Als Nataniela Leutwiler vor sieben Jahren in die Schweiz kam, brachte sie bereits einen Beruf mit, der ihr viel bedeutete: In Brasilien war sie zur Primarlehrperson ausgebildet worden. Doch in einem neuen Land auch beruflich wieder Fuss zu fassen, braucht Zeit.
Leutwiler arbeitete zunächst als Betreuerin in einer grossen Tagesfamilie und unterrichtete Erwachsene in einem kleinen Pensum als Sprachlehrperson. Später wechselte sie in eine Tagesschule. Dort sammelte sie weitere Erfahrungen mit Kindern und im Schweizer Bildungsumfeld. Zuletzt war sie zusätzlich als Klassenhilfe in einer 1./2. Klasse tätig.
Der Wunsch blieb dabei derselbe: wieder selbst als Primarlehrerin vor einer Klasse zu stehen.
Eine offene Tür zur Schweizer Volksschule
Als Leutwiler auf den CAS Unterrichten mit ausländischem Lehrdiplom stiess, sah sie darin eine konkrete Chance.
"Der CAS war für mich wie eine offene Tür, durch die ich unbedingt gehen wollte", sagt sie rückblickend.
Sie wollte das Schweizer Schulsystem besser verstehen, sich mit den Anforderungen an Lehrpersonen vertraut machen und ihre Deutschkenntnisse weiterentwickeln. Gleichzeitig ging es für sie um etwas sehr Persönliches: wieder Sicherheit in ihrer professionellen Rolle zu gewinnen.
Im CAS konnte sie theoretische Grundlagen mit ihren Erfahrungen aus der Praxis verbinden. Unterrichtstage, Selbststudium, die Begleitung durch die Dozierenden und der Austausch mit anderen Teilnehmenden halfen ihr dabei, sich Schritt für Schritt auf den Einstieg in die Schweizer Volksschule vorzubereiten.
"Plötzlich wurde ich wieder als Lehrperson wahrgenommen"
Besonders in Erinnerung geblieben ist Leutwiler der Beginn des CAS. Sie sei mit viel Vorfreude, gleichzeitig aber auch mit Unsicherheit gestartet. Vieles sei neu und zunächst fremd gewesen.
Ein Moment habe deshalb besondere Wirkung entfaltet: Als die Teilnehmenden von der Lehrgangsleitung und den Dozierenden von Beginn weg als erfahrene Lehrpersonen angesprochen wurden.
Für Leutwiler war das mehr als eine Formulierung. Nach mehreren Jahren, in denen sie nicht mehr in ihrem ursprünglichen Beruf gearbeitet hatte, gewann sie dadurch zunehmend Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück.
"Die Sicherheit und das Selbstvertrauen kehrten Schritt für Schritt zurück", beschreibt sie diese Entwicklung. Oder, wie sie es selbst bildlich ausdrückt: Es habe sich angefühlt, als würde eine verwelkte Blume wieder Wasser erhalten und neu aufblühen.
Am Ende des CAS stand deshalb nicht nur neues Wissen über das Schweizer Schulsystem und den Lehrplan 21. Leutwiler hatte auch ihre berufliche Identität wiedergefunden: "Ich bin Lehrperson. Ich kann das."
Vom CAS in den Schulalltag
Inzwischen ist aus dem lange gehegten Wunsch Realität geworden. Seit August 2026 arbeitet Nataniela Leutwiler an derselben Schule, an der sie zuvor als Klassenhilfe tätig war, als Lehrperson einer 1./2. Klasse. Daneben bleibt sie weiterhin in der Tagesschule tätig.
"Die ersten drei Wochen waren für mich etwas ganz Besonderes. Ich bin mit einer Mischung aus Vorfreude, vielen Emotionen und auch etwas Unsicherheit in das neue Schuljahr gestartet. Ich durfte bereits unglaublich viel lernen und bin sehr dankbar, dass ich an einer so tollen Schule als Lehrperson arbeiten und Teil eines wunderbaren Teams sein darf. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich sehr herzlich aufgenommen und sind wahnsinnig hilfsbereit und unterstützend."
Für Leutwiler schliesst sich damit ein Kreis. Sie kann wieder in dem Beruf arbeiten, für den sie ursprünglich ausgebildet wurde – nun mit einem vertieften Verständnis des Schweizer Schulsystems und mit neuer Sicherheit in ihrer Rolle.
Die nächste Durchführung des CAS Unterrichten mit ausländischem Lehrdiplom mit Start im November 2026 ist bereits ausgebucht. Für die Durchführung November 2027 gibt es eine Interessiertenliste.