Zeit gut verbracht? Digitale Freizeit und Erholung
Obwohl Menschen heute mehr Freizeit haben als frühere Generationen, fühlen sich viele erschöpft. Ein möglicher Grund liegt in der Art der Freizeitgestaltung: Viele verbringen ihre freie Zeit mit Streaming, Social Media oder Gaming. Ob das wirklich Erholung ist, wurde bislang kaum untersucht.
Das Projekt von Katharina Bernecker, Leiterin des Zentrums für Forschungsförderung, fragt deshalb: Wann und warum wählen Menschen digitale statt nicht-digitale Freizeitaktivitäten – und was bedeutet das für ihre Erholung und ihr Wohlbefinden? Das Forschungsteam kombiniert experimentelle mit alltagsnahen Methoden (sogenanntes 'Experience-Sampling'), um zu untersuchen, was geschieht, wenn digitale Freizeit gezielt reduziert wird. Mit diesen neuen Methoden werden auch einflussreiche frühere Studien wiederholt, um die Befunde auf eine solidere Grundlage zu stellen.
Die Erkenntnisse sind für Schulen und Lehrpersonen relevant: Ein besseres Verständnis davon, was wirklich erholsam ist, kann Medienbildung fundierter machen und helfen, digitale Medien im Schulalltag gesundheitsförderlicher einzusetzen, im Unterricht wie im Lehrberuf selbst.
Katharina Bernecker
"Mich interessiert besonders die Frage, warum wir oft genau die Freizeitaktivitäten wählen, die sich zwar kurzfristig gut anfühlen, uns aber womöglich nicht am besten erholen. Wenn wir besser verstehen, wie digitale Freizeit wirkt, können wir Menschen dabei unterstützen, ihre Freizeit bewusster und erholsamer zu gestalten."
| Projekttitel | Time Well Spent? Examining Determinants and Consequences of Digital Leisure |
| Leitung | Prof. Dr. Katharina Bernecker |
| Partner | Prof. Dr. Veronika Job (Universität Wien), Prof. Dr. Daniela Becker (Radboud University) |
| Laufzeit | Oktober 2026 bis September 2030 |
| Schwerpunktprogramm | Soziale Interaktion, Wohlbefinden und Gesundheit |
Wenn Kindergartenkinder anfangen zu diskutieren
Kindergartenkinder können argumentieren. Das klingt überraschend, wird aber durch neuere entwicklungspsychologische Studien gestützt. Kinder in diesem Alter können in Gesprächen eigene Positionen entwickeln, Gründe benennen und die Sichtweisen anderer verstehen. Was bisher fehlt: eine pädagogische Praxis, die dieses Potenzial gezielt nutzt.
Hier setzt das Forschungsprojekt von Luciano Gasser, Leiter des Schwerpunktprogramms Lernen und Entwicklung im Schulkontext, an. In einer mehrmonatigen Studie mit rund 50 Lehrpersonen und etwa 500 Kindern untersucht sein Team, wie Gespräche über Bilderbücher sprachliche und soziale Kompetenzen fördern. Dabei werden zwei Formen des gemeinsamen Lesens verglichen: erzählende Bilderbücher mit Gesprächen über Figuren, Gefühle und Konflikte einerseits, Sachbilderbücher mit Wortschatzfokus andererseits. Lehrpersonen videografieren ihren Unterricht und analysieren die Gespräche gemeinsam mit einem Coach.
Die Erkenntnisse liefern konkrete Hinweise und Tipps, wie Lehrpersonen die Diskussionsfreudigkeit und andere Gesprächstechniken bei Kindern fördern können. Zudem fliessen die Erkenntnisse direkt in die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen ein.
| Projekttitel | Effects of an Interactive Reading Intervention on Children’s Moral Development: A Randomized Control Trial |
| Leitung | Prof. Dr. Luciano Gasser |
| Partner | P. Karen Murphy (The Pennsylvania State University, USA), Chiel Van der Veen (Windesheim University of Applied Sciences, Niederlanden), Jeanine Grütter (PH Zug) |
| Laufzeit | April 2027 bis März 2031 |
| Schwerpunktprogramm | Lernen und Entwicklung im Schulkontext |