SNF fördert Projekte zu digitaler Erholung und Bilderbuchgesprächen

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) unterstützt zwei neue Forschungsprojekte der PHBern mit einem Gesamtbetrag von knapp 1,2 Millionen Franken. Beide greifen Fragen aus dem Schulalltag auf: Wie wirkt digitale Freizeitgestaltung auf die Erholung? Und was passiert, wenn Kindergartenkinder gemeinsam über Bilderbücher diskutieren?
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Zeit gut verbracht? Digitale Freizeit und Erholung

Obwohl Menschen heute mehr Freizeit haben als frühere Generationen, fühlen sich viele erschöpft. Ein möglicher Grund liegt in der Art der Freizeitgestaltung: Viele verbringen ihre freie Zeit mit Streaming, Social Media oder Gaming. Ob das wirklich Erholung ist, wurde bislang kaum untersucht.

Das Projekt von Katharina Bernecker, Leiterin des Zentrums für Forschungsförderung, fragt deshalb: Wann und warum wählen Menschen digitale statt nicht-digitale Freizeitaktivitäten – und was bedeutet das für ihre Erholung und ihr Wohlbefinden? Das Forschungsteam kombiniert experimentelle mit alltagsnahen Methoden (sogenanntes 'Experience-Sampling'), um zu untersuchen, was geschieht, wenn digitale Freizeit gezielt reduziert wird. Mit diesen neuen Methoden werden auch einflussreiche frühere Studien wiederholt, um die Befunde auf eine solidere Grundlage zu stellen.

Die Erkenntnisse sind für Schulen und Lehrpersonen relevant: Ein besseres Verständnis davon, was wirklich erholsam ist, kann Medienbildung fundierter machen und helfen, digitale Medien im Schulalltag gesundheitsförderlicher einzusetzen, im Unterricht wie im Lehrberuf selbst.

Katharina Bernecker

Katharina Bernecker

"Mich interessiert besonders die Frage, warum wir oft genau die Freizeitaktivitäten wählen, die sich zwar kurzfristig gut anfühlen, uns aber womöglich nicht am besten erholen. Wenn wir besser verstehen, wie digitale Freizeit wirkt, können wir Menschen dabei unterstützen, ihre Freizeit bewusster und erholsamer zu gestalten."

ProjekttitelTime Well Spent? Examining Determinants and Consequences of Digital Leisure
LeitungProf. Dr. Katharina Bernecker
PartnerProf. Dr. Veronika Job (Universität Wien), Prof. Dr. Daniela Becker (Radboud University)
LaufzeitOktober 2026 bis September 2030 
SchwerpunktprogrammSoziale Interaktion, Wohlbefinden und Gesundheit

Wenn Kindergartenkinder anfangen zu diskutieren

Kindergartenkinder können argumentieren. Das klingt überraschend, wird aber durch neuere entwicklungspsychologische Studien gestützt. Kinder in diesem Alter können in Gesprächen eigene Positionen entwickeln, Gründe benennen und die Sichtweisen anderer verstehen. Was bisher fehlt: eine pädagogische Praxis, die dieses Potenzial gezielt nutzt.

Hier setzt das Forschungsprojekt von Luciano Gasser, Leiter des Schwerpunktprogramms Lernen und Entwicklung im Schulkontext, an. In einer mehrmonatigen Studie mit rund 50 Lehrpersonen und etwa 500 Kindern untersucht sein Team, wie Gespräche über Bilderbücher sprachliche und soziale Kompetenzen fördern. Dabei werden zwei Formen des gemeinsamen Lesens verglichen: erzählende Bilderbücher mit Gesprächen über Figuren, Gefühle und Konflikte einerseits, Sachbilderbücher mit Wortschatzfokus andererseits. Lehrpersonen videografieren ihren Unterricht und analysieren die Gespräche gemeinsam mit einem Coach.

Die Erkenntnisse liefern konkrete Hinweise und Tipps, wie Lehrpersonen die Diskussionsfreudigkeit und andere Gesprächstechniken bei Kindern fördern können. Zudem fliessen die Erkenntnisse direkt in die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen ein.

Porträt von Luciano Gasser

Luciano Gasser

"Oft wird angenommen, dass Argumentieren etwas für Jugendliche ist. Mich fasziniert, dass wir bereits im Kindergarten zeigen können, wie Kinder komplexe Fähigkeiten wie Perspektivenübernahme oder moralisches Urteilen entwickeln und was Lehrpersonen dazu beitragen können."

ProjekttitelEffects of an Interactive Reading Intervention on Children’s Moral Development: A Randomized Control Trial
LeitungProf. Dr. Luciano Gasser
PartnerP. Karen Murphy (The Pennsylvania State University, USA), Chiel Van der Veen (Windesheim University of Applied Sciences, Niederlanden), Jeanine Grütter (PH Zug)
LaufzeitApril 2027 bis März 2031
SchwerpunktprogrammLernen und Entwicklung im Schulkontext

Bildung schafft Chancen – dafür setzen sich die Forschenden der PHBern ein.

Das Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation der PHBern fördert mit exzellenter Forschung, gezielter Nachwuchsförderung und einem offenen Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen hochwertige Bildung für alle.