Lehrpersonen unterrichten heute nicht mehr nur Fächer. Sie begleiten Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Lebenssituationen und arbeiten mit verschiedenen Fachpersonen zusammen. Durch Referate und in Ateliers setzten sich die Studierenden mit Themen wie Schulsozialarbeit, KESB (Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden), Diagnosen, Elternzusammenarbeit oder konkreten Unterrichtsprojekten auseinander. Dabei diskutierten sie auch, was Schule aus entwicklungspsychologischer und entwicklungspädiatrischer Sicht leisten kann, wie Kinder in ihrer Selbstregulation unterstützt werden können und welche Rolle Themen wie Mobbing, Haftung oder das Schulinspektorat im Berufsalltag spielen. Anders als in klassischen Seminaren bietet die Blockwoche Zeit, ein Thema über mehrere Tage aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und zu erarbeiten, mit Fachpersonen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Fragen aus dem späteren Berufsalltag zu diskutieren.
Wer hilft, wenn Unterstützung nötig ist?
Ein Schwerpunkt der Blockwoche lag auf den Unterstützungssystemen rund um Schule. Beiträge der Schulsozialarbeit und der KESB zeigten den Studierenden, welche Aufgaben diese Stellen übernehmen und wann Lehrpersonen auf sie angewiesen sind.
"Bei der Schulsozialarbeit wurde mir bewusst, was alles dahintersteckt und wie tief ihre Arbeit geht", sagt Studentin Alina Derungs. "Schulsozialarbeit ist eine Stütze für uns als Lehrpersonen. In heiklen Situationen oder bei einer Gefährdungsmeldung ist sie wertvoll, denn sie kann uns unterstützen." Besonders eindrücklich sei gewesen, wie viele Aufgaben ausserhalb des sichtbaren Schulalltags stattfinden.
Wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen
Mehrere Inputs beschäftigten sich mit Diagnosen, Förderung und der Zusammenarbeit mit Eltern. Dabei diskutierten die Studierenden, welche Bedeutung Diagnosen für Kinder, Eltern und Schule haben. "Wir denken als Lehrpersonen oft, dass eine Diagnose hilft, weil wir dadurch Unterstützung, beispielsweise in Form zusätzlicher Lektionen, erhalten", sagt die Studierende Amélie Schorer. "Aus Sicht der Eltern erhält das Kind aber auch einen Stempel. Diese Perspektive kann manchmal vergessen gehen." Derungs blieb besonders eine Aussage hängen: "Eltern und Kinder wollen keine Diagnose." Die Diskussion um das Thema habe gezeigt, dass eine Diagnose nicht immer die einzige Lösung sei.
Ideen für den eigenen Unterricht
Neben den Impulsreferaten konnten die Studierenden verschiedene Ateliers besuchen. Dabei standen konkrete Unterrichtsideen und Praxisbeispiele im Zentrum.
Die Studentin Deborah Salzmann besuchte das Atelier "Dancing Classroom" und war begeistert: "Es vermittelt Ideen, die man direkt in die Schule mitnehmen kann. Ich finde es toll, wenn ich zum Schluss der Ausbildung Inputs erhalte, die ich dann unmittelbar umsetzen kann."
Mitstudentin Michaela Fuchs hebt die Möglichkeit hervor, eigene Schwerpunkte zu setzen:
Gleichzeitig nehme sie konkrete Hilfestellungen für den Berufsalltag mit: "Spannend fand ich die Abläufe bei der KESB und zu wissen, an wen man sich wenden kann, wenn etwas ist."
Christina Rothen, Dozentin der PHBern, sieht genau darin die Stärke des Formats: "Die Studierenden erleben, dass Schule Teamarbeit ist und Lehrpersonen Herausforderungen nicht alleine bewältigen müssen."
Die drei Tage machten deutlich, dass Lehrpersonen heute weit mehr als Fachwissen benötigen. Sie müssen Unterricht gestalten, unterschiedliche Perspektiven einbeziehen und wissen, wo und wie sie Unterstützung erhalten.