidentinnen und -präsidenten. Und sie führt vier vertiefende Leitfaden-Interviews. Ihre Erkenntnisse sind einerseits ermutigend. Andererseits machen sie die Grenzen und Unklarheiten des aktuellen Systems bewusst.

Viel Motivation – wenig Wissen

Die Online-Befragung (Rücklaufquote: knapp 50 %) zeigt, warum man sich in Schulkommissionen engagiert: Interesse am Thema Bildung wegen der eigenen Kinder, Dienst an der Gesellschaft und Mitgestaltung der Schule. Als drängende Probleme werden der Lehrpersonenmangel sowie die Überlastung der Schulleitungen geschildert. Spezifisches Fachwissen zu schulischen Themen fehlt zumeist, die Rekrutierung von Schulkommissionsmitgliedern verläuft auf informellem Weg. Schulkommissionen verstehen sich kaum als strategisches Organ, sondern betonen vor allem die Brückenfunktion zu den Eltern und zur Gemeinde. Die Leitfaden-Interviews vertiefen einzelne Fragen. In diesen zeigt sich:

  • die Befragten erlebten in der Regel keine Einführung in ihre Aufgabe
  • sie sind sich ihrer Wissenslücken eher nicht bewusst
  • um wirksam sein zu können, müssen Schulkommissionen sehr partizipativ arbeiten

Ihre Aufgabe verstehen die Befragten vor allem als unterstützend. Sie berichten häufig von einem Machtgefälle zum Gemeinderat, der in finanziellen Dingen letztendlich entscheidet.

Knackpunkt: Braucht es Schulkommissionen noch?

Die Autorin deutet ihre Ergebnisse so, dass Schulkommissionen "Diffusität gestalten" und dass sie sich dieser Unklarheit häufig nicht bewusst sind. In ihrem Ausblick verweist sie auf Diskussionen, ob es Schulkommissionen überhaupt noch braucht. Der Regierungsrat des Kantons Aargau hat z.B. beim Grossen Rat beantragt bis Ende 2021 alle Schulpflegen (analog Schulkommissionen) abzuschaffen. Das Hauptargument: die Trennung von strategischer (durch die Schulkommission) und finanzieller Führung (durch den Gemeinderat) sei nicht sinnvoll. Darauf gibt es nach Ansicht der Autorin zwei Szenarien:

  • Wenn das Hauptargument für Schulkommission die Funktion als Resonanz-Gremium und die Unterstützung bei schulischen Anlässen ist, bestehen Alternativen. Z.B. bietet sich die Abschaffung der Schulkommissionen und die Bildung eines Elternrates oder wie im Kanton Neuenburg eines Conseil d`établissement scolaire (CES) als Resonanz-Gremium mit sehr beschränken Entscheidungskompetenzen an.
  • Als zweites Szenario ist denkbar, die Schulkommission im Sinne einer Kompetenzverschiebung zu stärken. Dies bedeutet: gezielte Weiterbildung und die Übernahme der finanziellen Kompetenz in schulischen Fragen.

Daniela Schädeli, die Autorin, ist Schulleiterin an einer kleinen Primarschule im Kanton Bern (hier definiert als Schulgemeinden mit weniger als 3000 Einwohnerinnen und Einwohner). Gut 95 % dieser kleinen Schulgemeinden im Kanton werden von Schulkommissionen beaufsichtigt. Das ist auch in ihrer Gemeinde der Fall.

Der nächste MAS startet im Mai 2020 – jetzt anmelden

Details und Einblicke in den MAS finden Sie hier

Die ganze Masterarbeit kann hier  angefragt werden.