Nataliia Filipovska verfügte bereits über sehr gute Deutschkenntnisse und arbeitete seit längerer Zeit als DaZ-Lehrperson, als sie den Kurs "Berufsbezogene Sprachförderung für Lehrpersonen C2" der PHBern startete. Ihre pädagogische Ausbildung und erste Berufserfahrungen hatte sie in der Ukraine gesammelt. In der Schweiz ist sie heute unter anderem als DaZ-Lehrperson und Kulturvermittlerin tätig. Mit dem Kurs wollte sie deshalb nicht einfach "besser Deutsch sprechen", sondern lernen, ihre Sprache im Berufsalltag noch präziser, differenzierter und situationsgerechter einzusetzen.
In welchen Situationen fühlen Sie sich heute sprachlich souveräner als vor dem Kurs?
Durch den Kurs fühle ich mich in anspruchsvollen beruflichen Situationen deutlich sicherer. Das merke ich besonders bei Eltern- und Standortgesprächen, in Teamsitzungen sowie im Austausch mit Fachpersonen. Auch schriftlich kann ich meine Gedanken heute klarer und präziser formulieren. Statt mich vor allem zu fragen, ob mein Deutsch korrekt genug ist, konzentriere ich mich stärker darauf, was ich vermitteln möchte und ob meine Botschaft verständlich ankommt.
Welche sprachlichen Herausforderungen hatten Sie vor dem Kurs – und wie gehen Sie heute damit um?
Eine besondere Herausforderung war für mich die Bildungs- und Fachsprache. Im schulischen Alltag müssen Beobachtungen und pädagogische Einschätzungen präzise formuliert und gleichzeitig verständlich vermittelt werden. Heute kann ich bewusster zwischen Fachsprache und einer natürlichen Alltagssprache wechseln und meine Ausdrucksweise besser an die jeweilige Gesprächssituation anpassen.
Gab es eine konkrete Situation im Unterricht, mit Eltern oder im Kollegium, die Sie nach dem Kurs sprachlich anders oder sicherer gemeistert haben?
Besonders bei Elterngesprächen merke ich einen Unterschied. Ich kann heute genauer erklären, welche sprachlichen Herausforderungen ein Kind hat, welche Ressourcen es bereits mitbringt und welche Unterstützung sinnvoll sein könnte. Dadurch gelingt es mir besser, fachlich präzise und gleichzeitig verständlich zu kommunizieren.
Hat Sie am Kurs etwas überrascht?
Vielleicht nicht überrascht, aber besonders eindrücklich fand ich die Beschäftigung mit Gebärdensprache und sprachlicher Vielfalt. Sie hat mein Verständnis dafür erweitert, dass Sprache auf sehr unterschiedliche Weise funktionieren kann. Und mir wurde wieder bewusst, wie wichtig es ist, die Erstsprachen der Schülerinnen und Schüler wertzuschätzen und Mehrsprachigkeit als Ressource zu sehen.
Etwas, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Auseinandersetzung mit Grammatik. Ich habe begonnen, grammatische Strukturen stärker als zusammenhängendes System, fast wie ein Puzzle, zu verstehen. Das hilft mir nicht nur beim eigenen Sprachgebrauch, sondern auch im Unterricht als DaZ-Lehrperson, weil ich Grammatik verständlicher erklären kann. Ebenfalls wertvoll war die Analyse der eigenen Sprachproduktion. Sie hat meinen Blick dafür geschärft, wie ich Gedanken aufbaue, Wörter wähle und auf andere wirke.
Was bedeutet für Sie persönlich "sprachlich professionell auftreten" als Lehrperson?
Sprachlich professionell aufzutreten bedeutet für mich heute nicht, möglichst kompliziert oder vollkommen fehlerfrei zu sprechen. Entscheidend ist, klar, präzise und authentisch zu kommunizieren. Als Lehrperson muss ich meine Sprache an unterschiedliche Menschen und Situationen anpassen können: etwa beim Erklären, Argumentieren, Moderieren oder in schwierigen Gesprächen. Durch den Kurs ist mir noch bewusster geworden, dass Sprache eines meiner wichtigsten beruflichen Werkzeuge ist.
Und zu guter Letzt: wem würden Sie den Kurs empfehlen?
Ich würde den Kurs Lehrpersonen empfehlen, die bereits über gute Deutschkenntnisse verfügen und im Schweizer Bildungsbereich arbeiten möchten, besonders jenen, die wie ich eine pädagogische Ausbildung und Berufserfahrung aus einem anderen Land mitbringen. Wer fachlich viel kann, aber merkt, dass die Bildungs- und Fachsprache noch nicht ganz mithält, gewinnt hier am meisten.
Der Kurs hat mir gezeigt, dass man auch mit einem bereits guten Sprachniveau immer weiterlernen kann. Man entdeckt neue Möglichkeiten, genauer zu formulieren, differenzierter zu argumentieren und bewusster zu kommunizieren.
Rückblickend war der C2-Kurs deshalb für mich mehr als ein Sprachkurs. Er hat meine berufliche Sicherheit gestärkt, meinen Blick auf Sprache erweitert und mir gezeigt, wie viel Potenzial auch auf einem hohen Sprachniveau noch vorhanden ist.
Berufsbezogene Sprachförderung für Lehrersonen – Niveau C2
Erweitern Sie Ihre sprachlichen Fähigkeiten für den pädagogischen Bereich.
Der Kurs startet erneut am 18. November 2026 und dauert bis Juni 2027. Der Anmeldeschluss ist am 19. Oktober 2026.
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